Özdemir Kartaltepeli erinnert sich an Zeiten, in denen er nicht schlafen konnte, weil ihn die Sorgen um sein junges Unternehmen umtrieben - an Arbeitstage, die um 4 Uhr begannen und kaum vor Mitternacht endeten. Er spricht von sieben Jahren ohne Urlaub, von Monaten mit 380 Stunden Arbeit, von seelischen und körperlichen Belastungen. Er spüre die Verantwortung für seine Mitarbeiter, Arbeit für mehr als 50 Menschen zur Verfügung zu stellen und monatlich ihre Gehälter zu erwirtschaften. Das gelang zuletzt nicht mehr. Nicht nur sein Unternehmen SBM ist insolvent, er selbst sei es auch. Doch der gelernte Schweißer, der im Alter von zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, kennt wenig Selbstmitleid. Er gibt sich kämpferisch. "Ich finde einen Weg für einen Neuanfang", sagt er in einem Ton, der Entschlossenheit verrät.

Bettina und Reinhold Würth blicken diese Woche den Lesern großer deutscher Tageszeitung viertelblattgroß entgegen. Die Initiative "Deutschland made by Mittelstand" wirbt mit Vater und Tochter, die das Familienunternehmen mit zehn Milliarden starkem Jahresumsatz repräsentieren. Hinter der Aktion steht die genossenschaftliche Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Sie bedankt sich per Annonce dafür, dass sie das Wachstum von Würth unterstützen darf. Würth finanziert sich freilich über mehrere Quellen. Es fällt auf, dass das Unternehmen großes Vertrauen bei Investoren genießt. Eine Benchmark-Anleihe über 500 Millionen Euro (Zinskupon 1,75 Prozent im Jahr) war 2013 innerhalb von nur zwei Stunden mit Zeichnungsangeboten von über vier Milliarden Euro achtmal überzeichnet.