Verkehr Anwohner und Vereinsvertreter fordern: Ampel am Scharfen Eck wieder anschalten

Von links kommt ein Auto, von rechts ein Lastwagen. Wo früher Rotlicht Fahrzeuge stoppte, ist die Ampel heute ausgeschaltet, um den Verkehr besser fließen zu lassen. Eine Querungsmöglichkeit mit Hindernissen bietet die nahe Brücke.
Von links kommt ein Auto, von rechts ein Lastwagen. Wo früher Rotlicht Fahrzeuge stoppte, ist die Ampel heute ausgeschaltet, um den Verkehr besser fließen zu lassen. Eine Querungsmöglichkeit mit Hindernissen bietet die nahe Brücke. © Foto: Ufuk Arslan
WOLF-DIETER RETZBACH 07.08.2015
Die Ampel am Scharfen Eck ist abgeschaltet: Der Verkehr dort soll während der B-19-Sperrung besser fließen. Anwohner und Vertreter des ASV Hall üben Kritik: Die Querung der Straße sei für Fußgänger nun zu gefährlich.

Der Plan des Autofahrers geht nicht auf. Er steht mit seinem Wagen vor der Bäckerei Scheu am Scharfen Eck, an der Einfahrt zur Stuttgarter Straße. Der Mann und andere Fahrzeuge in der Warteschlange können minutenlang nicht einfahren: Es gibt keine Lücke in dem fließenden Verkehr. Also steigt der Fahrer aus, spurtet die paar Meter zur Ampel, drückt auf den Schalter. Er hofft, so die Fahrzeuge kurz stoppen und endlich einfahren zu können. Aber es tut sich nichts. Die Ampel ist während der Vollsperrung in Untermünkheim außer Betrieb.

Das Rotlicht der Ampel als Unterbrechung des Stroms an Fahrzeugen - das wünschen sich auch Fußgänger, die am Rand der Stuttgarter Straße stehen, mitunter minutenlang, weil sie sie wegen des Verkehrs nicht überqueren können. "Hier wollen fast minütlich Leute über die Straße gehen", hat Mahmoud Fares beobachtet.

Der 32-Jährige ist selbst ein Betroffener: Er wohnt mit seiner Familie auf dem Hang Im Weiler, neben dem Vereinsheim des Athletik-Sportvereins (ASV). Fares ist seit einigen Wochen Vater und sagt über die ausgeschaltete Ampel am Fuße des Hanges: "Wir kommen mit dem Kinderwagen sehr lange nicht über die Stuttgarter Straße."

Die Seniorin mit Rollator hebt am Rand den Arm

Seine 72-jährige Mutter benötigt einen Rollator, um sich fortbewegen zu können. Steht sie an der Ampel, müsse sie mitunter zehn Minuten warten, bis sich eine kleine Chance zur Querung auftut. Manchmal, erzählt der Sohn, hebt sie in ihrer misslichen Situation die Hand und hofft, dass Autos abbremsen und sie über die Straße lassen.

Das Problem der Querung bei ausgeschalteter Ampel betreffe auch viele andere Leute, betont Fares: So wohnen weitere Familien Im Weiler - dort, wo auch viele Leute ihre Autos auf den vermieteten Parkplätzen abstellen, bevor sie in die Stadt gehen.

Die Ampel sei wegen der Vollsperrung in Untermünkheim abgeschaltet worden, teilt Stadtsprecher Thorsten Hauck mit. Die Verwaltung, insbesondere der Fachbereich Bürgerdienste und Ordnung, habe beobachtet, dass sich diese Maßnahme bewährt hat. Hauck: "Der Verkehr fließt, und der eigentlich erwartbare Stau ist ausgeblieben. Bis auf weiteres wird die Ampel deshalb auch ausgeschaltet bleiben."

Fares versteht dieses Vorgehen nicht: "Der Verkehr darf nicht vor der Sicherheit der Bürger stehen." Er habe mehrmals bei der Stadtverwaltung angerufen, auf die "extrem gefährliche" Stelle hingewiesen und darauf, dass er dort schon viele gefährliche Situationen mit Fußgängern und Radlern erlebt habe und vor allem Kinder und ältere Menschen gefährdet seien. "Das Rotlicht fehlt an dieser Stelle, eine eingeschaltete Ampel dort ist essentiell", sagt auch ein 33-jähriger Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will. Die Ampel müsse im Interesse der Bürger sofort wieder angeschaltet werden.

Das wird nicht geschehen. Die Anwohner fürchten, dass die Ampel zum Zwecke eines besseren Verkehrsflusses dauerhaft wegfällt. Dabei, betonen beide Anwohner, hätten sie beobachtet, dass es am Scharfen Eck nicht viel mehr Verkehr gebe als vor der B-19-Sperrung.

Fußgänger bräuchten nicht an der abgeschalteten Ampel die Straße queren, sondern könnten den in der Nähe liegenden Holzsteg nutzen, sagt Hauck. Der Steg sei "zwar nicht komplett barrierefrei, allerdings bestehen hier ebenfalls Ausweichmöglichkeiten, die zumutbar sind". Das teile die Verwaltung "den wenigen Bürgern" mit, "die sich deshalb bei uns melden", so Hauck.

Fares sieht das anders: Der Steg sei für Bürger beispielsweise mit Rollatoren oder Kinderwagen wegen mehrere Hindernisse, etwa Stufen, nicht als Alternative geeignet.

In einigen Jahren wird das Problem gelöst sein. Mit dem Weilertunnel - der am Hotel Hohenlohe in den Berg führt und am Club Alpha wieder herauskommt - wird die Strecke von dem vielen Durchgangsverkehr komplett befreit sein.

ASV-Ringer: "Der Steg alleine reicht nicht"

Unsicherheit Mitglieder des Athletik-Sportvereins (ASV) Schwäbisch Hall monieren die Abschaltung der Ampel am Scharfen Eck. Die Halle, in der die Ringer trainieren, liegt Im Weiler - nur wenige Meter oberhalb der Johanniterstraße und der Ampel. "Ich warte oft zehn Minuten, bis ich über die Straße komme", sagt ASV-Trainer Gerhard Wolf. Die Querung sei vor allem für Kinder gefährlich. Der zwölf Jahre alte Nachwuchsringer Alex Kistner sagt, dass er sich auf dem Weg zum Training beim Überqueren der Straße "unsicher" sei. Die Abschaltung der Ampel sei "unnötig", meint ASV-Vorstandsmitglied Volker Randi. Der Umweg über den Steg sei zwar jungen Leuten zumutbar, nicht aber Senioren und Leuten mit Kinderwagen. Randi: "Der Steg allein reicht nicht."

WD