Region Ansturm erst vor dem Schnee

Das Auto wird mit neuen Winterreifen ausgerüstet. Faustregel für Autofahrer: Ist das Profil der Winterreifen so tief, dass von dem goldfarbenen Rand der Ein-Euro-Münze nichts mehr zu sehen ist, kann damit noch gefahren werden. Andernfalls raten Fachleute zu neuen Reifen. Symbolfoto.
Das Auto wird mit neuen Winterreifen ausgerüstet. Faustregel für Autofahrer: Ist das Profil der Winterreifen so tief, dass von dem goldfarbenen Rand der Ein-Euro-Münze nichts mehr zu sehen ist, kann damit noch gefahren werden. Andernfalls raten Fachleute zu neuen Reifen. Symbolfoto. © Foto: dpa
Region / JÜRGEN STEGMAIER 26.11.2014
Viele Autofahrer lassen sich Zeit. Bei Reifen-Ricker in Fichtenberg sind noch rund 40 Prozent der eingelagerten Winterräder in der Werkstatt. "So extrem spät war es noch nie", sagt der Geschäftsführer.

Noch zeigt sich der Herbst von seiner milden Seite. Ein Teil der Autofahrer hat seine Winterräder schon montiert. Einige entschließen sich in diesen Tagen, die grobstolligen Reifen aufziehen zu lassen. Einen Ansturm erwarten die heimischen Reifenhändler an den Tagen, an denen Schneefall und Frost vorhergesagt werden. "Noch sitzen viele Händler auf großen Mengen", sagt der Geschäftsführer von Reifen-Ricker. Ihm fällt auf, dass die Fahrer von Leasing- und Geschäftswagen in der Regel früher mit der Winterreifen-Montage dran sind. Auf diese Autos werden in der Regel auch die hochwertigeren Reifen montiert. "Je später der Schnee kommt, desto billigere Reifen kaufen die Kunden", sagt der Fachmann, der namentlich nicht genannt werden will.

Wer bei winterlichen Straßenbedingungen mit Sommerreifen erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von 40 Euro. Ein entsprechendes Gesetz ist seit Dezember 2010 in Kraft. Das Geschäft mit den Winterreifen habe seitdem zwar ein bisschen angezogen, einen Boom habe das Gesetz allerdings nicht ausgelöst, sagt der Geschäftsführer der Haller Reifenbörse. Auch er bittet darum, seinen Namen nicht zu nennen.

Zwischen guten und schlechten Winterreifen gibt es bemerkenswerte Unterschiede, wie verschiedene Tests von Automobilclubs und Fachmagazinen ergeben haben. Der Bremsweg bei Nässe bei Tempo 80 kann zwischen 35,7 und 52,7 Metern liegen. Auf Schnee kann ein Fahrzeug, das Tempo 50 fährt, zwischen 27,4 und 30,5 Metern bis zum Stand benötigen. Die Bremswege bei Nässe und Glätte gelten als die wichtigsten Merkmale bei der Beurteilung von Winterreifen.

Viele Autofahrer orientieren sich an Test

Julia Kochendörfer ist Prokuristin im gleichnamigen Reifenhandel, der Niederlassungen in Bibersfeld und Hessental hat. Sie stellt fest, dass Winterreifen von hoher Qualität stärker nachgefragt werden. Sie merkt an, dass vielen Autofahrern die Sicherheit wichtig ist.

Test oder Empfehlung - wie entscheiden sich Autofahrer für Winterreifen? "Die meisten kommen mit einem Test zu uns, lassen sich dann aber auch beraten", sagt Julia Kochendörfer.

Sind Winterreifen teurer als Sommerreifen? Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil der Vergleich hinkt. "Sommerreifen sind in der Regel größer als Winterreifen", erklärt Julia Kochendörfer. Der Fichtenberger Geschäftsführer von Reifen Ricker bekräftigt dies. "Früher war die Sommerreifen-Größe 195/65/15 der Standard. Inzwischen kommen auch auf kleinere Autos Reifen mit dem Maß 205/55/16." Winterreifen würden dagegen kleiner ausfallen.

Bei Glätte, Matsch und Schnee sind Winterreifen Pflicht

Gesetz Eine generelle Pflicht, das Auto mit Winterreifen auszurüsten, gibt es nicht. Allerdings: "Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit M+S-Reifen gefahren werden", so steht es in der Straßenverkehrsordnung. Diese Regelung gilt auch für allradbetriebene Fahrzeuge. Gemessen an dieser Verordnung gab es im Haller Land in diesem Herbst noch keinen Tag, an dem Winterreifen Pflicht gewesen wären. Verkehrsexperten raten allerdings zu Winterreifen von "Oktober bis Ostern".

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