Naturschutz Anpacken für den Artenerhalt

Michelfeld / Andreas Scholz 08.12.2018
Auf einer Hangwiese in Gnadental-Schöpperg wächst der rare Blassgelbe Klee. Als Grundstücksbesitzer haben Jutta Ambrosius und ihr Mann im Herbst anstrengende Pflegemaßnahmen durchgeführt, um die seltene Pflanzenart zu schützen.

Jutta Ambrosius ist in diesen Tagen noch beschäftigter als sonst. Die Diplom-Betriebswirtin, die seit mehr als 35 Jahren in der Haller Kreuz­äcker-Siedlung am Limpurger Platz ein Geschäft für Bürobedarf betreibt, ist auch in ihrem Homeoffice in Gnadental-Schöpperg ausgelastet. „Ich muss mich auch um den Verkauf von Büromöbeln kümmern und oft zu Kunden fahren, weil dieser Geschäftsbereich wächst“, erklärt sie.

Zwischendurch lässt es sich die quirlige Frau nicht nehmen, die Quitten von dem Baum auf dem höfischen Anwesen im kleinen Weiler Schöpperg zu ernten. „Ich will unbedingt noch Quitten-Marmelade machen“, betont sie. Aus zeitlichen Gründen musste sie heuer die Zwetschgen- und Walnussernte ein wenig vernachlässigen. Schließlich leben auf dem Hof neben der Oma auch noch 30 Hühner, mehrere Katzen und die Hundedame Amica.

Jutta Ambrosius nimmt sich trotz der vielen Herausforderungen im Alltag die Zeit für das tägliche Gassigehen mit Amica in der Idylle des Kulturlandschaftspfades Gnadental. „Mein Mann ist hier aufgewachsen. Wir wohnen in einer landschaftlich reizvollen Ecke“, erklärt Jutta Ambrosius, die ursprünglich aus Göppingen stammt.

Bäume und Büsche geschnitten

Zeit zum Ausruhen hatten Jutta Ambrosius und ihr Mann an den vergangenen Wochenenden nicht. Seitdem bekannt ist, dass auf den umliegenden Hangwiesen des Ehepaars der Blassgelbe Klee gedeiht, übernehmen sie immer mal wieder landschaftspflegerische Maßnahmen, um die Population der seltenen Pflanze zu erhalten. „Es ist ein bisschen mühsam, die Bäume und Sträucher auf dem steilen Wiesenhang zu schneiden, aber der Blassgelbe Klee braucht viel Sonne“, erklärt die Naturschützerin.

Die Landschaftspflegemaßnahmen auf ihrem Grundstück erledigt das Ehepaar auf Anraten von Judith Heller, die im Team des Landschaftserhaltungsverbandes im Landratsamt mitwirkt. „Der Blassgelbe Klee ist Teil des Artenschutzprogrammes in Baden-Württemberg und wurde 1995 zum ersten Mal in Schöpperg-Gnadental nachgewiesen.“

Experte kommt nach Schöpperg

Alle paar Jahre wird der Fundort von einem Artenschutzbetreuer aufgesucht. „Dieser formuliert die Maßnahmen, die dem Erhalt des Vorkommens dienen“, erklärt Judith Heller. Dann komme der Landschaftserhaltungsverband ins Spiel. „Wir sind für das Umsetzen der Vorschläge zuständig und sprechen mit den Eigentümern.“ Judith Heller war vor ein paar Wochen in Schöpperg, um die Wiese zu inspizieren. „Der seltene Blassgelbe Klee kommt in Mitteleuropa hauptsächlich auf wechseltrockenen Magerrasenflächen vor“, erläutert die Landschaftspflegerin. Sie hat folgende Maßnahmen vorgeschlagen, um den Blassgelben Klee zu schützen: Erhalt des Magerrasens, idealerweise durch Schafbeweidung und regelmäßige mechanische Nachpflege. Auch ältere Verbuschung sollte entfernt werden.

Von dem Einsatz zur Erhaltung der heimischen Flora ist auch Martin Zorzi vom kreisweit tätigen Umweltzentrum angetan. „Das gibt es selten, dass jemand derart kooperativ ist und die Grundstücksnutzung so konsequent zugunsten einer seltenen Pflanze ändert“, lobt er. „Der Blassgelbe Klee ist bei uns eine Rarität und die Standorte gehen tendenziell zurück.“

Es gebe laut Zorzi aber einen Hoffnungsschimmer. „Da ich den Blassgelben Klee meist von Schafweideflächen und Triebwegen kenne, vermute ich, dass seine Samenverbreitung auch ein bisschen mit der Wanderschäferei zusammenhängt.“ Erhalte man diese, könne sich die Kleeart  verbreiten, weil der Samen in den Klauen der Tiere transportiert werde. „Wir in der Region haben eine große Verantwortung, dass uns der seltene Klee langfristig erhalten bleibt“, so Zorzi.

Klee steht bei den Hummeln, Bienen und Schmetterlingen hoch im Kurs

Der Blassgelbe Klee (Trifolium ochroleucon) zählt zu den floristischen Besonderheiten im Kreis Hall. Er steht auf der Liste des Artenschutzprogramms Baden-Württemberg. Im Gegensatz zum Blassgelben Klee eher häufig sind der Wiesenklee (Trifolium pratense) und der Weißklee (Trifolium repens). Kleeblüten sind bei Hummeln, Bienen und Schmetterlingen begehrt. Der Wiesenklee ist in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer beliebt. Im Volkstum hat sich bis heute der Glaube gehalten, dass ein vierblättriges Kleeblatt dem Finder Glück bringen soll. Das vierblättrige Kleeblatt ist auch das Wahrzeichen der Schornsteinfeger. Ein dreiblättriges Kleeblatt findet sich dagegen als Symbol auf dem Wappen Irlands. asc

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