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Bestatter Peter S. wurde vor Monaten wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. Ein Haller Mitbewerber wartet seit Ende 2013 auf seinen Prozess. Amtsgericht und Landgericht schieben den Fall hin und her.

Das Geschäft mit dem Tod scheint für manche Bestatter nicht lukrativ genug zu sein: Peter S. war mit seiner Masche aufgeflogen und im Oktober 2014 zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er hatte teure Särge verkauft und die Verstorbenen ohne Wissen der Angehörigen in billige Modelle umgebettet. Zudem soll er mehrfach pietätlos mit den Toten umgegangen sein. 102 Fälle kamen damals zur Anklage.

Umbettungen in ähnlichem Stil werden einem weiteren Haller Bestatter vorgeworfen. Die Polizei ermittelt seit 2012 gegen den Diakon, der noch heute sein Geschäft führt. Allerdings verzögert sich der Prozessauftakt - auch wegen Unstimmigkeiten über die Zuständigkeit: Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage - wie im Fall Peter S. - vor dem Landgericht Heilbronn erhoben. Die dortige dritte Kammer entschied aber, diesen Fall vor dem Haller Amtsgericht zu eröffnen.

Wolfgang Amendt ist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. "Der andere Bestatter war geständig und wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. In diesem Fall wird vom Beschuldigten aus alles bestritten." Bei einer Verurteilung ohne Geständnis sei eine höhere Haftstrafe als vier Jahre zu erwarten. Dann reiche die Strafgewalt des Amtsgerichts nicht mehr aus.

"Ich würde das in Hall verhandeln und habe mindestens zwölf Verhandlungstage prognostiziert. Das würde das Amtsgericht aber für zwei Monate blockieren", so der Vorsitzende Richter Wolfgang Amendt. Der Aufwand sei vergebens, wenn - wie in diesem Fall zu erwarten - der Staatsanwalt im laufenden Prozess den Antrag stellte, den Prozess doch vor dem Landgericht weiterzuführen. "Dort müsste der Fall von vorne verhandelt werden."

Das sieht auch Oberstaatsanwalt Peter Bracharz so. "Aus meiner Sicht ist es keine gute Lösung, denn Fall vor dem Amtsgericht zu eröffnen." Der bereits verurteilte Peter S. habe alle Karten auf den Tisch gelegt. Der jetzt Beschuldigte bestreite alles. "Der Bonus des Geständnisses greift hier also nicht." Insbesondere bei einer möglichen Berufung werde der Fall unnötig in die Länge gezogen. "Mir schwant Böses", so der Staatsanwalt.

Nun hat das Amtsgericht vor einer Woche den Fall zur erneuten Prüfung der Zuständigkeit an das Landgericht nach Heilbronn geschickt. Für eine Stellungnahme von dort war gestern niemand zu erreichen. Sowohl Amtsgericht als auch Staatsanwaltschaft drängen auf eine schnelle Entscheidung. "Der Fall liegt bereits eine Ewigkeit unbearbeitet in der Welt", meint Peter Bracharz.

Das ärgert auch Verteidigerin Ulrike Wallot. "Die sollen mal langsam zu Potte kommen." Ihr Mandant sei seit zwei Jahren den geschäftsschädigenden Beschuldigungen ausgesetzt. Der Betrieb laufe schlecht. Die Vorwürfe der Ermittler seien "keine Tatsachen, die als Beweis für eine Straftat" dienen könnten. "Ich habe eher das Gefühl, dass durch das abgeschlossene Verfahren gegen S. (. . .) die Branche unter Generalverdacht steht." Ihr sei auch ein großer Verfolgungseifer aufgefallen, den sie in ihrer 25-jähriger Karriere noch nicht erlebt habe.

Ende 2013 wurde erstmals gegen den Bestatter Anklage erhoben. Wolfgang Amendt hatte darauf umfangreiche Nachermittlungen angeordnet, bei dem laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf weitere Straftaten erhärtet worden seien. Mittlerweile geht es um mindestens 36 Fälle. "Besonders schwer wiegt eine Umbettung, weil sie nach der Schuldigen-Belehrung durch die Polizei erfolgt ist", meint Richter Amendt.

Neben Umbettungen soll der Bestatter Kunden mit sogenannten Vorsorgeverträgen um mindestens 11000 geprellt haben. Der Schaden, den die Staatsanwaltschaft vor Gericht beweisen will, beläuft sich auf rund 42000 Euro.

Peter S. in Haft

Strafe Der im Oktober verurteilte Bestatter Peter S. sitzt seine Haftstrafe seit Januar in der Justizvollzugsanstalt in Öhringen ab. Das teilt sein Verteidiger Michael Fust mit. "Ich habe noch dafür gesorgt, dass der Weihnachtsfrieden gewahrt wird", so der Haller. Nach der Strafvollstreckung sei der Verteidiger nicht mehr in der Sache involviert. S. wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

SWP