Schwäbisch Hall Anekdoten vom Kuchen- und Brunnenfest

Schwäbisch Hall / POS 10.06.2014
Kuriose und lustige Beobachtungen rund um das Siedersfest - aufgeschrieben von unserer Volontärin Olga Possewnin.
Ein kleines, blondes Mädchen im rosa Kleidchen klatscht beim Auftakt des Kuchen- und Brunnenfestes am Freitag nach dem Zug des Großen Siedershofes durch Weckrieden zur Musik mit. Und auch auf dem Balkon eines Hauses stehen sechs Frauen und tun dasselbe. Aber es sind nicht irgendwelche Frauen – es sind die Landfrauen. Diese haben am Balkon entlang ein gelbes Band gespannt, auf dem steht: „Weckrieden grüßt die Haller Sieder.“

Ortsvorsteher Eckhard Moser erinnert sich: „Vor 13 Jahren waren die Sieder das letzte Mal beim Auftakt in Weckrieden. Da war unsere Tochter gerade geboren und wir haben vom Fenster aus zugeschaut.“

Luca Braun, ein Jungsieder, hat am Wochenende doppelten Grund zur Freude: Am Samstag feiert er seinen zehnten Geburtstag und am Sonntag wird er für fünf Jahre bei den Siedern geehrt. Bevor es am Samstag zu den Altenheimen in Schwäbisch Hall und den Teilorten geht, kriegt Luca am Bahnhof noch ein Ständchen und ein Geschenk – eine Mütze seiner Lieblingsmarke „es“. Der Kleine ist überglücklich.

Auf der Busfahrt zum Wohn- und Pflegestift im Teurershof herrscht ausgelassene Stimmung – trotz Temperaturen von über 30 Grad. Die Sieder spielen Flöte, Trommel und Trompete. Einer von ihnen, der kein Instrument hat, hält sich die ganze Zeit über das linke Ohr zu. Er scheint sich wohl an den Melodien sattgehört zu haben. Ein anderer – seine Kollegen rufen ihn Alex – verliert in einer Kurve das Gleichgewicht und stürzt, was für allseits großes Gelächter sorgt. Kurz vor dem Pflegestift ruft ein Sieder dem Busfahrer zu: „Wirsch du eigentlich nach Kilometern bezahlt?“ Den schnellsten Weg hat dieser tatsächlich nicht genommen.

Vor dem Tanz der Jungsieder darf Ilse Johannsen (83), frühere Burkhardt, aus dem Gockel trinken. Sie ist die erste Tanzpartnerin des mittlerweile verstorbenen Ehrensieders und Haalhauptmannes Fritz Gräter. „Ich muss gucken, ob die einen Fehler machen“, sagt sie und meint die tanzenden Mädchen und Jungen.

Während der Einkerkerung in den Sulferturm auf dem Haalplatz schreit einer der Delinquenten, als er abgeführt wird: „Ich bin doch net der Uli Hoeneß!“ Ein Junge fragt ein paar Minuten später seinen Vater: „Ist das echt?“ Daraufhin antwortet dieser besänftigend: „Nein, das ist nur gespielt.“ Ein anderer Papa fühlt sich dazu berufen, seiner pubertierenden Tochter Nachhilfeunterricht in Geschichte zu geben: „Weißt du, was peinliche Befragung bedeutet?“ Das Mädchen hat nur ein müdes „nope“ für ihren alten Herrn übrig. „Das heißt Folter“, schließt dieser die Wissenslücke seines Sprösslings.

Um zehn vor elf am Samstagabend ist plötzlich über dem Unterwöhrd ein Feuerwerk zu sehen. Gehört das etwa auch zum Kuchen- und Brunnenfest, vielleicht ein neuer Programmpunkt? Aber nein, Robert Spoden, Geschäftsführer des Verein Alt Hall und für die Organisation des Festes zuständig, klärt auf: „Das war eine private Veranstaltung.“ Hübsch war’s allemal.

Huch, da läuft ja jemand am Sonntagnachmittag in einem zotteligen Kostüm den Steinernen Steg entlang. Die Gestalt, die aussieht wie der Hoolgaascht sorgt für irritierte Gesichter. Die Besucher des Kuchen- und Brunnenfestes drehen sich nach ihr um. Aber wer verbirgt sich hinter der Verkleidung? Die Auflösung kommt, als der Hoolgaascht seinen Kopf abnimmt: ein Mädchen. Es heißt Alea Kreuzberger und ist 14.

Auf dem Grasbödele ist am Wochenende wegen der Gefahr von Scherben keine einzige Flasche zu sehen. Deshalb trinken die Sieder aus Krügen. Einer von ihnen trägt gleich acht Stück in den Händen. Vielleicht sollte er sich fürs Münchener Oktoberfest bewerben?