„Sherlock“ bei den Burgfestspielen Amüsante Detektivjagd auf der Götzenburg

Jagsthausen / Corinna Janßen 07.08.2018
„Baskerville“ beeindruckt bei den Burgfestspielen Jagsthausen als herrlich schräge Komödie.

Die Szenerie zu Beginn der Komödie „Baskerville – Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville“ im Innenhof der Götzenburg ist schaurig wie der Originalfilm selbst: Nebel kriecht über den Boden, das grausige Jaulen eines Hundes ist zu hören. Noch ahnen die Zuschauer nicht, was sie in den nächsten Stunden erwarten könnte: Es ist herrlich britischer Humor, gespickt mit einer geballten Ladung Ironie, unvorhersehbaren Pointen, Tempo und witziger Situationskomik.

Sherlock Holmes, der berühmte britische Privatdetektiv, eilt herbei, als die Leiche von Sir Charles Baskerville bei dessen Landsitz gefunden wird. Neben dem Leichnam sind die Spuren eines riesigen Hundes auszumachen. Die Indizien sprechen für einen Serientäter, der der Familie Baskerville seit Jahrzehnten zusetzt. Ein anonymer Brief an den Erben Henry Baskerville aus Texas lässt vermuten, dass ihm ein ähnliches Schicksal droht. Holmes (Gerd Lukas Storzer) und sein Partner Dr. Watson (Frank Watzke) machen sich auf die Jagd.

Regisseurin Eva Hosemann arbeitet mit einem reduzierten Bühnenbild, das von Stephan Bruckmeier stammt. Ein nostalgisches Sofa und der Sessel passen zu dem in Tweed-Jackets  (Kostüme: Volker Deutschmann) steckenden Ermittler-Duo. Links und rechts der Bühne stehen Ständer, gefüllt mit unzähligen Kleidern. Schnell erschließt sich der Sinn dieser Kulisse: Neben Storzer und Watzke spielen noch drei weitere Schauspieler mit, und zwar Mats Kampen, Achmed Ole Bielfeldt und Melissa Holley. Diese schlüpfen in Windeseile in neue Kleider und damit in unzählige Nebenrollen. So wird aus dem texanischen Henry ein Scotland-Yard-Inspektor, aus dem lispelnden Laufjungen ein kokettes Hausmädchen mit französischem Akzent und aus dem Hotelier ein Schmetterlingsfänger.

Heiterkeit am laufenden Band

Immer wieder bricht das Publikum in Lachsalven aus. Etwa dann, als Holmes fragt, ob die gestrige Ausgabe der „Times“ vorhanden sei, er eine Ausgabe der hiesigen Tageszeitung in die Hand nimmt, um festzustellen: „Ach, schon übersetzt.“

Doch was ist das? Plötzlich schweigt Storzer – und schweigt. Er steht auf, läuft hinter die Bühne, um mit einem A4-Blatt wieder aufzutauchen, das er der Souffleuse entwendet hat. Er liest sich ein – und kennt plötzlich seinen Text wieder. Herrlich authentisch wirken alle fünf Schauspieler. Selbst Patzer werden originell und amüsant gemeistert. Das Publikum dankt mit verdientem feurigem Applaus.

Info Weitere Vorführungen am 8., 11., 14. und 22. August. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr.

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