In welcher Beziehung die 26-jährige Frau aus dem Kochertal und der 33-jährige Bauarbeiter aus dem Landkreis Hall stehen, ist auch am Ende der Verhandlung vor dem Künzelsauer Amtsgericht noch unklar. Klar ist indes schon zu Beginn, dass es im Mai einen handfesten Streit zwischen den beiden gab. Dies führte zur Anklage der 26-Jährigen wegen schwerer Körperverletzung.

Die Auseinandersetzung im Flur des Hauses, das die 26-Jährige damals bewohnte, endete damit, dass sie ihm eine volle Bierflasche nachwarf. Die Folge: eine vier Zentimeter lange Platzwunde am Kopf des 33-Jährigen. Laut Staatsanwältin Katharina Steinmeyer hat das Opfer die Angeklagte aufgesucht, um die 22.000 Euro zurückzufordern, die er ihr für eine Autoreparatur geliehen hat. Schon als er an ihre Tür geklopft habe, soll sie ihn übel beschimpft haben. Als er auf dem Rückzug gewesen sei, habe ihn die Flasche getroffen.

Tübingen/Tuningen

Die Angeklagte kommt ohne Anwalt und zu spät in den Gerichtssaal. Die Tat bestreitet sie nicht. Sie ist unverheiratet, Mutter zweier Kinder und ohne Arbeit. Eines stellt sie vor Gericht gleich klar: Um Geld sei es nie gegangen. Der 33-Jährige habe sie bedrängt und in sozialen Netzwerken verbreitet, dass er sie liebe. Bei dem Besuch im Mai habe er bereits im Hausflur herumgeschrien und sie beschimpft. Als sie die Wohnungstür geöffnet habe, sei er auf sie losgegangen. Auf dem Flur sei es hin und her gegangen. Als er einen Treppenabsatz tiefer gewesen sei, habe sie die volle Flasche, die an der Wohnungstür gestanden habe, geworfen.

„Ich bin öfters in Hall. Ich habe keine Ahnung mehr, woher wir uns kennen“, antwortet sie auf die Frage von Richter Marcel Jakubek. Seit anderthalb Jahren sei der Mann aber hinter ihr her. „Der lässt mich jetzt noch nicht in Ruhe“, sagt sie. Der eher einfach strukturierte 33-Jährige dagegen erzählt, dass ihm die Frau eine SMS geschickt habe, um ihn kennen zu lernen.

Im Mai sei er zu ihr gefahren, weil die 26-Jährige seit März auf Kontaktversuche nicht mehr reagiert habe. Um das Geld, das er ihr gegeben habe, habe sie ihn gebeten. Er habe dafür einen Kredit aufgenommen. Sie habe die Raten-Rückzahlung nicht eingehalten. Auf Nachfragen räumt er ein, sich eine Beziehung erhofft zu haben. Die Staatsanwältin plädiert für eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Richter Jakubek folgt diesem Antrag.