Mahle Am Standort Hall des Automobil-Zulieferer stehen 87 Arbeitsplätze auf der Kippe

Ein Kolben von Mahle wird auf seine Qualität hin geprüft. In weltweit jedem zweiten Auto ist Technik des Stuttgarter Konzerns im Einsatz.
Ein Kolben von Mahle wird auf seine Qualität hin geprüft. In weltweit jedem zweiten Auto ist Technik des Stuttgarter Konzerns im Einsatz. © Foto: Mahle
JÜRGEN STEGMAIER 06.10.2015
Der Standort des Unternehmens Mahle im Haller Stadtteil Sulzdorf sei nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, schreibt der Automobil-Zulieferer. In Hall könnten mehr als 87 Menschen ihre Arbeit verlieren.

In Schwäbisch Hall betreibt Mahle im Sulzdorfer Industriegebiet drei Gesellschaften. Erstens, die Mahle Behr Service (MBS) GmbH. Sie kümmert sich in Sulzdorf um ein zentrales Lager. Dort sind 55 Mitarbeiter beschäftigt. Zweitens, die Mahle Industrial Thermal Systems GmbH & Co. KG (MITS). Bei ihr sind derzeit noch 32 Mitarbeiter mit dem Service und der Instandsetzung von Kühlanlagen und Wärmetauschern sowie der Montage und Reparatur von Hydraulikpumpen und -motoren befasst. Drittens, die Behr Hella Service GmbH. Zwischen 30 und 40 Mitarbeiter vertreiben die Technik der MBS. Sie ist nach einer Mitteilung des Unternehmens nicht von den Sparplänen betroffen.

Der Konzern mit Sitz in Stuttgart gilt als Europas viertgrößter Automobil-Zulieferer. Mahle wird zu allererst mit der Entwicklung und Herstellung von Kolben und anderen Motorenteilen in Verbindung gebracht. 2013 hat Mahle das Unternehmen Behr übernommen. Dieses ist spezialisiert auf die Entwicklung von Klimaanlagen.

Umsatz 2014: rund 10 Milliarden Euro

Gemessen an Beschäftigtenzahlen und Umsatz ist die Firmengruppe mit dem Künzelsauer Würth-Konzern vergleichbar - mehr als 65.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 10 Milliarden Euro.

Mahle kündigte am Freitag im Rahmen einer Betriebsversammlung an, dass den Mitarbeitern ab sofort freie Arbeitsplätze an anderen Standorten angeboten werden. Im Gespräch seien auch Altersteilzeitregelungen sowie Abfindungen auf freier Basis. Für die Mitarbeiter kam die Nachricht Ende letzter Woche überraschend. Wie wurde sie aufgenommen? "Das kann man sich denken. Die Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze oder müssen an andere Orte", sagt Ralf Schürrle, seit mehr als 25 Jahren Betriebsratsvorsitzender bei der MITS.

Für die 87 Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz verlieren oder an anderen Standorten des Konzerns neue Jobs finden, dürfte das Bedauern der Unternehmensführung kein Trost sein. In einer Pressemitteilung wird MBS-Geschäftsführer Torsten Waldhelm mit den Worten zitiert: "Die Entscheidung, die Aktivitäten am Standort einzustellen, ist uns nicht leicht gefallen. Doch wir müssen darauf achten, dass Mahle Behr Service in Europa wettbewerbsfähig bleibt."

Das Geschäft der Hydraulik- und Instandhaltungsaktivitäten soll von Sulzdorf in den sächsischen Standort Reichenbach verlagert werden. Dadurch könne dieser stabilisiert werden, erklärt Mahle in einer Nachricht Ende letzter Woche.

Außer in Schwäbisch Hall-Sulzdorf betreiben unterschiedliche Mahle-Gesellschaften weitere Standorte in der Region: Mahle Ventiltrieb GmbH (Gaildorf); Mahle Filtersysteme GmbH; Mahle InnoWa GmbH sowie Mahle Industriefiltration GmbH (alle Öhringen).

Protestkundgebung heute in Gaildorf

Forderungen "Die Beschäftigten brauchen Zukunftsperspektiven und keine Abzocke", steht auf einem Flugblatt der IG Metall. Mit dem Schreiben weist die Industriegewerkschaft auf eine Protestkundgebung hin, die heute um 13:45 Uhr am Werkstor des Mahle-Standorts in Gaildorf beginnt. Die IG Metall und die Beschäftigten fordern von der Mahle-Geschäftsleitung die Strategie zu überdenken und neue Ansätze zu finden, an den Standorten konkrete Zukunftsprojekte zu platzieren sowie die Beschäftigten für die zukünftigen Produkte zu qualifizieren.

Standorte Die IG Metall geht davon aus, dass Mahle-Beschäftigte an neun Standorten in Baden-Württemberg bedroht sind von Total- oder Teilschließungen oder Verlagerung.

SWP