Langenburg Alle sechs Glocken läuten wieder im Kirchturm

Hoch über Langenburg im Turm der Stadtkirche sind die Namen von 110 Kindern auf einem Glockenjoch verewigt.
Hoch über Langenburg im Turm der Stadtkirche sind die Namen von 110 Kindern auf einem Glockenjoch verewigt. © Foto: privat
Langenburg / Oliver Färber 19.10.2018
Der neue Stuhl für die Glocken im Turm der Langenburger Stadtkirche ist fertig. Am Sonntag werden erstmals dort wieder alle Glocken läuten - und die neue Glocke für das Schloss wird geweiht.

Es ist ein besonderer Sonntag für die Langenburger Christen. Was sonst nur an Weihnachten, zu Silvester oder am Ostermontag zu erleben ist, gibt es am Sonntag zum ersten Mal seit einer langen Zeit wieder zu hören: Vom Turm der Stadtkirche werden wieder sechs Glocken läuten. Der metallene, verrostete Glockenstuhl ist verbannt, der neue aus Holz eingebaut.

„Damit war auch wieder Platz für sechs Glocken“, erklärt Pfarrer Ulrich Hermann. Eine davon war eine Leihgabe ans Schloss. „Beim Brand 1963 war dessen Glocke abgestürzt und zerbrochen“, weiß er. Jetzt, wo wieder Platz an ihrer bisherigen Wirkungsstätte ist, kehrt sie dorthin zurück. Sie ist die älteste unter ihren Kolleginnen, wurde 1450 gegossen.

Neue Glocke fürs Schloss

Der Platz im Schloss bleibt derweil nicht verwaist. Vor ein paar Wochen wohnte eine Delegation Langenburger samt Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg einem besonderen Schauspiel bei: Bei der Firma Bachert in Neunkirchen wurde die neue Glocke fürs Schloss gegossen. Sie ist nun so weit, dass sie einziehen kann.

Am Sonntag wird deshalb der Gottesdienst zur Weihe um 10 Uhr zunächst im Hof des Langenburger Schlosses eröffnet. Die Glocke wird auf einem Weihstuhl aufgehängt sein. Es ist am Spross des Fürstenhauses, Prinz Max Leopold, der zu den örtlichen Konfirmanden gehört, sie dort dann das erste Mal anzuschlagen.

Danach gibt es eine Prozession durch die Altstadt zur Stadtkirche, wo der Gottesdienst weitergefeiert wird. „Den Weg werden alle sechs Glocken vom Kirchenturm begleiten“, so der Pfarrer.

Dass den Langenburgern die Glocken auch wichtig seien, das sehe er an den Spenden, die für die Sanierung des Glockenstuhls eingegangen seien. „Auch wenn bei Weitem noch nicht alles beisammen ist“, stellt er klar. Insgesamt 95 000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde dafür aufwenden – ohne jegliche Zuschüsse zu erhalten. „Glocken und Orgel sind Sache der Kirchengemeinde. Da gibt’s nichts von der Landeskirche“, sagt er.

Sachverständiger für Glocken

Dafür schickt sie am Sonntag aber einen Vertreter nach Langenburg. Claus Huber ist der Glockensachverständige der Evangelischen Landeskirche und wird sich das Zusammenspiel der Glocken anhören. Nach dem Gottesdienst wird er auf dem Vorplatz die Harmoniespiele der Glocken vorstellen.

Denn nur selten erschallen alle Glocken gleichzeitig – nur zu den Hochtagen der Christen. „Und jede Glocke hat eine eigene Funktion“, berichtet der Pfarrer. Sehr selten sei es beispielsweise, dass eine Heilig-Geist-Glocke schlägt. „Wenn das kleine Glöckchen erklingt, wissen die Menschen, die nicht in den Gottesdienst kommen konnten, dass der Segen gesprochen wird, und können dies für sich aufnehmen“, meint der Geistliche.

Die Glocke im Schloss läutete bisher sehr selten. „Es wäre aber schade, wenn das so bliebe“, sagt Hermann. Ihr Klang sei auf die Kirchenglocken abgestimmt. Man könne sich vorstellen, dass gerade auch zu Hochtagen dann alle sieben Langenburger Glocken gleichzeitig läuten.

Die Glocken auf dem Langenburger Kirchturm

Die älteste Glocke aus dem Jahr 1450 war bisher im Schloss. Sie läutet ab Sonntag nun nach 55 Jahren wieder vom Turm der Stadtkirche aus als Taufglocke oder zur Konfirmation.

Die kleinste Glocke stammt aus dem Jahr 1653. Es ist die Heilig- Geist-Glocke, die immer dann geläutet werden soll, wenn gerade in der Kirche der Segen gesprochen wird. Ihr Klang gilt als besonders lieblich unter ihren fünf Kolleginnen im Turm.

Die Gebetsglocke ist in Nürnberg gegossen worden. Sie ist mit 400 Kilogramm die drittkleinste auf dem Kirchturm. Sie hängt an einem Joch, in das in einer Aktion die Namen von Langenburger Kindern verewigt worden sind. 110 Namen hat eine Künstlerin dort für die Zukunft festgehalten. Die Glocke läutet immer dann, wenn in der Kirche das Vaterunser gesprochen wird.

Die größte Glocke wiegt 1,5 Tonnen. „Sie ist die Friedensglocke“, erklärt Pfarrer Ulrich Hermann. Sie läutet morgens um 7 Uhr und mittags um 12 Uhr – außerdem abends zur Dämmerung.

Die Kreuzglocke läutet um 11 Uhr. Wenn sie erschallt, hat dies mit dem Tod zu tun. Sie ist um 9 Uhr zum Zeitpunkt der Kreuzigung und um 15 Uhr zur Sterbestunde Jesu zu hören, wenn ein Gemeindemitglied gestorben ist.

Die Hosianna-Glocke ruft die Gläubigen zum Gottesdienst. Sie erklingt immer eine halbe Stunde, bevor die Andacht beginnt. Auch sie hat eine lange Geschichte und ist nun bereits 505 Jahre alt. fär

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel