Schwäbisch Hall Alternatives Wohnen in Hall: Freundeskreis plant Zusammenleben im Alter

Die Gruppe mit ehemaligen Mitstreitern bei einem Urlaub zur Projektplanung. Ganz links Eva Schneider, in der Mitte Martin Weis, rechts daneben Dorothea Mutschler, ganz rechts Wolfgang Schmalzried. Es fehlt Sabine Latzel-Weis.
Die Gruppe mit ehemaligen Mitstreitern bei einem Urlaub zur Projektplanung. Ganz links Eva Schneider, in der Mitte Martin Weis, rechts daneben Dorothea Mutschler, ganz rechts Wolfgang Schmalzried. Es fehlt Sabine Latzel-Weis. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / LAURA ALVIZ 17.02.2016
Um der Isolation eines Singlehaushalts entgegenzuwirken, wollen fünf Haller im Baugebiet Sonnenrain ein Wohnquartier schaffen. Teil davon ist ihr Haus mit Räumen, die zur Begegnung einladen sollen.
In Wolfgang Schmalzrieds Wohnzimmer im Zentrum Halls werden große Pläne geschmiedet. Die im Kreis sitzende Gruppe 55- bis 65-Jähriger plant nicht nur, zusammen zu leben, sondern will sogar ein ganzes Quartier auf dieser Idee aufbauen. Die Realisierung dieses Projekts steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber die Vorstellungen der Baudamen und -herren konkretisieren sich.

Martin Weis und Sabine Latzel-Weis sind verheiratet, die anderen Beteiligten verbinden zum Teil jahrzentelange Freundschaften. Neben dem Ehepaar wollen sich Gastgeber Wolfgang Schmalzried sowie die Lehrerinnen Eva Schneider und Dorothea Mutschler ein Haus teilen.

Die meisten von ihnen entscheiden sich aufgrund persönlicher Erlebnisse für diese Form des Zusammenlebens. Weis erzählt: "Meine Mutter überlebte ihren Mann um 20 Jahre und wohnte so lange alleine in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Trotz ihres guten Netzwerks war sie sehr allein." Schmalzried stellt gegenüber: "Lebe ich nun im Alter in einer Wohngemeinschaft, anstatt für mich allein, so konfrontiert mich jemand damit, wenn ich in Altersstarrsinn verfalle, und ich kann hoffentlich rechtzeitig mein Verhalten überprüfen."

Schneider hebt sowohl emotionale als auch praktische Vorteile des Konzepts hervor. "In einem Viertel, das miteinander, anstatt aneinander vorbei lebt, kann man gemeinsam spielen, Ausflüge planen oder einfach das Gespräch suchen. Außerdem lohnen sich gemeinsame Anschaffungen wie beispielsweise Waschmaschinen mehr als wenn jeder sein eigenes Haushaltsgerät bezahlt."

Die Quartierbauer haben sich für das Haller Areal Sonnenrain in Hessental als ihre Heimat entschieden. Dort sollen noch in diesem Jahr Bauplätze ausgeschrieben werden. Weis hofft, dass er und seine Freunde 2018 einziehen können. Auch im Baugebiet Bahnhofsareal sollen Wohngruppen entstehen.

Der Unterschied zwischen einer klassischen Studenten-WG und der Vision der Gruppe besteht darin, dass die verschiedenen Parteien in getrennten Apartments leben. Mutschler erklärt: "Wir wünschen uns neben den eigenen Wohnungen auch Gemeinschaftsräume, in denen Begegnung stattfinden kann." Schmalzried denkt dabei etwa an eine große Wohnküche.

Mutschler und Latzel-Weis sprachen an diesem Tag mit einer Architektin, die sich auf alternative Wohnformen spezialisiert hat. Sie gestaltet das Quartier, das um das Haus der Senioren herum entstehen soll. "Heute haben wir darüber diskutiert, wie im Quartier Gemeinschaft entstehen kann", berichtet Latzel-Weis. "Dabei dachten wir beispielsweise an eine Art Marktplatz oder eine einladende Glasfront, die zu einem Gemeinschaftsraum führt." Hierbei sei es wichtig, zwischen dem Raum im eigenen Haus und dem im Quartier zu unterscheiden. Für das Projekt suchen die Quartierbauer noch Gleichgesinnte und Investoren. Schmalzried formuliert weitere Vorstellungen: "Ich fände es schön, wenn das Viertel auch Familien anzieht. Außerdem glaube ich, dass die Präsenz von Institutionen wie der Awo oder dem Sonnenhof in unserer Nachbarschaft zu einem fruchtbaren gegenseitigen Austausch führen würde."

Info Die fünf Akteure sind Teil der Arbeitsgruppe "Gemeinsam bauen in Schwäbisch Hall" des Mehrgenerationentreffs im Haus der Bildung. Dieser zeigt am 25. Februar in Kooperation mit dem Kino im Schafstall Dokumentationen über neue Formen des Zusammenlebens. Weitere Informationen unter Telefon 0791/9706650.
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