Lieferverkehr Alter Plan erneut auf dem Tisch:  Salinenstraße absenken

Laster passen nicht unter der Henkersbrücke durch. Damit deren Fahrer sie aus der Innenstadt herausfahren können, müssen sie die Fußgängerzone benutzen. Die Stadtveraltung will daher die Straße unter der Brücke (Bildmitte) tiefer legen lassen.  
Laster passen nicht unter der Henkersbrücke durch. Damit deren Fahrer sie aus der Innenstadt herausfahren können, müssen sie die Fußgängerzone benutzen. Die Stadtveraltung will daher die Straße unter der Brücke (Bildmitte) tiefer legen lassen.   © Foto: tob
Tobias Würth 03.01.2018
Unter der Henkersbrücke besteht ein Engpass: Lastwagen passen nicht unten durch. Die Stadtverwaltung prüft gerade, wie man das ändern kann.

Brückenschlag über den Kocher, Rampe hoch zur Neuen Straße oder doch eine Absenkung der Salinenstraße? Wer das kommunalpolitische Geschehen über Jahre verfolgt, hat in diesen Wochen ein Déjà-vu. Es geht um die Frage, wie man ein Nadelöhr beseitigt oder es umfährt.

Der östliche Bogen der Henkersbrücke über der Salinenstraße ist niedrig. Es passen nur Fahrzeuge mit höchstens zwei Metern Höhe drunter durch. Was machen aber Lieferwagen mit Hochdach oder Lastwagen, die aus dem südlichen Teil der Altstadt rausfahren wollen? Wegen der Einbahnstraße müssen auf die Schwatzbühlgasse oder andere Straßen in der Fußgängerzone ausweichen.

Vor vier Jahren wurden schon in der Ära des Fachbereichsleiters Eberhard Neumann verschiedene Lösungen rauf- und runterdiskutiert. Damals hieß es: Eine Lösung muss rasch her, da die Schwatzbühlgasse sanierungsbedürftig sei. Die Entscheidung wurde aber zurückgestellt. Ein Grund: Die Erneuerung des Haalplatzes wurde verschoben und damit die Notwendigkeit, möglichst schnell gute  Baustellenzufahrten zu schaffen.

Doch nun soll der Haalplatz wieder angegangen werden. Seine Umgestaltung wird in diesem Jahr geplant.  Im Rahmen der Beratungen des nun verabschiedeten Doppelhaushaltes 2018/2019 taucht das Thema Salinenstraße daher wieder auf. Die Stadtverwaltung stellt für 2019 Planungsmittel in Höhe von 130 000 Euro ein. In den Folgejahren könnten 2,3 Millionen Euro ausgegeben werden. Zudem gibt es wohl Städtebaumittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Doch was soll mit dem Geld gemacht werden? „Man könnte die Salinenstraße ein wenig absenken“, sagt Baubürgermeister Peter Klink in einem Pressegespräch. Wenn die Durchfahrt 2,85 Meter statt der heute 2 Meter messe, dann sei schon viel gewonnen. Es könnten zumindest die Lieferwagen durchfahren. „Es wäre vertretbar, die wenigen Lastwagen weiterhin durch die Fußgängerzone fahren zu lassen“, argumentiert Klink.

Schlechte Alternativen

Doch warum senkt man die Straße nicht gleich ganz tief ab, sodass auch die Lastwagen unter der historischen Henkersbrücke fahren können? Das ist schwierig. Denn genau unter der Straße verlaufe ein Hauptabwassersammler. Der kann nicht ohne weiteres tiefer in den Boden verlegt werden, da sonst das Abwasser nicht weiter abfließt. Eine Idee von einst will Klink nun aufgreifen: Vielleicht kann man den Abwassserkanal teilen und die Straße zwischendurch führen? Allerdings dürfen die Auf- und Abfahrten nicht zu steil werden.

Peter Klink: „Ein Ingenieur prüft das gerade. Wir werden im nächsten halben Jahr klären, ob das geht.“

Die Stadträte folgen bei den Haushaltsberatungen dieser Ansicht. „Man muss jetzt die Machbarkeit prüfen“, sagt Helmut Kaiser, SPD-Fraktionssprecher. „Die Gäste sitzen in der Schwatzbühlgasse in den Straßencafés und erhalten den Dieselruß ins Gesicht geblasen“, klagt Kristian Neidhardt, FDP-Stadtrat. Es müsse etwas getan werden. Die Grünen hatten beantragt, das Geld für die Baumaßnahme ganz zu streichen. Sie kamen damit aber nicht durch. Sprecherin Andrea Herrmann begründet: „Es gibt vielleicht eine intelligentere Lösung.“ Peter Klink bestätigt, dass die Stadtverwaltung prüfe, punktuell Lastenräder einzusetzen. Dennoch komme man nicht darum herum, die Fußgängerzone vom Lieferverkehr zu entlasten, indem man das Nadelöhr an der Henkersbrücke beseitigt. Das sehen die Stadträte mehrheitlich auch so.

Staat fördert Lastenräder mit je 4000 Euro

Elektrische Lastenfahrräder seien bei „den Themen Verkehr­s­chaos, Umweltverschmutzung, Feinstaub, Parkplatznot und nicht zuletzt den Kosten eine geniale Alternative. In Städten wie Amsterdam, Kopenhagen, aber auch München und Berlin gehören sie zum Stadtbild. Bei uns sind sie noch im Dornröschenschlaf“, berichtet Marco Welzel. Er verkauft im Fahrradgeschäft E-Box solche Gefährte.

Eine Förderung gibt es für Unternehmen, Körperschaften des privaten Rechts oder gemeinnützige Organisationen mit Sitz in Baden-Württemberg. 50 Prozent der Anschaffungskosten werden mit bis zu 4000 Euro vom Land bezahlt. Mehr dazu auf: www.elektromobilitaet-bw.de