Vor zwei Jahren hat Janick Philipp aus Ilshofen den alten Schlepper der Traditionsmarke Fahr auf der Moto Technica für 1300 Euro gekauft. Damals war das arg mitgenommene Vehikel aus dem Baujahr 1951 eher ein Haufen verrostetes Eisen. Auch lief der Motor nicht. Zwei Jahre später ist der Schauferl-Schlepper einer der Stars auf dem Oldtimermarkt und -treffen in der Arena Hohenlohe in Ilshofen.

Der Lack strahlt in einem frischen Lindgrün, die Elektrik ist komplett neu und der Motor überholt. Der Fahr sieht aus, als wäre er gerade vom Band gelaufen. „Mein Vater hat mir geholfen“, weiß Janick, bei wem er sich zu bedanken hat. Zwei Jahre lang haben sie beide geschraubt, geschliffen, lackiert und Teile besorgt. Der 19-jährige kommt sozusagen vom Fach: Er macht bei der BAG in Ilshofen eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker.

Und wie viel ist der Fahr heute wert? „Im Internet werden sie mit 10.000 Euro angeboten. Aber das ist beim Verkauf kaum zu erzielen. Ich schätze, so ungefähr 5000 Euro“, meint der stolze Besitzer, der froh ist, dieses Schätzchen zu haben. Wie sein Vater Manfred ist auch er Mitglied der „Freunde historischer Landmaschinen Hohenlohe“, die einen Gutteil der Bulldogabteilung, zu sehen sind neun Eicher der Baujahre 1958 bis 1971, stellen. Wer sich bei ihnen informieren möchte, ist dort gut aufgehoben.

Sonntag ist der Familientag

Messeveranstalter Otto Wonisch, der mit der MotoTechnica zum dritten Mal zu Gast in der Arena ist, hofft, dass am Samstag und Sonntag etwa 3000 Besucher kommen werden. Am Sonntagnachmittag bestätigt er diese Zahl. Zum Familientag seien deutlich mehr Frauen, Kinder und Familien da gewesen, so der Nördlinger. Man merkt ihm an, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Wenn er sagt, dass ihm die Oldtimer am Herzen liegen und er ein bisschen dazu beitragen will, dass man die NSU Quickly oder den alten Benz auch in 30 Jahren noch auf der Straße sehen kann, nimmt man ihm das ab. Er fördert den Schrauber-Nachwuchs, der bis 17 Jahre freien Eintritt hat. Das gilt auch für die Mitglieder der Oldtimer-Clubs.

Der Samstag ist gewöhnlich der Bastler- und Schraubertag. Es sind überwiegend Männer mittleren Alters, die sich die alten Mopeds und Motorräder, Pkw, Feuerwehrautos, Schlepper, aber auch Schallplattenspieler, Kofferradios, Musikboxen, Auspuffanlagen oder die ungezählten Ersatzteile für alle möglichen Fahrzeuge ansehen. Dass viel eingekauft wird, ist kaum zu beobachten. Auch die Händler, die Werkzeuge und Maschinen aller Art, Benzinschläuche, Zangen, Reiniger, Bohrer, Gewindeschneider, Poliermaschinen, Zündkabel und sonst was anbieten, sind, was das Kaufverhalten betrifft, maximal mäßig zufrieden.

Das Meiste geht wieder mit

„Einmal, aber nie wieder“, meint ein arg frustrierter Werkzeuganbieter aus Hamburg, der anonym bleiben möchte. Wesentlich ausgewogener fällt das Urteil von Manfred Scheuermann aus Kitzingen aus. „Man muss beide Seiten sehen. Der Veranstalter muss auch auf seine Kosten kommen. Was schlecht läuft, wird bei der Manöverkritik angesprochen“, führt der Senior aus. Es sollten nicht noch mehr Stände mit Lederwaren oder Essen kommen. Von seinen Mercedes-Ersatzteilen nimmt er die meisten wieder mit nach Hause. Die haben Leonie Meinikheim, ihr Freund Lukas Egger und Vater Erich Bachmann aus Michelbach/Heide gesucht. Genauer: einen rechten Außenspiegel für einen Mercedes W 123, Baujahr 1982. Damals war nur ein linker Spiegel Pflicht, der rechte war Luxus. Fündig geworden ist das Trio nicht.

Zum dritten Mal ist Thomas Schoch aus Neuenstein als „Entdecker“ auf der Messe. Er hat Entlacker gekauft. Damit soll die alte Farbe von den Felgen für den Opel Kadett D, Baujahr 1979, gelöst werden. „Der Kadett ist ein Schönwetterfahrzeug mit Saisonkennzeichen“, sagt er über die Karosse, die er selbst restauriert hat.

Viele Hände haben dagegen geholfen, die drei alten Magirus des historischen Löschzugs der Feuerwehr Crailsheim in den Zustand zu versetzen, in dem die Karossen im Rund der Arena strahlen. „Das TLF 15/50 aus dem Baujahr 1952 war schon in Dänemark und am Wörthersee. In diesem Jahr geht es noch nach Gastein in Österreich“, verraten Jürgen Ziegner und Markus Murrins. „Alles per Achse, nicht auf dem Tieflader.“ Will sagen: Das Fahrzeug hat TÜV und läuft und läuft und läuft … wie ein VW Käfer.

Otto Wonisch und sein Team haben ihr selbst gestecktes Ziel erreicht. Sie wollen im nächsten  Jahr wiederkommen, sagt er.

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