Haller arbeitet bei Wacken Am Getränkestand im Metal-Paradies

Die Schwäbisch Haller Clique beim diesjährigen Wacken-Open-Air (von links): Christoph Mau bekommt an „seinem“ Getränkestand Besuch von Ulrich Fritz, Eberhard Kurz und Wilfried Mack.
Die Schwäbisch Haller Clique beim diesjährigen Wacken-Open-Air (von links): Christoph Mau bekommt an „seinem“ Getränkestand Besuch von Ulrich Fritz, Eberhard Kurz und Wilfried Mack. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Jochen Höneß 23.08.2018
Jahr für Jahr fährt Christoph Mau aus Schwäbisch Hall zum weltgrößten Metal-Festival nach Wacken. Er arbeitet am Getränkeausschank – und erlebt das Open Air so aus einer ganz eigenen Perspektive.

Der Weg ins Herz des Metal-Mekka führt durch eine Zugangsschleuse. Dort werden Taschen kontrolliert, verbotene Gegenstände aussortiert. Wer es hindurch geschafft hat, blickt auf zwei riesige Bühnen: die „Faster-“ und die „Harder Stage“. Ziemlich zentral vor der rechten der beiden Bühnen befindet sich einer von unzähligen Getränkeständen. Er trägt die Nummer B 10. Doch es gibt mehr als Bier, Cola und Wasser: B 10 ist beim Wacken-Open-Air nördlich von Hamburg alljährlich ein Treffpunkt für Festivalgänger aus Schwäbisch Hall.

Am Zapfhahn

Nicht ganz unschuldig daran ist Christoph Mau. Der 48-Jährige wohnt in der Kreuzäckersiedlung, doch einmal im Jahr ist Wacken sein Zuhause – nicht etwa, weil er glühender Metal-Fan ist und die größten Vertreter dieses Genres live erleben will. Nein, Christoph Mau steht bei dem Open Air am Zapfhahn. „Ich wollte so etwas mal aus einer anderen Perspektive erleben“, erklärt er. Möglich machte dies eine alte Freundschaft aus seiner Zeit bei der Bundeswehr: 1998 war er im schleswig-holsteinischen Heide stationiert; sein damaliger Zugführer managt heute den Ausschank an besagtem Getränkestand auf dem weltgrößten Metal-Festival.

Helfer werden da immer gesucht – alleine am Stand B 10 sind 35 Mitarbeiter im Schichtbetrieb tätig. So kam es, dass Christoph Mau im Jahr 2012 gemeinsam mit seinem Kumpel Uli gen Norden fuhr. Während dieser sich in die Festivalmenge stürzte, nahm Mau seinen Dienst hinter dem Tresen auf. Dieses Erlebnis hat ihn derart fasziniert, dass er seither jedes Jahr zum Arbeiten nach Wacken fährt – mit einer Ausnahme: „2014 bin ich Vater geworden, da habe ich ein Jahr ausgesetzt.“

Ums Geld verdienen geht es ihm dabei nicht. Den Familienvater begeistert vielmehr die friedliche, ausgelassene Stimmung, die einzigartige Atmosphäre, die entsteht, wenn 75.000 Metalfans aus aller Welt in das ansonsten beschauliche Dorf in Schleswig-Holstein einfallen und knapp eine Woche lang das Leben feiern. Ohnehin fühlt er sich im Norden wohl. Und auch beim musikalischen Angebot ist immer wieder was für ihn dabei, zumal sich das Open Air zunehmend Stilrichtungen öffnet, die mit klassischem Heavy Metal wenig gemein haben.

Gerne denkt Christoph Mau etwa an den Auftritt von Rammstein im Jahr 2013 zurück; auch Volbeat findet er gut. Doch am allermeisten gefällt ihm, dass sich in all der Zeit eine regelrechte Gemeinschaft an Leuten gebildet hat, die Jahr für Jahr an „seinen“ Stand auf dem Infield kommen. „Das ist immer ein großes Hallo“, erzählt er. Viele Festivalgänger aus Schwäbisch Hall sind dabei, darunter Freunde von ihm. Man kennt sich und trinkt gerne ein Bier zusammen – Christoph Mau freilich erst nach Dienstschluss, denn während der Arbeit herrscht Alkoholverbot.

Was ihm die Arbeit ebenfalls versüßt, ist der freie Blick auf die Bühnen, die abwechselnd bespielt werden und – je nach Band – eine mitunter bombastische Show zeigen, inklusive Feuer und Licht­effekten. Zudem lobt Mau die Bierpipeline, die die Veranstalter auf dem Gelände verlegt, und im vergangenen Jahr erstmals in Betrieb genommen haben. Die Zeit des mühsamen Schleppens und Umstöpselns von Bierfässern ist seitdem vorbei: Der Gerstensaft der Großbrauerei aus Bremen sprudelt an jedem Stand quasi aus dem Boden.

Auch im kommenden Jahr will Christoph Mau wieder mit von der Partie sein – schließlich stehen gleich zwei runde Geburtstage ins Haus: Er wird 50 und das Wacken-Open-Air feiert sein 30-jähriges Bestehen. „Da werde ich sicherlich wieder hinfahren!“

Ballonfahrer und Konzertgänger

Christoph Mau wurde am 10. November 1969 in Münster geboren. 1974 zog er mit seiner Familie nach Schwäbisch Hall um. Nach dem Abschluss an der Leonhard-Kern-Realschule absolvierte er bei Klafs eine Ausbildung zum Holzmechaniker. Anschließend ging er für acht Jahre zur Bundeswehr (Goslar, Memmingen und Heide). Zurück in Hall schulte er bei Klafs zum Industriekaufmann um. Nach weiteren beruflichen Stationen ist er dort seit inzwischen 13 Jahren wieder tätig. Mau ist verheiratet und hat eine Tochter (4). In seiner Freizeit fährt er Heißluftballon und geht auf Konzerte.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel