Dort hinten hängt eine Liste mit 540 Schichten, die zu vergeben sind“, kündigt der neue Erste Hofbursche der Sieder, Stefan Ebert (36), an. Er sucht ehrenamtliche Helfer. In diesem Jahr heißt es Kuchen- und Brunnenfest hoch zwei.

Bereits eine Woche vor dem traditionellen Pfingstfest steht ein Großereignis an. „1700 Teilnehmer und 100 Pferde sind dabei“, erläutert Ebert. Alle historischen Bürgerwehren und Stadtgarden in Württemberg-Hohenzollern sollen Anfang Juni anrücken. Das sind die Nachfolgeorganisationen der im 19. Jahrhundert aus der Waffenpflicht der Bürger zur Verteidigung ihrer Stadt hervorgegangenen Einheiten. Ein Festzelt für 1550 Menschen werde dazu auf dem Haalplatz errichtet.

Unterkünfte für Pferde sind eine Herausforderung

Viele der 100 Pferde würden in Zelten auf den Kocherwiesen untergebracht. Beim Festumzug am 2. Juni werden zum Teil auch Straßen gesperrt, da zum Beispiel die Darsteller von den Kocherwiesen herreiten. „Es ist eine Herausforderung für uns alle“, meint Stefan Ebert. Aber keine Sorge. Man habe alles im Griff.

In der Mitgliederversammlung von Alt Hall werden weitere Herausforderungen angesprochen. Im Verein sind der Große und der Kleine Siedershof, die Spielgruppen Haalunkel und Haalgschrey sowie die Siedknechte organisiert. Darüber hinaus gilt er als eine Art historisch-kulturelles Rückgrat der Stadt Hall. Er ist eng mit der Stadtverwaltung verzahnt, da die Geschäftsstelle beim Eigenbetrieb Touristik und Marketing angesiedelt ist.

„Wir haben aktuell 948 Mitglieder“, sagt der erste Vorsitzende des Vereins Hermann-Josef Pelgrim. Der Oberbürgermeister wird auf der Versammlung ohne Gegenstimmen (bei zwei Enthaltungen) wiedergewählt. „Es waren schon mal über 1000 Mitglieder“, erinnert er. Er nennt weitere Baustellen: Eine Tagesfahrt kam mangels Beteiligung nicht zustande. Das „Flaggschiff“ Großer Siedershof habe Nachwuchssorgen. Es werden Tänzer gesucht. „Das lernt man schnell“, sagt Ebert. Es gelte, sich die Schrittfolge von vier Tänzen zu merken.

Die Kasse stimmt, aber sei knapp bestückt, führt Pelgrim aus. „Der Kontostand ist nicht rosig.“ Ende 2017 stand dort die Zahl von 10.206 Euro. Nun seien es 20.728 Euro. Der Jahresüberschuss betrage 10.000 Euro.

Doch man müsse die Hintergründe kennen: Die Stadt Hall hat ihren Zuschuss an den Verein erhöht und Sponsoren hätten 24 000 Euro für das Kuchen- und Brunnenfest gespendet. Ziehe man diese Effekte ab, habe das große Fest der Sieder zuletzt mit einem Plus von nur 500 Euro abgeschlossen. „Und das bei optimalen Bedingungen“, meint Pelgrim. Denn im heißen Sommer kamen viele Gäste.

16 Jahre lang leitete Tobias Rieger als Erster Hofbursche den Großen Siedershof. Alt-Hall-­Vorstand Pelgrim findet emotionale Worte zum Abschied von Rieger: „Ich will mich persönlich bei dir bedanken. Die Zusammenarbeit war immer gut und unkompliziert.“ Zu dem nun anstehenden Mega-Jahr für die Sieder sagt Tobias Rieger aufmunternd: „Ihr packt das alles.“

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Diskussion über den Haalplatz vertagt


Bei einer Sondersitzung würden die Mitglieder von Alt Hall über die Veränderungen beim Haalplatz informiert, verspricht Oberbürgermeister Pelgrim. Der angekündigte Tagesordnungspunkt Haalplatz werde damit verschoben. Der Grund: Derzeit überarbeiten die Büros ihre Entwürfe. „Das Verfahren ist noch vertraulich“, sagt Pelgrim. Obwohl die neuesten Entwürfe in einer ersten Runde am Mittwoch im Rathaus besprochen wurden, sei die Stadtverwaltung zum „Stillschweigen“ verpflichtet. Ein Büro könnte durch öffentliche Äußerungen im weiteren Verfahren einen Vorteil erreichen und sich einklagen. Es sei aber nicht zu spät für Verbesserungen, sagt Pelgrim. Ab Ende Mai könne man über den Haalplatz und die Details der Umgestaltung diskutieren.

Einzelne Mitglieder des Vereins Alt Hall melden sich zu Wort und erhalten Applaus. Martin Haag sagt: „Ich bin persönlich von der geplanten Gestaltung extrem enttäuscht und auch frustriert.“ Er fordert, dass die Gestaltung sich mehr am historischen Ursprung orientiert. Die Vertreter von Alt Hall seien nicht ausreichend eingebunden worden. Kurt Hertfelder mahnt an: „Hören Sie auf die Haller Bevölkerung, was das Thema Salz und ein Gradierwerk betrifft.“ Die Historie der Salzgewinnung soll bei der Umgestaltung des Haalplatzes besser berücksichtigt werden. Pelgrim verweist darauf, dass darüber noch zu reden sei. tob