Amtsgericht Als Zeuge Filmriss vorgetäuscht

Eleonore Heydel 07.02.2017
Ein 22-Jähriger wird wegen uneidlicher Falschaussage zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das Haller Amtsgericht hat einen 22-jährigen Gefangenen wegen uneidlicher Falschaussage zu einer Geldstrafe verurteilt. Der junge Mann war im Oktober 2016 in einem Prozess des Schöffengerichts gegen einen älteren Zellengenossen als Zeuge vernommen worden. Der beschuldigte Mithäftling hatte einige Monate zuvor in der Schwäbisch Haller Justizvollzugsanstalt mehrere Gefängnisbeamte an der Zellentür mit der Faust geschlagen und erheblich verletzt (wir berichteten).

 Bevor es seinerzeit zu dem Gewaltausbruch des älteren Mitgefangenen gegen die Vollzugsbeamten gekommen war, hatte das eingesperrte Duo in der Zelle reichlich selbstangesetzten Tomatenmost getrunken. Als Zeuge in der Gerichtsverhandlung gegen seinen Zellengenossen berief sich der 22-Jährige auf einen „Filmriss“. Der Most habe ihm die Sinne vernebelt, er könne sich an die Attacke des älteren Gefangenen gegen die Beamten nicht erinnern. Das Haller Schöffengericht nahm ihm diese Behauptung nicht ab.

Jetzt musste sich der 22-Jährige wegen falscher uneidlicher Aussage vor dem Schwäbisch Haller Amtsgericht verantworten. Der immer noch inhaftierte junge Mann gab zu, er habe in der Verhandlung gegen den Zellengenossen seinen eigenen Filmriss nur erfunden: „Ich wollte nicht in die Sache reingezogen werden!“

Haft wird nicht verlängert

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte daraufhin eine neue Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Das Gericht war milder gestimmt. Der 22-Jährige bekam wegen seiner Lüge vom Filmriss eine Geldstrafe von 960 Euro (120 Tagessätze zu 8 Euro). Damit steht seiner geplanten Entlassung aus dem Gefängnis nichts im Wege. Er will wieder bei seinen Eltern in Tauberbischofsheim wohnen und sofort eine Arbeit aufnehmen, so dass er die Strafe in Raten bezahlen kann.