Schwäbisch Hall Am Haalplatz sind viele Gebäude gescheitert

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 20.04.2018
In den 70er-Jahren gab es konkrete Planungen, die das Ende für einige historischen Gebäude bedeutet hätten. Keine Idee setzte sich durch. Jetzt soll erneut ein Konzept ausgearbeitet werden.

Mit dem Untergang der Nazi-Herrschaft scheiterten auch die Planungen für den Haalplatz aus dem Jahr 1941. Nur  die  für den Krieg wichtigen Bauprojekte, wie Gebäude für Rüstungsfirmen, wurden genehmigt, stellt Daniel Stihler vom Stadtarchiv klar. Der Haalplatz  bekam keine NSDAP-Kreiszentrale. „Zum Glück wurde das nicht umgesetzt“, sagt Architekt Sven Haustein heute, der sich vor vier Jahren tagelang mit der Geschichte des Haalplatzes beschäftigt hat, um ein Bürgerforum-Symposium vorzubereiten.

Verkehrsgerechte Stadt

Die Stadtväter sind in den Jahren nach Kriegsende 1945 offensichtlich mit dem Wiederaufbau beschäftigt und kümmern sich nicht mehr um den Haalplatz. Das wiederaufgerichtete Rathaus wird erst im Jahr 1955 eingeweiht.

Ein erstes großes Konzept für die Veränderung der Innenstadt findet man in den Archiven in den 70er-Jahren. Die „Neue Heimat“, ein Wohnungsbauunternehmen des Gewerkschaftsbunds, hatte bereits einen Auftrag zur Umgestaltung erhalten.

„Neue Heimat“ wurde allerdings über die Jahrzehnte zum negativ besetzten Begriff für den Großsiedlungsbau in Form von Trabantenstädten der 1960er- und 1970er-Jahre.

In Hall agierte die „Neue Heimat“ ebenfalls glücklos. So ziemlich die gesamte Bebauung zwischen Neuer Straße und Froschgraben wäre den Plänen zum Opfer gefallen.  Im Gegenzug hätten weithin sichtbare Glasfronten eines Kaufhauses die Kunden angelacht.

Bürger protestieren

Doch diese „Zukunftsplanung“ scheiterte. Der damalige HT-Chefredakteur Stefan Müller und der kürzlich verstorbene Redakteur Dieter Kalinke brachten eine Diskussion in der Bürgerschaft in Gang. Als der Verein Alt Hall ebenfalls dagegen war, wurden die Pläne gekippt. Oberbürgermeister Theodor Hartmann (Amtszeit: 1954 bis 1974) scheiterte spektakulär, steht in alten Zeitungen nachzulesen.

Auch sein Nachfolger Karl Friedrich Binder brachte die Pläne für das Gelände „im Spitaleck“ nicht durch. Ein Grund: Die Stadt hätte sich mit bis zu 90 Millionen Mark  verschuldet. Heute ist der Kernhaushalt frei von Schulden. Aktuell werden die historischen Gebäude, die doch nicht abgerissen wurden, genutzt: Modeläden, Markthalle der Erzeugergemeinschaft und demnächst noch mehr Arztpraxen.

Doch was hat das Gebiet zwischen Neuer Straße und Froschgraben mit dem Haalplatz zu tun? „Für das Kaufhaus möge man andere Standorte prüfen“, hieß es im Jahr 1973. Der wurde kurze Zeit später gefunden: auf dem Haalplatz.

Doch damit entsteht ein neues Problem: die  Anbindung für Autos. Alle Umgestaltungspläne für den Haalplatz der vergangenen Jahrzehnte sind immer auch mit Überlegungen für den Verkehrsfluss verbunden. Der gerade frisch gewählte Oberbürgermeister Karl Friedrich Binder (1974 bis 1996)  machte es sich – gegen den Rat von vielen Geschäftsleuten – zur Aufgabe, die Neue Straße in eine Fußgängerzone  zu verwandeln. Er verbannte im Jahr 1976 die täglich 10.000 Autos aus der Neuen Straße.

Damit entsteht ein neues Problem: Wegen der Verkehrsberuhigung erreichen Autos den Haalplatz noch schlechter. Die Lösung: Brücke, Tunnel, Hochstraße. Alles war in der Diskussion. Der damals erst neu  aufkommende Denkmalschutzgedanke  samt amtlichem Machtzentrum in Stuttgart verhinderte zunächst die heutige Straßenführung der Salinenstraße am Kocher. Die dortigen Gärten, die es heute nicht mehr gibt, galten als erhaltenswert.

Die Lösung? Eine Brücke. Von Regierungsbaumeister Eduard Krüger wurde sie zunächst im Jahr 1939 als unnötig abgelehnt. Doch 1976 wurde eine provisorische Stahlbrücke über den Kocher von der Mauerstraße zum Haalplatz in Auftrag gegeben. Der Gemeinderat gab dafür 163.000 Mark frei. Sie sollte den Haalplatz  mit der Mauerstraße verbinden. Doch das Denkmalschutzamt aus Stuttgart kassierte die Idee.

Alternativen wurden entwickelt: „Die Architekten-Kollegen Kuhn und Kraft haben im Jahr  1976 etwas gezeichnet. Drei Tiefgaragen und ein Kaufhaus wären auf dem Haalplatz entstanden“, hat Architekt Sven Haustein bei seinem Gang ins Archiv herausgefunden. „Das darf man als nichts Despektierliches sehen. Das war damals die Zeit: die verkehrsgerechte Stadt.“ Dabei wäre das Gebäude, in dem heute die Osiander-Buchhandlung residiert, einfach abgebrochen worden.

Doch diese und alle anderen großen Varianten scheiterten. Es wurde lediglich die heutige Zufahrt zum Platz angelegt, die ohne Tunnel oder  Brücken auskommt. Das Resultat davon: Kein Kaufhaus zierte den Platz, dafür aber weiterhin parkende Autos.

25 Bürger wollen in Arbeitskreis mitreden

Die Verwaltung will mit Bürgern und Experten Pläne für eine Haalplatzumgestaltung erarbeiten. „25 Bürger haben sich gemeldet, um an den beiden Workshopterminen teilzunehmen“, teilt Holger Göttler, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, mit. Zwölf davon werden ausgelost. Der Arbeitskreis tage zweimal nicht öffentlich, das Ergebnis werde öffentlich präsentiert. 

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