Mainhardt Alle stimmen für den Seniorenbus

Mainhardt / JOCHEN KORTE 06.10.2015
Der Mainhardter Gemeinderat ist fest entschlossen, mit dem Seniorenbus auf neuen Wegen unterwegs zu sein. Erstmals soll das von der Gemeinde geleaste Fahrzeug im Dezember auf Tour gehen, so der Plan.

Alte Menschen fahren oft kein Auto mehr. Der Bus ist ihnen mit starren Fahrzeiten und Linien oft nicht flexibel genug. Wenn dann auch keine Angehörigen oder Nachbarn da sind, die Fahrdienste übernehmen können, ist es um die Mobilität nicht zum Besten bestellt. Im Hauptort selbst können die Senioren, so die Gesundheit es zulässt, zu Fuß zum Bäcker oder Metzger gehen. Doch was machen die alten Damen und Herren in den Teilorten, wo es oft nicht einmal eine Einkaufsmöglichkeit gibt?

Gemeinderat Udo Kallina kam die Lösung. Sein Vorschlag für einen Seniorenbus ist bei seinen Kollegen und der Verwaltung schon im Sommer gut angekommen. In der jüngsten Sitzung hat der Rat einen Knopf dran gemacht. Einstimmig wurde beschlossen, den Seniorenbus fahren zu lassen.

Apropos Fahrer: Das sind allesamt Freiwillige, die sich bei der Gemeinde melden können. Sie erhalten pro Stunde eine Aufwandsentschädigung von sechs Euro. Dafür kutschieren sie bis zu acht Senioren zum Einkaufen, zum Arztbesuch, Frisör oder zu einem Amt. Mit einer Einschränkung: nur innerhalb des Gemeindegebiets.

Die Senioren, die mitfahren wollen, müssen mindestens 60 Jahre alt sein. Oder 50, wenn sie einen Schwerbehindertenausweis besitzen. Rollstuhlfahrer bleiben aber außen vor. "Es ist kein Transport im Rollstuhl möglich", heißt es in dem von Udo Kallina ausgearbeiteten Papier.

Auf Fahrtgeld wird ausdrücklich verzichtet. Denn andernfalls unterliege man dem Personenbeförderungsgesetz und die Fahrer bräuchten einen Personenbeförderungsschein. Bei Gratis-Fahrten entfällt das. Der Bus soll montags bis freitags (nicht an Sonn- und Feiertagen) von 8 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr an 50 Wochen im Jahr fahren. "Es gibt kein Geld vom Land oder der Europäischen Union. Auch werden wir vom Verkehrsministerium nicht als Pilotprojekt gefördert", sagte Bürgermeister Damian Komor. Vielleicht aber könne man den Leader-Topf anzapfen. Zwei andere Gemeinden zeigten sich an dem Vorhaben bereits interessiert und wollten wissen, wie man das macht.

"Der Seniorenbus wäre ein gutes Zeichen für die Senioren", plädierte Komor für dessen baldigen Start. Dieser soll nach Möglichkeit noch im Dezember erfolgen.

In der Diskussion ging es darum, ob man nicht ein Hybrid- und Elektrofahrzeug anschaffen solle. Doch die Ansicht von Gemeinderat Simon Müller setzte sich durch: Erst einmal sollte mit einem Normalfahrzeug begonnen werden, das die Gemeinde für ein Jahr least. Dann könne man sehen, wie der Bus genutzt wird. "Wir müssen auch den Mut haben, das Projekt einzustellen, wenn nur drei Fahrten in der Woche gewünscht werden", stellte Komor fest. Oder, bei reger Inanspruchnahme, ihn zum Bürgerbus auszubauen. Auch über die Anforderungen an die Fahrer wurde gesprochen. Gemeinderat Volker Braun brachte einen obligatorischen Gesundheitstest ins Gespräch. "Wir sollten uns jetzt nicht in Details verlieren", mahnte sein Kollege Walter Mack. Einstimmig wurde beschlossen, den Seniorenbus einzuführen. Mit dem Autohaus Zech wird über die Leasingkonditionen verhandelt.

Seniorenbus der Gemeinde Mainhardt

Kosten Die Gemeinde rechnet für den Seniorenbus mit laufenden Kosten in Höhe von etwas mehr als 23000 Euro. Darin sind Leasingrate, Versicherungskosten, KFZ-Steuer, Betriebs-, Verwaltungs-, Organisations- und Telefonkosten enthalten. Ebenso die Fahrerkosten, die bei je acht Stunden an fünf Tagen in der Woche mit jährlich 12000 Euro zu Buche schlagen. Vorgesehen ist, einen Ford Transit Kombi zu leasen. Verhandlungen mit dem Autohaus werden aufgenommen. Die einmaligen Kosten für Auslieferungspauschale, Winterreifen und Handy für den Fahrer werden auf 1800 Euro beziffert.

Verdienst Wie das Finanzamt der Gemeinde erklärt hat, können die Fahrer im Jahr 720 Euro einkommensteuer- und sozialversicherungsfrei verdienen.

Telefon Ob die Telekom den Bus mit einer einfachen Festnetznummer, die teilweise auch mit einer Handynummer identisch wäre, unterstützt, ist offen. Die Antwort des Konzerns steht noch aus.

KOR

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