Schwäbisch Hall Darsteller beim Musical fürs Musical gesucht

Christopher Tölle und die Kandidaten des Tanzstatistencastings beim Proben des wichtigsten Schritts der Disco-Ära, der die Choreografie als Finale abrunden soll.
Christopher Tölle und die Kandidaten des Tanzstatistencastings beim Proben des wichtigsten Schritts der Disco-Ära, der die Choreografie als Finale abrunden soll. © Foto: Jürgen Müller
Schwäbisch Hall / Iris Simon 14.02.2018
30 Freiwillige wollen bei dem Musical „Saturday Night Fever“ mittanzen. Doch nur zehn Freiwillige werden am Ende des Castings in Hall ausgewählt.

Und eins, zwei, drei, klatsch – und kreuzen, öffnen, kreuzen, schließen.“ Schwungvoll tanzt Christopher Tölle den Teilnehmern des Castings der Freilichtspiele die Choreografie vor. Die sollen die Bewegungen nun nachmachen. Doch die Schritte sehen bei dem gelernten Musicaldarsteller Tölle, der als Regisseur und Choreograf die neue Musicalproduktion „Saturday Night Fever“ auf die Große Treppe bringen soll, einfach und elegant aus.

Es ist 18 Uhr am vergangenen Donnerstagabend. Über den sich leerenden Haalplatz fegt ein eisiger Wind und die Nacht breitet sich langsam über die Stadt aus. Doch in der Haalhalle brennt noch Licht. Aufgeregte Stimmen sind schon durch die geöffnete Eingangstür zu hören.

Im Internet, in der Zeitung und mit Flyern wurde in den vergangenen Wochen Werbung für das Casting gemacht. Gesucht würden rund zehn Tänzer zwischen 16 und 30 Jahren, die Lust haben, an einer Produktion der Haller Freilichtspiele mitzuwirken. Für die sechswöchigen Proben ab Juni müssen sie dreimal in der Woche zur Verfügung stehen. 20 Euro werden pro Auftritt bezahlt. Bis zu 18-mal können die Freiwilligen vor dem Publikum auf dem Marktplatz tanzen.

Die rund 30 Frauen und die beiden Männer, die nun zu Beginn des Auswahlverfahrens zurückhaltend an die hintere Wand der Haalhalle gedrückt stehen, schauen Tölle angespannt zu. Nervös wird an Ohrringen herumgespielt, schüchterne Blicke werden gewechselt und leicht panisch die Schnürsenkel der Turnschuhe bereits zum dritten Mal nachgezogen. Der ein oder andere Teilnehmer scheint sich offenbar zu fragen, was ihn nur hierher verschlagen hat.

Immer schön lächeln

Christopher Tölle entgeht das nicht. „Fehler passieren, das ist nicht schlimm. Denkt einfach immer daran zu lächeln. Selbst wenn euch die Panik ins Gesicht geschrieben steht“, sagt der 37-Jährige und setzt wie zur Unterstreichung seiner Aussage ein breites Grinsen auf.

Die Bewegungen sollen fließend, gleichzeitig akkurat und sauber ausgeführt werden, damit die Tanzschritte auf der Großen Treppe nicht untergehen. Es wird geklatscht, geboxt und sich gedreht. Doch ohne Musik und nur auf das Anzählen des Choreografen erinnern die Bewegung mehr an ein Aerobic-Video aus den 80er-Jahren als an tatsächliche Tanzschritte.

Ein Umstand der von Christopher Tölle durchaus gewollt ist. „Ich nenne das Aerobic für Fortgeschrittene. Ihr sollt Spaß haben, das ist die Hauptsache.“

Schließlich werden die Teilnehmer in kleinere Gruppen aufgeteilt. Damit das Team der Freilichtspiele entscheiden kann, wer alles zu den Proben eingeladen wird, werden die Tänzer auf Video aufgenommen. Musik setzt ein. Später soll das Filmmaterial dann gesichtet und die Kandidaten per Mail über die Entscheidung informiert werden.

Nachdem Ronja Pröllochs aus Schwäbisch Hall mit ihrer Gruppe vorgetanzt hat, tritt sie etwas außer Atem von der Bühne. „Das war klasse“, erklärt sie verschwitzt, aber mit einem strahlenden Lachen im Gesicht. „Ich spiele im Jugendensemble und hab so von dem Vortanzen erfahren. Da dachte ich mir, wieso nicht einfach mal ausprobieren?“ Ob sie das Tanzen später einmal professionell machen möchte, weiß die 18-Jährige noch nicht. „Momentan macht mir das Tanzen und Schauspielern vor allem Spaß. Wie es in Zukunft weitergehen soll, darüber mache ich mir gerade noch keine Gedanken.“

Währenddessen verklingen die letzten Töne des Bee-Gees-Songs „Night Fever“. Geblendet vom grellen Scheinwerferlicht und mit dem quietschenden Sportlinoleum  unter den Füßen verharren die Tänzer der letzten Gruppe in ihrer Position. Ein Ausfallschritt nach links, der rechte Arm liegt auf der Hüfte und die linke Hand deutet mit dem Zeigefinger in die Luft. Der wohl berühmteste Tanzschritt der Disco-Ära als großes Finale.

John Travoltas Erben in Schwäbisch Hall

Mit „Saturday Night Fever“ bringen die Haller Freilichtspiele dieses Saison eines der international bekanntesten Musicals auf die Große Treppe. Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Film aus den 80er Jahren mit John Travolta und Karen Lynn Gorney in den Hauptrollen. Tony Monero, alias Travolta, ist ein junger Italoamerikaner aus Brooklyn, der gemeinsam mit seinen Freunden den Problemen und Schwierigkeiten des Alltags entkommen will, indem sie jede Woche in einer Diskothek tanzen gehen. International bekannt wurde der Film nicht nur aufgrund der Filmmusik von den Bee Gees, sondern auch durch die Thematisierung von Vergewaltigung und Abtreibung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel