Ackeranlagen in Bewegung

Ein Junge (rechts) schaut am Samstagmorgen den Teilnehmern der Qigong-Aktion in den Haller Ackeranlagen bei ihren Übungen zu.
Ein Junge (rechts) schaut am Samstagmorgen den Teilnehmern der Qigong-Aktion in den Haller Ackeranlagen bei ihren Übungen zu. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
SONJA ALEXA SCHMITZ 21.07.2014

Füße fest auf den Boden stellen. Wurzeln bilden wie ein Baum. Die Knie leicht beugen. Die Hüfte etwas kippen. Den Oberkörper aufrichten, als würde man von einem seidenen Faden nach oben gezogen. Heike Wagner macht es vor - am Samstagmorgen in den Haller Ackeranlagen. Es sieht einfach aus. Knapp 20 Menschen machen es nach. Jeder auf seine Art. Jeder ein Individuum. Auch äußerlich: Jeans, Radlerhose, Hemd, Sportshirt, Käppi. Immer wieder geht der Blick zur Lehrerin. Wie macht sie es? Bei ihr sieht alles so einfach aus. "Meditation in Bewegung", nennt sie es: "Sich der Erde hingeben." Hingabe geht nur mit Loslassen und loslassen fällt schwer in einer Zeit in der alles kontrolliert und bewertet wird.

Vorbeiradelnde Rentner schmunzeln, Jugendliche amüsieren sich. Den Oberkörper drehen und die Arme pendeln lassen. Ein kleiner Junge kommt vorbei. Er hockt sich neben die Gruppe, schaut mit stoischer Miene zu und saugt am Strohhalm seine Limonade.

Qigong ist Bestandteil der Chinesischen Medizin. Qi wird mit Lebensenergie, Vitalität, Lebendigkeit, Beseeltheit übersetzt. Gong bedeutet beharrliches Üben. Das freie Fließen des Qi durch die Meridiane, die Energiebahnen im Körper, sollen dafür sorgen dass der Mensch gesund ist und seine Organe harmonisch zusammenarbeiten. Täglich ein paar Übungen machen, rät Heike Wagner. Das müsse nicht lange sein, zwei Minuten reichten schon.

Die Teilnehmer heben die Arme in die Höhe, ein Bein folgt, dann schlagen sie schwungvoll mit den Händen auf die Stelle rechts und links vorm Knie. Der kleine Junge geht weg, kommt wieder mit einem Stock, den er in die Luft kickt. Der Hund, der hinter dem Rücken einer Teilnehmerin liegt, hebt interessiert den Kopf.

Die bunte Runde von Menschen streckt die Arme vor, als wollten sie Schwimmbewegungen machen. Manche Erfahrene sind dabei. Wer ihnen zuschaut, kann erkennen, was Qigong möchte: weich werden. Der Körper soll ein einziges Lächeln sein. Wer es beherrscht, scheint mit dieser Meditation in Bewegung schöne Momente zu erleben. Andere sind vielleicht froh, wenn die Stunde vorbei ist, sie auf ihr Fahrrad steigen und dabei Bewegung ohne Meditation bevorzugen.

Info Heike Wagner bietet regelmäßig Qigong im Frauenzentrum Hall an, ab 16. September, dienstags um 18 Uhr, auch in Steinbach.

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