Schwäbisch Hall Achtlose bieten im Haller Theaterkeller einen ungewöhnlichen Frauen-Liederabend

So kann eine Frau auch zum Objekt gemacht werden: Die Achtlosen-Frauen sind alle ganz in Weiß gekleidet und damit als Leinwand für Projektionen geeignet. Weitere Bilder auf www.hallertagblatt.de
So kann eine Frau auch zum Objekt gemacht werden: Die Achtlosen-Frauen sind alle ganz in Weiß gekleidet und damit als Leinwand für Projektionen geeignet. Weitere Bilder auf www.hallertagblatt.de © Foto: Andreas Dehne
Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 19.11.2014
Mit ihrem Programm "KalenderGirlzzzz" singen die Frauen der Revue-Theatergruppe "Die Achtlosen" sich durch den Jahresverlauf. Zudem wagen sie sich weit in die Dichtkunst des Sozialismus hinein.

Wer vom Frauenprogramm der Achtlosen den über die Jahre hinweg gepflegten typischen musikalischen Stil erwartet hat, der wird zunächst etwas enttäuscht sein. Den gibt es vermutlich erst wieder beim demnächst erwarteten Männerprogramm.

Für die Frauen hat Marlene Wollmann, die musikalische Bezugsgröße am Klavier und Verantwortliche für das Programm, tief in eine eher weniger gebräuchliche Schublade des deutschen Liedgutes gegriffen: Texte von Lyrikern aus der ehemaligen DDR wie Peter Hacks oder Balduin Thieme in Chansons des ebenfalls damals schon in der ehemaligen DDR tätigen Komponisten Manfred Schmitz stehen im Mittelpunkt des Abends.

In 26 Liedern und zwei Textbeiträgen singen sich Inge Difflipp, Margarete Friz, Annegret Paerschke, Hilde Stadelmaier, Judith Stoll und Esmee Water durch den Verlauf des Jahres. Mit dem Januar beginnend bis zum Dezember.

Auch wenn es zwischendurch Ausflüge in die populäre Musik gibt ("It's Raining Man"), stellen die textlichen und musikalischen Eigenheiten dieser Zeit bisweilen doch eine wundersame Herausforderung an die Zuhörer im ausverkauften Theaterkeller dar. Vor allem in den Texten, die unter dem Einfluss des real existierenden Sozialismus entstanden sind, fällt häufig eine anmutige Schlichtheit auf, die der notwendigen Doppeldeutigkeit geschuldet zu sein scheint.

In der sehr gelungenen Inszenierung von Sandra Tschernitsch bildet ein weißer Paravent die zentrale Bühnendekoration. Die ebenfalls alle ganz in Weiß, jedoch sehr individuell gekleideten "Achtloseninnen" bieten den Projektionen aus der Hand des Lichttechnikers Henry Reichert zusätzlich eine geeignete Fläche, um Wunder zu projizieren: Fische, einen Wald oder einen Himmel voller Sterne. Nichts ist, wie es scheint.

Wer offen ist für einen Liederabend der etwas anderen Art wird um einen Besuch der Frauengruppe der "Achtlosen" nicht herumkommen. Auch wenn sich am Premierenabend noch einige Unsicherheiten bei Text und Gesang eingeschlichen haben, die sechs Darstellerinnen bringen in der von den Achtlosen gewohnten gesanglichen Qualität einen zauberhaften lyrischen und sehr femininen Abend auf die Bühne. Allerdings wird das literarische Verständnis der Zuhörer bisweilen auf sehr amüsante Weise ungewohnt beansprucht: "Die Kiefer kieft und die Lärche lärcht, die Ulme ulmt vor Wonne." Wer sich jetzt nicht sicher ist, welcher Jahreszeit dieser Text zugeordnet werden kann, der sollte eine der nächsten Vorstellungen besuchen.

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