Forchtenberg Acht Prozent Wachstum bei Arnold

Eine große Investition für die Produktion ist diese Presse für sieben Umformstufen, von denen Arnold zwei Exemplare erworben hat. Sie werden über eine Servozentrale angetrieben und speichern alle Daten automatisch ab, nachdem sie ein Produkt zum ersten Mal gefertigt haben.
Eine große Investition für die Produktion ist diese Presse für sieben Umformstufen, von denen Arnold zwei Exemplare erworben hat. Sie werden über eine Servozentrale angetrieben und speichern alle Daten automatisch ab, nachdem sie ein Produkt zum ersten Mal gefertigt haben. © Foto: Arnold Umformtechnik
Forchtenberg / Frank Lutz 28.06.2018
Das Ernsbacher Unternehmen steigerte den Umsatz im letzten Jahr auf 230 Millionen Euro. Die Auswirkungen des Dieselskandals und der Vormarsch der E-Mobilität könnten die Geschäfte allerdings künftig beeinträchtigen.

Ein Jubiläum gibt es dieses Jahr bei Arnold Umformtechnik zu feiern: Der Spezialist für Verbindungstechnik aus dem Forchtenberger Stadtteil Ernsbach wird 120 Jahre alt. Zu diesem besonderen Anlass wurde ein Video gedreht, das Arnold in vier Etappen über das Jahr verteilt veröffentlichen wird. Ein Grund zur Freude ist auch die Entwicklung der gesamten Gruppe: In den letzten acht Jahren hat der Umsatz kontinuierlich um durchschnittlich acht bis zehn Prozent pro Jahr zugenommen. Insgesamt liegt er zweieinhalb Mal so hoch wie 2010 – von damals 103 Millionen Euro ist er auf 230 Millionen Euro im vergangenen Jahr angestiegen. Ein Großteil davon – 196 Millionen Euro in 2017 – wird nach wie vor bei Arnold Umformtechnik mit seinen Werken in Ernsbach und Dörzbach erwirtschaftet.

Dieselskandal wirkt sich aus

Für dieses Jahr strebt die Arnold-Gruppe zehn Prozent Wachstum auf 254 Millionen Euro an – bis Ende April wurden 82 Millionen Euro erreicht. „Das ist etwas unter Plan – von der heißen Konjunktur hätten wir uns etwas mehr erwartet“, sagt Geschäftsführer Gert-Thomas Höhn. Die Auswirkungen des Diesel­skandals machten sich hier bemerkbar – nicht umsonst beliefere Arnold zu 80 Prozent die Automobilindustrie, also Fahrzeughersteller und deren Zulieferer.

Ob das Umsatzziel für dieses Jahr erreicht werden kann, entscheide sich daher erst im zweiten Halbjahr, wenn sich die neuen Zulassungsbeschränkungen für Dieselautos auswirkten. „Insgesamt aber sind wir gut unterwegs und liegen acht Prozent über dem Vorjahr“, sagt Höhn. Und so bleibt er optimistisch, die vor sechs Jahren aufgestellte „Vision 2020“ verwirklichen zu können: „300 Millionen Euro Umsatz für 2020 sehen wir als realistisch.“

Zum Bilanzgewinn veröffentlicht das Unternehmen keine Zahlen. Nur das Betriebsergebnis der gesamten Würth-Gruppe, zu der Arnold seit 1994 gehört, wird veröffentlicht: 780 Millionen Euro vor Steuern waren es 2017. Jedoch sagt Geschäftsführer Dirk Döllner: „Wir haben bei Arnold Umformtechnik unsere Ziele – Umsatz und Gewinn – erreicht und sind sehr zufrieden, da wir eine deutliche Steigerung zum Vorjahr erzielen konnten.“ Die positive Entwicklung führte auch dazu, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Mitarbeiter eingestellt wurden: Von gut 790 im Jahr 2012 auf 1180 im vergangenen stieg ihre Zahl an. Auch hier entfällt der Großteil auf Arnold Umformtechnik: Dort wurde im Januar die 1000er-Marke geknackt. Derzeit sind in Ernsbach und Dörzbach fast 1070 Mitarbeiter beschäftigt.

Den wachsenden Fachkräftebedarf kann das Unternehmen bis jetzt gut decken: „Ganz viele Bewerber bekommen wir über unsere Mitarbeiter“, berichtet Höhn. Etwa 80 Prozent des Personals werde auf diese Weise gewonnen. Zwar dauere es im IT- und Ingenieursbereich oft länger, qualifizierte Fachkräfte zu finden, „aber wir kriegen unsere Stellen über kurz oder lang besetzt“.

Auch räumlich expandiert Arnold weiter – besonders am Standort Dörzbach. Dort steht die neue Härterei schon im Rohbau. Sie soll ab Herbst ihren Betrieb aufnehmen und in einem zweiten Bauabschnitt bis 2024 erweitert werden. Ebenfalls in zwei Schritten bis 2024 ist die Galvanik gleich nebenan geplant. Schon im September soll der Bau einer neuen Produktionshalle – der siebten am Standort – beginnen, der Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein soll. Gleichzeitig entsteht eine Sortier- und Verpackungshalle, die ebenfalls Mitte nächsten Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll. Doch auch am Ernsbacher Stammsitz wird gebaut: Dort wird derzeit die Versandhalle erweitert, für nächstes Jahr ist ein neues Bürogebäude geplant.

Schrauben für die S-Klasse

Auch sonst tut sich einiges: So wurden die Schrauben „Flow­push“ und „Flowform“ für den Einsatz in der Karosserie-Montage entwickelt. Da in E-Mobilen weit weniger Teile verbaut werden als in Autos mit Verbrennungsmotor, habe sich die Frage gestellt: „Wo finden wir neue Anwendungen?“, berichtet Höhn. Potenzial biete der Karosserie- und Leichtbau: „Da sind wir führend in der Verbindungstechnik.“ So sind zurzeit 127 „Flowform“-­Schrauben in der S-Klasse-Cabrio von Mercedes-Benz verbaut.

Für die Produktion wurden zwei Pressen für sieben Umformstufen gekauft. Das Besondere: Nahezu alles wird über eine Servozentrale angetrieben – statt wie bisher mechanisch – und nach der Erstfertigung sind alle Daten in der Maschine abgespeichert.

72

Frauen und Männer bildet das
Unternehmen derzeit aus, 30 fangen im September an. Inklusive der dualen Studenten sind es aktuell 78 Personen und 37, die im September starten.

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