Schwäbisch Hall A Bieraschorle isch koi Radler

Da reißt einer das Maul ganz schön weit auf. Der Vorteil von Thomas Felder gegenüber anderen Großmäulern: Bei ihm kommen sehr schöne Töne heraus - und dazu noch gute Texte. Die Gitarre ist eines von vielen Instrumenten, die er spielt. In Hall ist er vor allem am Klavier und mit der Drehleier zu Gange.
Da reißt einer das Maul ganz schön weit auf. Der Vorteil von Thomas Felder gegenüber anderen Großmäulern: Bei ihm kommen sehr schöne Töne heraus - und dazu noch gute Texte. Die Gitarre ist eines von vielen Instrumenten, die er spielt. In Hall ist er vor allem am Klavier und mit der Drehleier zu Gange. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / MONIKA EVERLING 07.05.2014
Seine Stimme trägt von der tiefen Bass- bis in die hohe Falsettlage, seine Texte sind mal witzig, mal nachdenklich, er beherrscht viele Instrumente: Thomas Felder singt, und die Zuhörer sind gefesselt.

Angefangen hat Thomas Felder einst als Straßenmusiker. Das merkt man heute noch, wenn er die Klampfe am Bande um die Schultern und die Mundharmonika am Metallbügel vor dem Gesicht hängen hat. Auch mit der Drehleier, der er teilweise ganz ungewöhnliche Töne entlockt, kann man sich ihn gut auf einem belebten Platz vorstellen.

Aber in der Arche des Haller Sonnenhofs, in die ihn der Veranstalter der Gnadentaler Mühlenkonzerte Gerhard Bergius eingeladen hat, sitzt Thomas Felder meist am Klavier. Und auch dieses beherrscht er sehr gut, kann Gefühle hervorwühlen wie Konstantin Wecker.

Die Texte von Thomas Felder sind meistens in breitem Schwäbisch gehalten. "So beni", heißt das erste Stück, mit dem er sich am frühen Sonntagabend in Hall vorstellt. Was das heißen soll, versteht man vielleicht besser, wenn man einen längeren Textausschnitt nimmt: "I bee wer i bee, ohne Di wär e nie do wo i bee." Zu Deutsch: Ich bin, wer ich bin, ohne Dich wäre ich sicher nicht da, wo ich jetzt bin. Das ist für manchen Besucher eine hohe Hürde, in Zeiten, in denen in Deutschland kaum noch Dialekte gesprochen werden.

Aber selbst falls man sie nicht versteht, sind Felders Wortspiele schon rein klanglich eine Wonne. So zum Beispiel im Lied vom "Butzlomba": "Sonschd wischad se mit dr da Disch, und no mischad se de mitm Mischd, und no wischad se de mitm Mischd vom Disch." Das geht bei Felder aber auch auf Hochdeutsch: "Wenn morgens die Sonne aufgeht, geht der Sinn unter. Können Sien Sinn sehn? Sehn Sien Sinn? Sinnsale sinnen talab, den Sinnseen zu." Felder singt mit viel Mundbewegung. Das macht seine Artikulation sehr klar und die Texte auch für Nicht-Schwaben verständlich.

Die Themen findet der 61-Jährige überall. Da ist der Stammtischbruder, der den Bürgermeisterkandidaten mahnt: "Schaffa muasch!", da ist die Bedienung, die "a Bieraschorle" (Birnenschorle) für ein Radler hält, da ist der Opa, der so gerne für die Enkel die Fahrräder reparieren würde, aber nicht mehr weiß, wo das Werkzeug ist: "Ällaweil suach i mei Sach, ganz egal was i mach." Das ist ebenso tragikomisch wie das Psychodrama um die erste Liebe, die Rose-Maria aus dem Schwarzwald. Sie war bei den ersten Mädchen, die das frühere Knabeninternat am Evangelischen Aufbaugymnasium Michelbach besuchten. Dort war der Pfarrersohn Thomas Felder einst Schüler. Die religiöse Prägung kommt in vielen Liedern durch - wirkt aber mehr als kultureller Hintergrund denn als offensiv missionarische Absicht. Das Kirchenlied ist eben einer von vielen musikalischen Einflüssen, aus denen Felder seinen Stil kreiert. Viel deutlicher scheint der Blues durch.

Die gut 100 Zuhörer in der Arche erhalten drei Zugaben

Bewundernswert ist, wie Felder mit seiner Stimme umgeht. Er kann schlichte Lieder singen, im Falsett Koloraturen perlen lassen oder Jodel-Techniken anwenden. Als er 14 Jahre alt war, habe ihn Wolfgang Gönnenwein, der damals in Michelbach Musiklehrer war, als Vorsänger für eine Fernsehaufnahme ausgesucht, berichtet Felder. Man darf darauf vertrauen: Der spätere Staatsrat für Kultur wusste, wer der beste Sänger an seiner Schule war.

Die gut 100 Zuhörer in der Arche im Sonnenhof quittieren dieses Können mit viel Beifall. Sie erhalten drei Zugaben, zuletzt das beliebte "Lang braucht zum komma", das viele mitsingen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel