Lebenshilfe „Ziele müssen sexy sein“

Gaildorf / Hans Buchhofer 14.04.2018

Seine ersten Worte im Kernersaal der Limpurghalle sind quasi das Markenzeichen von Rüdiger Böhm: „Sagt den Leuten, da kommt einer daher ohne Hacken , aber mit viel Spaß am Leben!“

Dieses Leitmotiv zieht sich durch den gesamten Vortrag von Rüdiger Böhm, seine Botschaften kommen an beim Publikum. Der Mentaltrainer, der inzwischen in der Schweiz lebt, versteht es, seine ungewöhnliche Lebensgeschichte mit seinen Strategien zu verweben. Uneigennützig gibt er seine persönlichen Erfahrungen weiter, kann aber auch provozieren – und er ermuntert zu mehr Veränderungen im Leben. Das alles kommt authentisch und mit viel Sachverstand und psychologischem Grundwissen angereichert rüber. Böhm versteht es, Dinge auf den Punkt zu bringen, die Besucher über ihre Lebensgewohnheiten zum Nachdenken zu veranlassen.

Warum die Zuhörer Böhms Erfahrungen und Tipps bedingungslos annehmen, hängt mit seiner Authentizität zusammen. Nachdem er bei einen Unfall mit seinem Fahrrad unter einen Lastwagen geraten war, wurden ihm beide Beine amputiert. Die Überlebenschance, die ihm prognostiziert wird: fünf Prozent.

Böhm verschweigt diese schwierigste Phase seines Lebens nicht – sein Leben als cooler Typ war schlagartig beendet. Unterstützt von seinem Freund Jens kommt er zur Einsicht, dass es keine Antwort auf die Warum-Frage gibt. Sein Fazit: Das Leben verändert sich, es ist entscheidend, was man daraus macht. Sein fester Wille: „Ich will wieder laufen lernen!“

Entscheidend bei Veränderungen sei es, offen und transparent zu kommunizieren: „Dann werden auch andere Menschen helfen.“ Dass Veränderungen indes auch Zeit brauchen, sei ebenso klar. „Jammern in kritischen Situationen hilft nicht weiter. Der Schuldfrage nachzugehen, hilft ebenso wenig“, ist er überzeugt. Vielmehr gelte es, wieder „ein Akteur des Lebens“ zu werden.

Ziele schaffen Begeisterung

Veränderungen bedeuteten eben auch, Möglichkeiten zu entdecken und sich Ziele zu setzen. Böhm kann nach einem harten Jahr seine Krücken in die Ecke stellen und sich frei bewegen. Was man mit entsprechender Motivation erreichen kann, zeigt Böhm auf seine Art per Videoclips: Wildwasserfahrt mit dem Kanu auf der Aare zum Rhein bis nach Rotterdam und mit dem Handbike zurück. „2000 Kilometer sind das“, stellt er klar. Sich Ziele zu geben, sei wichtig, „denn sie verschaffen Begeisterung und Energie“. Dabei Angst zu haben, sei ein schlechter Ratgeber.

„Man muss Realist bleiben und mit Widerständen rechnen, auch Niederlagen gehören dazu und machen das Spiel des Lebens interessanter“, stellt er in den Raum. „Die Ziele müssen sexy sein und den eigenen Bedürfnissen entspringen.“

Die Sache mit den 100 Prozent

Und dann wäre da noch „die Sache mit den 100 Prozent“. Weil die Energie beschränkt sei, verblieben umso weniger Prozent für das jeweilige Vorhaben, je mehr Ziele man sich setze, rechnet der Sportwissenschaftler vor.

Böhm macht das effektiv, er bildet „Blocks“, das heißt „volle Konzentration auf ein Ziel, bevor das nächste in Angriff genommen wird. Kann man das trainieren? Böhms Antwort ist klar: Veränderungen mit kleinen Dingen beginnen und sich dann immer neuen Herausforderungen stellen. Was ein Mensch mit Prothesen leisten kann und dabei auch noch großen Spaß am Leben hat, zeigt Böhm nochmals mit atemberaubenden Videoclips.

Matthias Schleicher, der Organisator des Abends, dankte dem Mutmacher Rüdiger Böhm für seine Tipps und mentalen Übungen. Erfolg zu haben, bedeute eben nicht höher, weiter und schneller, sondern es gehe darum, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Fazit: Der Beifall am Ende zeigt, dass die Besucher von Rüdiger Böhm und seinen Ansichten durchaus angetan sind.

Ein unbändiger Wille zu Veränderungen

Geboren wird Rüdiger Böhm 1970 in Erbach im Odenwald. Der Sport spielt seit seiner Kindheit eine wichtige Rolle. Fußball, Skifahren und Tennis, aber auch jede Form von Wassersport faszinieren ihn.

Nach dem Abitur studiert er in Darmstadt Sportwissenschaft und finanziert sein Studium in der Gastronomie. Am 21. April 1997 ändert sich sein Leben schlagartig. Nach einer Kollision mit einem Lkw gewinnt er zwar den Kampf um sein Leben, verliert dabei allerdings beide Beine.

Ein unbändiger Wille zu Veränderungen prägt fortan sein Leben. Schnell lernt er mithilfe von zwei Prothesen wieder laufen. Er wird Sporttherapeut und arbeitet als Fußballtrainer mit DFB-A-Lizenz beim Karlsruher SC als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. 2010 zieht es ihn in die Schweiz zum FC Thun.

Rüdiger Böhm beginnt, mit seiner aufregenden Lebensgeschichte andere Menschen zu neuen Herausforderungen zu animieren und wird Mentaltrainer. bu

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