Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Betrüger rufen Haller an und geben vor, dass deren PC von einem Virus bedroht sei. Polizei kann Täter oft nicht schnappen.

„Er hat am Telefon gesagt, dass er ein Microsoftmitarbeiter sei“, berichtet die 68-jährige Frau aus Schwäbisch Hall. „Ich sollte am Computer eine Zeichenkombination eingeben.“

Und tatsächlich, wie von dem vorgeblichen Microsoftmitarbeiter vorausgesagt, erschienen dutzende Fehlermeldungen. Es musste also stimmen. Ein Virus hat sich eingeschlichen. „Wenn Sie jetzt nichts tun, wird Ihr Computer nicht mehr funktionieren“, habe der Mann am anderen Ende des Telefons gesagt.

Die Frau aus Schwäbisch Hall sollte in der vorvergangenen Woche eine Software aus dem Internet auf das Gerät laden. „Als  ich aufgefordert wurde, eine neue Lizenz für 150 oder 200 Euro zu kaufen – an den genauen Betrag kann ich mich nicht mehr erinnern –, wurde ich stutzig“, berichtet die Frau, die auch Tage nach dem Betrugsversuch noch aufgeregt ist. Sie will ihren Namen nicht öffentlich machen, um nicht erneut ins Visier von Kriminellen zu geraten.

Geistesgegenwärtig griff sie zum Handy, rief parallel zu dem Gespräch übers Festnetz einen Computerexperten an. Alexander Decker aus Hessental ist ihr PC-Händler, der sich um alle Probleme an ihrem Computer kümmert. „Ziehen Sie sofort den Stecker Ihres Computers“, riet er ihr. Sie befolgte den Rat und kommt so wohl um einen größeren Schaden herum.

„Wir haben ein- bis dreimal im Monat solche Fälle“, erläutert Alex­ander Decker auf Nachfrage. Beim aktuellen Betrugsversuch hatte sich die Schadsoftware zwar teilweise auf dem Computer breit gemacht, war aber noch nicht aktiviert worden. Glück gehabt also. „Wir kontrollieren alles, was auf dem Computer hinterlassen wurde“, sagt Decker. Die Viren ließen sich mit speziellen Programmen wieder entfernen, selbst dann, wenn sie schon aktiviert sind.

Es muss aber Opfer geben, die weniger Glück haben. „Wenn jemand täglich tausende Nummern aus dem Telefonbuch anruft, wird er bei einem bestimmten Prozent­anteil Erfolg haben“, erläutert Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Die Masche, dass sich ein Krimineller als Microsoft-Mitarbeiter ausgibt, sei dabei eine der ältesten. „Solche Fälle gibt es regelmäßig.“

Täter sitzen im Ausland

Der Trick dabei: Ob nun ein Virenprogramm aufgespielt wurde oder nicht, das Opfer soll dazu bewegt werden, Geld an den Täter zu transferieren. „Dazu soll es an einer Tankstelle Bitcoins kaufen und deren Codes durchgeben.“ Auch Fälle mit anderen Geld­transfer-Instituten, wie Western Union, sind bekannt.

Im Gebiet der Polizeidirektion Aalen (Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis, Landkreis Schwäbisch Hall) kam es im Jahr 2015 zu  1883 Delikten der Internetkriminalität, die Ausprägungen sind vielfältig.

„Man muss extrem vorsichtig sein.“
- Bernd Märkle, Pressesprecher der Polizeiredaktion

Die Suche nach den Tätern sei extrem schwierig. Meist wird die Herkunft des Telefonats durch Tricks im Internet verschleiert und der Anrufer sitzt im Ausland. „Ab und zu gibt es einen Treffer“, erzählt Märkle über den Erfolg der Cyber-Kriminalität-Abwehrgruppe im Landeskriminalamt. Das übernimmt die Fälle auch aus dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Wie man sich schützen kann? Märkle rät: „Extrem vorsichtig sein.“ Wenn ein Unbekannter anruft und einen dazu auffordert, Passwörter herauszugeben oder gar Geld zu überweisen, heiße es aufzulegen und den Fall der Polizei melden.

Tipps der Polizeidirektion Aalen: So schützt man sich

Antivirus: Virenscanner und Firewall einsetzen und dafür Sorge tragen, dass immer die Updates aufgespielt werden

Updates: Betriebssystem nur mit aktuellen Updates verwenden. Die Hersteller versuchen permanent, Sicherheitslücken zu schließen

Mobilgeräte: Da immer mehr Menschen keine Personalcomputer sondern Handys und Tablets zum Einkaufen im Internet nutzen, gelten diese Regeln auch für diese Geräte.

Phishing: Vorsicht bei E-Mails, in die man Daten eingeben soll

Anhänge: Vorsicht bei E-Mails mit Anhängen. Es könnte Schadsoftware sein. Wenn der Absender nicht bekannt ist, auf keinen Fall die Anlage öffnen. Am besten ungelesen löschen

Verschlüsselung: Darauf achten, dass Daten mit sicherer Verbindung übertragen werden.

Passwörter: Verwendung sicherer Passwörter (Buchstaben, Groß-Klein-Schreibung, Zahlen und Sonderzeichen), die man alle drei Monate wechselt.

Kontrolle: Man sollte sich zeitlich nicht unter Druck setzen lassen, wenn einem etwas „komisch“ vorkommt und  erst einmal nachfragen, bevor man Überweisungsdaten oder persönliche Daten eingibt.

Reaktion: Falls doch etwas passiert, ist „Geschwindigkeit Trumpf“. Konten und  Karten sperren lassen und die Polizei informieren.