Schwäbisch Hall Hotel: „Wohnreich“ mit acht Zimmern als Erweiterung für Landhaus Pflug

Spatenstich auf verschneitem Boden: Neben Hans-Harald und Anette Reber sind auch der OB sowie Vertreter von Sparkasse, Architekturbüro und Bauunternehmen dabei.
Spatenstich auf verschneitem Boden: Neben Hans-Harald und Anette Reber sind auch der OB sowie Vertreter von Sparkasse, Architekturbüro und Bauunternehmen dabei. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 17.01.2019
Im Haller Teilort Weckrieden beginnen die Bauarbeiten für einen neuen Hotel-Bau. Das Landhaus Pflug investiert eine siebenstellige Summe. Ende des Jahres soll eröffnet werden.

Schneeschieber wären an diesem Montag auf dem teils zugeschneiten ehemaligen Parkplatz neben dem Landhaus im Haller Teilort besser geeignet. Es geht aber nicht ums Räumen, sondern um einen symbolischen Akt: Nach eineinhalbjähriger Planung wird mit dem Spatenstich der Startschuss für einen Neubau gegeben.

Rebers Pflug in Weckrieden wird um ein Hotel erweitert. Dieses soll nach Plänen des Haller Architekturbüros Obinger neben dem denkmalgeschützten Wirtshaus zur Hälfte in den Hang gebaut werden. Acht Zimmer entstehen, die zum Jahresende bezugsfertig sein sollen. Die Gastronomenfamilie von Hans-Harald (45) und Anette Reber (48) investiert nach eigenen Angaben „etwas mehr“ als eine Million Euro.

Sensible Optik neben dem Wirtshaus

Der Bauherr spricht von einem „kleinen Hotelchen“, das später den Namen „Wohnreich“ tragen soll. „Uns war es wichtig, dass es nicht nur innen gut aussieht, sondern auch außen.“ Der Neubau soll weder die „sensible Optik“ des Ensembles beeinträchtigen, noch neben dem Landhaus, das 1805 erbaut und 2008 aufwändig saniert wurde, untergehen.

Bei der Recherche nach einem geeigneten Architekten sei dabei immer wieder der Name Günther Obinger gefallen, erzählt der Haller Sternekoch. Der Architekt berichtet, dass der Bauherr gleich „viele Vorüberlegungen und konkrete Ideen“ mitgebracht habe. „Es sollte nichts von der Stange sein. Das ist dem Standort geschuldet, aber sicher auch dem Anspruch Rebers“, so Günther Obinger, der von Bauleiterin Anja Frieling begleitet wird.

Geplant sei ein Glaskubus samt Holzlamellen-Verkleidung als neuer Eingangsbereich, der Hotel und Gasthaus verbindet. Glas und Holz kommen auch in der Front des eigentlichen Hotelbaus zum Einsatz, wo sich acht Zimmer auf zwei Etagen und insgesamt 300 Qaudratmeter Fläche verteilen. Reber spricht von „tollen Materialien – nachhaltig, wertig, zeitlos“. Auch bei der Auswahl der Handwerksbetriebe werde nicht vorrangig auf den Preis geachtet, sondern auf Qualität und Regionalität.

Mit der Eröffnung werde sich der Schwerpunkt des Pflugs verändern, „von einem Restaurant mit Hotel zu Restaurant und Hotel“, so Reber. Das Ensemble ums Gasthaus umfasst schon einen Pavillon und ein Zelt, in denen unter anderem Hochzeiten gefeiert werden, einen Biergarten, zwei Bungalows, 17 Hotelzimmer und eine parkähnliche Außenanlage.

1996 Wirtschaft übernommen

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Rebers Pflug, als der gebürtige Gailenkirchener am 1. Mai 1996 das Anwesen von seinen Eltern übernommen hat. Diese waren keine Wirtsleute, sondern Landwirte. Aber seine Oma hatte früher schon ein Gasthaus dort betrieben.

Hans-Harald Reber hatte zuvor das Küchen-Einmaleins beim Hessentaler Sternekoch Josef Wolf erlernt. Anschließend verfeinerte er seine Kochkünste unter anderem in der Traube in Tonbach, bei Bareiss in Baiersbronn und bei Mathis in St. Moritz-Corviglia. Das Projekt Rebers Pflug wagte er aber erst, als seine Frau Anette den Abschluss der Hotelfachschule in der Tasche hatte.

Seither ergänzt sich das Paar und entwickelt die Angebote stetig weiter, während es nebenher noch zwei Kinder großzieht. „Zum Erfolg gehört das Team“, betont der 45-jährige Hausherr. 25 Festangestellte kümmern sich um den Betrieb in Restaurant und Hotel. Nach wie vor gilt die Prämisse, dass der Pflug kein steifer Gourmet-Tempel sein soll, sondern ein Gasthaus – freilich auch mit edlen Speisen und Getränken. Zuletzt wurde das Haus vom „Falstaff“, das zu den wichtigsten Branchen-Magazinen gehört, zum besten Gasthaus in Süddeutschland gekürt. Das Team hofft zudem auf die erneute Auszeichnung mit dem Michelin-Stern – das wäre der zehnte in Folge.

„Die Symbiose von Kunst, Kultur und Kulinarik“ sei in Hall außergewöhnlich, so Reber. Nicht ohne Grund gebe es hier zwei Sterne-Restaurants. Zum typischen Programm seiner Gäste gehörten ein, zwei Übernachtungen im Haus samt Menü sowie der Besuch von Kunsthalle und Altstadt.

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim betont beim Spatenstich die Bedeutung des Hauses für die Stadt und spricht gar von einem „gastronomischen Flaggschiff“. Die Entscheidung zu erweitern sei „richtig und gut – nicht nur für Sie, sondern auch für uns“. In den 22 Jahren habe sich der Pflug zu einem attraktiven Ort mit enormer Strahlkraft entwickelt. Pelgrim sieht als Erfolgsfaktor bei Reber „ein gewisses Maß an Vorstellungskraft für die Zukunft und die Hartnäckigkeit, diese zu verfolgen“.

Es mangelt an Hotelbetten

Reber nutzt mit seinem Vorhaben die Gunst der Zeit: In Hall mangelt es an Übernachtungsmöglichkeiten, nicht zuletzt, seit die Krone in Hessental geschlossen hat. Trotzdem bleibe das Vorhaben aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Wagnis. „Die Woche hat sieben Tage. Wir brauchen an allen Übernacht­ungsgäste“, so Reber. Da er aber die Finanzierung mit der Sparkasse Hall-Crailsheim „gut hingebracht“ habe, könne er „sehr gut schlafen“.

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