"Wo Worte enden . . ."

SWP 23.11.2013
Christoph Stähler (19, Tenor) und Silas Allner (20, Bass) singen nicht nur unter der Dusche. Die beiden Michelbacher Internatsschüler singen mit dem jungen Kammerchor heute in Hall Haydns Harmoniemesse.

Ihr tretet mit dem Orchester Pro Musica und dem Kammerchor Stuttgart auf. Seid ihr aufgeregt?

SILAS ALLNER: Nein, eigentlich nicht. Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit dem Chor und Orchester aus Stuttgart.

CHRISTOPH STÄHLER: Ich habe auch kein Lampenfieber. Wir singen ja im Chor, wenn einer da einen Fehler macht, können es die anderen auffangen. Solisten könnten da aufgeregter sein, aber die sind Profis und verkriechen sich nicht, sondern es drängt sie auf die Bühne.

Was bedeutet das Singen für euch?

ALLNER: Mir ist das Singen wichtig. Aber es steht für mich der Spaß im Vordergrund. Ich habe immer schon gerne vor mich hin geträllert und vor zwei Jahren habe ich dann hier in der Schule beim kleinen Chor Praticanti angefangen. Das ist ein kleiner Chor mit Schwerpunkt auf chorischer Stimmbildung. Mir war das zu anspruchslos und ich wechselte in den jungen Kammerchor. Ich habe aber keine Pläne das Singen mal zum Beruf zu machen, es ist mein Hobby.

STÄHLER (scherzt): Es muss ja auch Leute geben, die die Musik anhören. Ich singe eigentlich schon seit ich sieben Jahre alt war. Das Singen lockert meinen Tag auf. Ich spiele auch Posaune. Das ist ganz anders als das Singen. Es gibt beim Instrument noch mehr Technik zu beachten. Wobei der Haydn uns auch ganz schön viel abverlangt.

Ihr singt die Harmoniemesse von Haydn. Versteht Ihr, was ihr da singt?

ALLNER: Ich hatte zwar Latein, aber ich gebe zu, dass ich von dem Text nichts verstanden habe. Unser Lehrer Andreas Borkeloh hat uns eine Übersetzung gegeben. Ich bin nicht gläubig, darum sagt mir der Messetext nicht viel. Aber ich hab es schon cool gefunden, dass wir was von Haydn singen.

STÄHLER: Ich kannte den Text, es ist ja eine Liturgie, aber er bewirkt auch bei mir nicht viel. Ich halte es mit E.T.A. Hoffmann, der sagt: "Wo Worte enden, beginnt die Musik."

Was bedeutet das für Dich?

STÄHLER: Wenn wir gemeinsam singen, dann ist das was ganz anderes, als wenn wir uns beim Kaffee unterhalten würden. Wenn wir mit den Stuttgartern zusammen singen, dann lernen wir uns auf einer ganz anderen Ebene kennen. Das fühlt sich fast an wie Bruder und Schwester. Das macht glücklich. Man ist dann ganz in Harmonie mit sich.

ALLNER: Mich fasziniert, dass wir im Bass quasi ein Instrument sind, obwohl wir zu acht sind.

Was hört ihr denn privat für Musik?

ALLNER: Ich höre keine Klassik daheim. Da singe ich zu meinen Bands. Ich mag Rock und Alternativ.

STÄHLER: Ich höre schon auch Klassik, aber auch alles andere. Jazz und Rock zum Beispiel.

Und was macht ihr sonst noch gerne, außer Singen?

ALLNER: Ich habe drei Interessenfelder: Menschen, Natur und Rumbasteln. Eines davon wird wohl auch mein Beruf werden.

STÄHLER: Ich kicke gern. Schwimmen auch. Aber ich gebe zu, die Musik spielt bei mir eine große Rolle. Ich kann mir vorstellen, beruflich vielleicht einmal was mit Musik zu machen. Immerhin zieht sie sich schon sehr lange und intensiv durch mein Leben.

Ihr seid hier im Internat. Wo kommt ihr her?

ALLNER: Aus Sindelfingen. Meine Eltern sind jetzt in München.

STÄHLER: Ich bin aus Stuttgart.

Die Fragen stellte Sonja Alexa Schmitz

Info Das Konzert mit dem jungen Kammerchor vom Evangelischen Schulzentrum Michelbach, dem Orchester Pro Musica und dem Kammerchor Stuttgart ist heute, Samstag, um 18 Uhr in der Auferstehungskirche des Haller Diaks.