Probe „Wir wollen Mut machen“: Theatergruppe Braunsbach probt wieder

NORBERT ACKER 21.06.2016
Ein Zeichen will die Theatergruppe Braunsbach setzen. Deshalb hat man sich entschieden, weiter zu proben und im Juli wieder auf der Bühne zu stehen. <i>Mit Bildergalerie.</i>

Langsam trudeln die Mitglieder der Theatergruppe Braunsbach auf der „Kulturinsel“ ein. Man steht zusammen und unterhält sich. Das Hauptthema ist immer noch das Unwetter, das die Gemeinde im Kochertal am Abend des 29. Mai so schwer getroffen hat.

„So, jetzt alle auf die Plätze, ich möchte heute einen ganzen Durchlauf schaffen“, sagt Regisseurin Renate Kilb. Der eine Teil der Schauspieler eilt in den Theaterschuppen, um sich ins Kostüm zu werfen. Die Darsteller, die schon in der ersten Szene dran sind, bleiben auf der Open-Air-Bühne und beginnen mit der Probe.

Das Ziel: Ein kleines bisschen Normalität schaffen

Kurz nach dem Unwetter hätte keiner aus der Theatergruppe gedacht, dass es weitergeht. Am Unwetterabend selbst ist noch geprobt worden. Einige sind vor der Flut und den Geröllmassen weggekommen, andere mussten auf der „Kulturinsel“ ausharren – die übrigens erstaunlicherweise kaum etwas abgekommen hat. „Das war aber ganz schön knapp“, sagt Alexander Braun, der sich um die Technik des Theaters kümmert. „Wenn hier alles steht, dann ist das eigentlich ein Zeichen, das wir weitermachen müssen“, sagt er. Zwei Wochen nach dem Unglück hat man sich dann zusammengesetzt, um zu entscheiden, wie es weitergehen soll. „Wenn jemand ums Leben gekommen wäre, hätten wir uns natürlich dagegen entschieden“, sagt Schauspielerin Melanie von Berg, die sich am Unglücksabend mit sieben Mitgliedern der Gruppe, die noch vor Ort waren, retten konnte.

Gemeinsam hat man dann beschlossen: „Es muss weitergehen.“ Auch für die Schauspielerin Ulrike Frick war die Entscheidung klar, obwohl das Haus ihrer Familie am Ende der Orlacher Straße schwer beschädigt ist. „In der Kirche ist mir eine Liedzeile im Ohr geblieben“, erzählt sie. „Wir vergrößern Not und Leid durch unsere Traurigkeit“, so lautete die Zeile: „Da hat es bei mir klick gemacht, wir dürfen uns jetzt nicht einigeln, ich persönlich werde vor allem für die Braunsbacher spielen. Wir wollen den Menschen ein Stückchen Normalität wiedergeben.“ Das sieht auch ihr Schauspielkollege Rainer Schürrle so, der als Mitglied der Feuerwehr am Unwetterabend sofort im Einsatz war.

Das „kleine bisschen Normalität“ ist der ganzen Gruppe wichtig. „Es wird in der Zukunft so viel an kulturellem Leben in Braunsbach ausfallen“, sagt Regisseurin Renate Kilb, während auf der Bühne die zweite Szene des Schwanks „Das Bauernopfer“ geprobt wird.

Die Burgenlandhalle ist auf lange Sicht nicht mehr nutzbar, der Martinimarkt wird angesichts des zerstörten Marktplatzes wohl ausfallen. Auch für Armin Damm, der bei dem Unglück das Untergeschoss seines Hauses verloren hat, in dem er das gesamte Inventar seiner IT-Firma untergebracht hat, ist dabei. „Es muss ja irgendwie weitergehen“, sagt er. In dem Stück spielt er passenderweise einen Landrat.

Jetzt muss bis zu den Aufführungen im Juli noch einiges aufgeholt werden. Es sind zwei Wochen an Proben ausgefallen, die Bühnenarbeiten haben auch geruht. Daher wird jetzt immer samstags und sonntags geprobt, sonst hatte man sich nur einmal in der Woche getroffen. „Für die Bühne bekommen wir aber Hilfe vom Theater im Fluss aus Künzelsau“, sagt Regisseurin Kilb, die auch das Kulturprogramm der Stadt organisiert und daher viele Kontakte in die hiesige Theaterszene hat.

Die Mitglieder der Braunsbacher Theatergruppe sind auf jeden Fall hoch motiviert. Auch die letzten Kleinigkeiten werden noch ordnungsgemäß erledigt, damit im Juli alles steht. „Wir mussten noch Karten nachdrucken lassen, die meisten sind nämlich im Wasser gelandet“, sagt Bürgermeister Frank Harsch, der auch eine zu den Umständen passende Rolle spielt: einen Bauunternehmer. „Aber einen Packen habe ich noch im Büro gefunden“, erzählt er Techniker Braun, während er auf seinen Auftritt wartet.

Alles, was bei den Aufführungen eingenommen wird, soll übrigens „im Ort“ bleiben. Nach Abzug der Unkosten soll alles auf das Spendenkonto fließen: Eintrittsgelder und Spenden, um die man bei den Aufführungen auch bitten will. Die Probe geht weiter, die dritte Szene steht an. Konzentriert gehen alle zu Werke, man will seinem Publikum ja auch was bieten. „Wir wollen den Menschen auch einfach Mut machen“, so fasst Ulrike Frick die Motivation der rund 25-köpfigen Gruppe noch einmal zusammen.
 

Theater in Braunsbach

Termine  Das Stück „Das Bauernopfer“ der Theatergruppe Braunsbach wird am Samstag, 23., am Freitag, 29. und am Samstag, 30. Juli, jeweils um 20.45 Uhr auf der „Kulturinsel“ im Kocher aufgeführt. Eine öffentliche Generalprobe ist am Mittwoch, 20. Juli. Karten im Vorverkauf gibt es im Rathaus Braunsbach, Telefon 07906/940940, unter www.theater-in-braunsbach.de und im HT-Shop. noa