Gemeinderat „Wir waren sehr gut im Erdulden“

Funktionell, zukunftsfähig, aber nicht protzig soll sich die Mainhardter Schule nach dem Umbau und der Sanierung präsentieren. Rund ein Drittel aller Kosten verschlingt alleine der Brandschutz.
Funktionell, zukunftsfähig, aber nicht protzig soll sich die Mainhardter Schule nach dem Umbau und der Sanierung präsentieren. Rund ein Drittel aller Kosten verschlingt alleine der Brandschutz. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 04.08.2018

Jahrhundertprojekt“ nennt Bürgermeister Damian Komor die Schulsanierung. Leicht hat es sich der Mainhardter Gemeinderat damit nicht gemacht. Besonders die Finanzierung der Millionenbeträge und die zentral gesteuerte Lüftungsanlage stehen im Mittelpunkt der Redebeiträge.

„Ich bin der Ansicht, dass wir uns das so nicht leisten können“, meint Wilfried Correll und beantragt eine Verschiebung und Neukonzeption, über die jedoch negativ abgestimmt wird. Wegen der Aufgabenteilung zwischen Bund und Land zähle der Unterhalt der allgemeinbildenden Schulen zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben der Gemeinden, führt Bürgermeister Damian Komor aus. Die Pro-Kopf-Verschuldung werde voraussichtlich auf 1400 Euro steigen. Jedoch habe die Kommunalaufsicht der Gemeinde eine solide Haushaltsführung bescheinigt. „Es ist eine Entscheidung für die nächsten Generationen“.

Mainhardt erhält aus dem Konjunkturprogramm des Bundes 3,6 Millionen Euro und aus dem Ausgleichsstock Mittel in Höhe von 800 000 Euro. Doch so erfreulich die Fördergelder seien, muss Mainhardt den Bärenanteil trotzdem selber schultern – die Sanierung kostet rund 15,4 Millionen Euro zuzüglich knapp zwei Millionen für die Be- und Entlüftungsanlage. Zu der wird nach der Anbringung des Wärmedämmverbundsystems geraten. Komor plädiert eindringlich: „Schönheitsreparaturen sind der falsche Weg und bedeuten nur eine Verlagerung der Probleme.“

Welcher Art diese sind, macht Schulleiterin Christine Kuhn deutlich: „Schimmel ist da, es gibt Löcher in Wänden und Böden. Im Winter wischen wir die Fenster trocken. Der Zustand ist eigentlich furchtbar. Wir waren sehr gut im Erdulden“. Aber man habe Einsparmöglichkeiten gefunden, die weder stark zu Lasten des neuen Schulkonzepts noch des Brandschutzes gingen.

„Wir sanieren in einem sinnvollen Maß“, bestätigt Architekt Kristian Riglewski. Deshalb würden nur Teile mit schlechter Bausubstanz in den Rohbauzustand versetzt. Im ersten Entwurf sah das noch anders aus. Nun wurde mit der Verwaltung beschlossen, die Türöffnungen nicht zu erweitern. „Damit haben wir deutlich Kosten reduziert“, erzählt der Architekt. In einem der Gebäude könne man die vorhandenen Glasfronten ertüchtigen, statt sie zu erneuern. Die dringend benötigte Fluchttreppe werde außen angebracht. Durch „Bypass-Lösungen“ sei sie von überall erreichbar. Der Brandschutz verschlinge allein etwa ein Drittel der Baukosten.

Vorhandene Substanz nutzen

„Die schönen, breiten Flure wollen wir stärker ausnutzen“, erläutert Riglewski das Konzept. Die Schulküche werde ebenso wie die Bibliothek, Fachräume und das Rektorat verlegt. Die Gebäude würden miteinander verbunden, deshalb reiche ein Aufzug für die Barrierefreiheit aus. „Von außen ist das Erscheinungsbild der Schulgebäude dann zeitlos – wie eine Campusanlage.“

Auch über die Interimsmaßnahmen in Form von Containern über etwa drei Jahre habe man sich Gedanken gemacht, führt Riglewski aus. Noch sei das Grundstück nicht festgelegt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 487 000 Euro. Es würden so wenig Schüler wie möglich ausgelagert, ergänzt Schulleiterin Kuhn.

Ein Ausschuss soll den gesamten Prozess begleiten, der in etwa einem Jahr startet. Ortsbaumeister Volker Heiden erhalte zur Verstärkung ab Januar einen neuen Kollegen und werde das Projekt mit leiten, erläutert Komor. „Wir fahren noch immer einen Polo und keinen Mercedes“, beschwichtigt er die Bedenkenträger. Er versichert: „Trotz der Neuverschuldung haben wir noch Geld zum Schnaufen und sind jederzeit Herr des Verfahrens“. Sowohl die Zinssituation als auch die Fördermöglichkeiten seien optimal.

Erst nach drei Stunden wird über den Baubeschluss zur Sanierung der 1955 erbauten Helmut-Rau-Schule positiv – mit einer Gegenstimme (Correll) – abgestimmt. Beauftragt wird das Architekturbüro Mattes und Riglewski aus Heilbronn. Auch die zusätzliche Be- und Entlüftungsanlage für zwei Millionen Euro findet mit einer Gegenstimme (Correll) und einer Enthaltung (Gerhard Weidner) eine Mehrheit.

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