Gesundheit Rätselhafte Keime im Michelbacher Wasser

Der neue Wasserhochbehälter auf der Anhöhe Jakobsruhe wurde erst vor zwei Jahren für rund 500 000 Euro gebaut. Ein weiterer Hochbehälter steht auf dem Gelände Hagenhof, ein kleinerer Behälter ist für den Buchhorn zuständig. Ob hier die Keime ins Trinkwasser gelangen, ist unklar.
Der neue Wasserhochbehälter auf der Anhöhe Jakobsruhe wurde erst vor zwei Jahren für rund 500 000 Euro gebaut. Ein weiterer Hochbehälter steht auf dem Gelände Hagenhof, ein kleinerer Behälter ist für den Buchhorn zuständig. Ob hier die Keime ins Trinkwasser gelangen, ist unklar. © Foto: Beatrice Schnelle
Michelbach / Beatrice Schnelle 03.07.2018
Michelbach kämpft mit Keimen im Trinkwasser. Zuerst schien nur der Buchhorn betroffen, nun das ganze Gemeindegebiet.

Am Montag letzter Woche, dem 25. Juni, klingelten bei allen Anwohnern auf dem Buchhorn in Michelbach frühmorgens die Telefone: Die Gemeindeverwaltung warnte vor Keimen im Trinkwasser, das nur noch abgekocht verwendet werden dürfe. Wenig später steckte der Gemeindebote entsprechende Anschreiben in die Briefkästen. Darin war von „mikrobiologischen Grenzwertüberschreitungen“ die Rede, die bei routinemäßig entnommenen Trinkwasserproben festgestellt worden seien. Am gestrigen Montag, 2. Juli, war das Problem immer noch nicht behoben. Im Gegenteil: Während die Warnung zunächst lediglich die fünf Anwesen und den Landschaftspflegehof auf dem Michelbacher Hausberg betraf, gilt das vom Gesundheitsamt erlassene Abkochgebot nun bis auf Weiteres für das gesamte Gemeindegebiet.

Nachforschungen ausgeweitet

„Wir stehen vor einem Rätsel“, bekennt Kämmerin Christiane Neidhardt. Man habe begonnen, die Ursache „im Kleinen“ zu suchen. Da dies zu keinem Ergebnis geführt habe, würden die Nachforschungen nun auf die Leitungen außerhalb des Michelbacher Ortsnetzes ausgeweitet. Ihr Trinkwasser bezieht die Gemeinde vom Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW), dessen Fachleute bei der Suche nach dem Quell des Übels behilflich sind. Äußern möchte man sich zur Causa dort nicht, da der zuständige Versorger die Gemeinde Michelbach sei.

Grundsätzlich sei die Frage zu klären, ob die Keime bereits im von der NOW aus dem Donau-Ries gelieferten Wasser enthalten seien oder aufgrund eines Schadens im gemeindeeigenen Leitungsnetz beziehungsweise an einem der drei Hochbehälter auf Michelbacher Gemarkung eindringen könnten, erklärt Bürgermeister Werner Dörr. „Normaler­weise ist das Problem schnell behoben, wenn man die Hochbehälter und die Leitung gechlort hat“, so die Erfahrung des Rathauschefs. Das scheint dieses Mal jedoch nicht zu funktionieren. Denn aus dem Anschreiben der Gemeinde geht hervor, dass mit der Desinfektion schon vor mehr als einer Woche, sofort nach Feststellung der Keime, begonnen wurde.

Ernste Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, unterstreicht Dörr: „Wir sprechen hier von einer Verkeimung, die den vorgeschriebenen Richtwert von null nur geringfügig übersteigt.“ Ein gesunder Erwachsener müsse sehr große Mengen Wasser schlucken, um eine negative Wirkung zu spüren. Die Warnung gelte vor allem für Senioren und Kleinkinder.

Wolf-Hirth-Weg ausgenommen

Von der Verschmutzung des Trinkwassers nicht betroffen sind die Bewohner des Wolf-Hirth-Wegs in Burgbretzingen. Die Häuser dort werden über den Hochbehälter auf dem Einkorn von den Haller Stadtwerken mit Trinkwasser versorgt, das allerdings letztendlich wiederum vom NOW dorthin geliefert wird. „Die Proben haben keinerlei Verunreinigung gezeigt“, bestätigt Abteilungsleiter Martin Häfele.

Eine Duplizität der Ereignisse, die aber rein zufällig sein soll: Im gesamten Stadtgebiet und in Teilorten von Gerabronn sowie in einigen Teilorten von Blaufelden und Langenburg wurden bereits vor etwa drei Wochen coliforme Keime im Trinkwasser festgestellt. Seither gilt dort wie in Michelbach ein Abkochgebot. Auch in diesem Fall kommen die Verantwortlichen der Schwachstelle im Leitungsnetz trotz aller Bemühungen nicht auf die Spur. Versorger für das Gebiet ist der Zweckverband Hohenloher Wasserversorgungsgruppe, der das Trinkwasser für die Region ebenfalls von der NOW bezieht. „Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Netze“, betont Isolde Ansorge, Geschäftsführerin der Hohenloher Wasserversorgungsgruppe, „die Verunreinigungen können unmöglich etwas miteinander zu tun haben.“

Noch keine Antwort vom Gesundheitsamt

Die Redaktion hat dem Gesundheitsamt im Landratsamt Schwäbisch Hall einen Fragenkatalog zu Art und Beschaffenheit sowie der Gefährlichkeit der Keime im Michelbacher Trinkwasser vorgelegt. Die Antworten waren bei Redaktionsschluss noch nicht eingegangen. Zwei ältere Bewohner auf dem Buchhorn berichten von Magen-Darm-Problemen am Vorabend der ersten Warnung am 25. Juni. Ein direkter Zusammenhang muss dabei jedoch nicht zwangsläufig bestehen. In erster Linie wird die Notwendigkeit, vom Geschirrspülen bis zum Zähneputzen jeden Tropfen Wasser zunächst einmal zum Kochen zu bringen, übereinstimmend als „sehr lästig“ beschrieben. Ein Bewohner stellt sich die Frage, ob die Keime beim Duschen schädlich für offene Wunden sein könnten. Die Keime seien in diesem Fall grundsätzlich „nicht zuträglich“, aber auch „nicht gefährlich“, lautet dazu die inoffizielle Auskunft eines Gesundheitsamtsmitarbeiters. Es sei eine Einzelfallentscheidung, für die am besten medizinischer Rat eingeholt werden solle. cito

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