Lorenz Kraft macht deutlich, dass er beim Bau drei Dinge gelernt hat. Erstens beginnt der Bau nicht im, sondern beim Keller. Zweitens darf auf so einer Baustelle alles passieren, nur kein Stopp. Und Drittens: Am Schluss wird es Knapp. Der Architekt nennt so humorvoll die drei Initiatoren, ohne die es das neue Gesundheitszentrum nicht gebe: Dr. Markus Knapp (Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie), Dr. Ralf Keller (Facharzt für Orthopädie) und Dr. Thoralf Stopp (Facharzt für Innere Medizin).

„Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“
- Der Architekt Lorenz Kraft zitiert Mark Twain

Die Ärzte freuen sich über Geschenke – einen großen symbolischen Schlüssel von Kraft und ein symbolisches Stadthinweisschild zum Ärztehaus von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, das an der Johanniterstraße montiert werden soll. Die drei haben ihre Ansage zum Projektstart wahr gemacht und „20 Fachärzte unter dem Dach des QmediKo vereint“, betont Stopp. Das Angebot sei für die gesamte Bevölkerung offen. Knapp erläutert das Konzept, die Philosophie. „Wir schlagen ein neues Kapitel in der Gesundheitsvorsorge auf“, so der Mediziner. Das Q stehe für Quartier, für das moderne und aufgeschlossene Hall, analog zum Kocherquartier. Medi für das neue medizinische Zentrum, das nicht nur die Fachärzte, sondern viele medizinische Dienstleistungen unter einem Dach vereint: Apotheke, Sanitätshaus, Fitnessstudio, Physiotherapie. Zudem hat das Diak eine moderne Magnetresonanztomographie-Praxis eingerichtet.

Das Ko bekommt mehrere Bedeutungen. Es steht für Kocher, für Konzentration mit Blick auf die Einstellung der Ärzte als auch für die räumliche Konzentration der vielen medizinischen Dienstleistungen unter einem Dach, für Kooperation unter den Kollegen sowie mit dem Zentralversorger Diak und für Kommunikation im Haus sowie nach außen.

Im Dezember soll es ein internes Mitarbeiterfest geben und am 6. Januar einen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung. Ab Februar starten monatliche Veranstaltungen für Patienten und Ärzte, um im Themenfeld Gesundheit, Gesundheitsvorsorge aufzuklären, zu informieren, weiterzubilden.

Die Organisation der Veranstaltungen wird eine Aufgabe von Karin Döring sein, die besonderen Dank und Blumen erhält wie Projektleiter Krug, der mit dem Geschick eines Fußballtrainers den Bau gemanagt habe und einen Film gedreht hat, der bei der Eröffnung für Abwechslung zwischen den Reden sorgt. Durch das neue Gesundheitszentrum sei es auch gelungen, neue Ärzte in den Bereichen Orthopädie und Gefäßchirurgie nach Hall zu bringen, macht Keller weiteren Mehrwert deutlich.

Ralf Keller war es, der das Thema Ärztehaus erstmals beim Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim im Rathaus platziert hat – genau am 11. März 2013, um 12.30 Uhr, hat der OB nachgeschaut. Pelgrim erinnert daran, dass ein Ärztehaus bereits im Stadtleitbild verankert sei und es vor Jahren den Versuch gegeben habe, eines im Kocherquartier zu platzieren. Was damals nicht gelungen sei, hat nun dank „einer großartigen Gemeinschaftsleistung“ funktioniert. Das „ambulante Kompetenzzentrum“ sei auch aus städtischer Sicht ein wertvoller Standortfaktor im Wettkampf um Fachkräfte und eine starke Kooperation mit dem Diak, ein starker Verbund zwischen ambulanter und stationärer Medizin.

Pelgrim macht deutlich, dass es mehr als ein einzelnes Projekt sei, sondern das „Projekt Stadtentwicklungscharakter hat“. Auf der Weilerwiese erweitert neben dem Gesundheitszentrum das Hotel Hohenlohe im Zwillingsbau Qube. Darunter ist eine neue Tiefgarage mit insgesamt 365 Parkplätzen entstanden. Zudem wird die ursprünglich zuerst geplante Freizeitanlage vollends fertiggestellt und die Uferpromenade neugestaltet. Gesamtinvestition auf der Weilerwiese: rund 35 Millionen Euro.

Der Weg zum neuen Ärztehaus auf der Weilerwiese


Ab Februar 2013 entwickeln Dr. Markus Knapp, Dr. Ralf Keller und Dr. Thoralf Stopp das Thema Ärztehaus. Am 29. April 2013 fällt der Grundsatzbeschluss im Gemeinderat zum möglichen Bau auf der Weilerwiese. Im Januar 2015 beginnen die Bauarbeiten. Gesamtbauzeit: rund eineinhalb Jahre. Keller macht deutlich, dass Zentren wie QmediKo größere Chancen böten, junge, qualifizierte Ärzte für die ambulante Versorgung zu gewinnen. Grund: für die stünden Ausgewogenheit zwischen Beruf und Familie, feste Arbeitszeiten im Vordergrund. Er nennt bundesweit einen Anstieg um 20 Prozent angestellter Ärzte von 2013 bis 2015. In den nächsten drei bis vier Jahren gingen 25 Prozent der niedergelassenen Fachärzte in Hall in Rente. Nachbesetzung von Einzelpraxen sei praktisch nicht möglich. cus