Theater „Wir müssen Vorsicht walten lassen“

Die Lampen werden im alten Globe abgehängt.
Die Lampen werden im alten Globe abgehängt. © Foto: Archiv/ars
Berlin/Schwäbisch Hall / Marcus Haas 05.05.2018
Die Berliner Globe Works GmbH kaufte das ehemalige Haller Globe für einen symbolischen Euro. Es gibt einen Standort, aber Anwohner verzögern den Wiederaufbau.

Schweren Herzens muss ich mein Ziel ins nächste Jahr verschieben“, macht Christian Leonard deutlich. Der Geschäftsführer der Globe Works GmbH wollte diesen August in Berlin Eröffnung mit Romeo und Julia im wiederaufgebauten Haller Globe feiern.

Seit rund 20 Jahren führt Leonard als künstlerischer Leiter die Shakespeare Company, aber sein Lebenstraum blieb unerfüllt: eine feste Spielstätte mit einem Globe-Theater, so ähnlich wie sich der britische Dramatiker in London selbst eines gönnte. Noch heute steht ein Nachbau an der Themse. Er nutzte 2016 die Chance und holte das Haller Globe nach Berlin – bis auf die großen Leimbinder, die lagern noch bei der Spedition Kübler in Michelfeld-Erlin. Die sollen geholt werden, wenn klar ist, dass in Berlin wieder aufgebaut werden kann.

Stadträtin unterstützt Projekt

Die Charlottenburg-Wilmersdorfer Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) unterstützt das Projekt. Sie weilt auf einer Israelreise und konnte nicht für eine Stellungnahme erreicht werden. Durch ihre Mithilfe gibt es ein Grundstück, dass sich mit Leonards Wünschen deckt: im Österreichpark in Charlottenburg, ein kaum mehr genutzter Lagerplatz des Bezirksamts – mit Blick auf die Spree. Das Grundstück ist 27 Meter breit und 65 Meter lang, hat rund 2000 Quadratmeter und genug Platz für das Haller Globe mit einem Durchmesser von rund 24,5 Metern.

Der politische Wille ist da, doch nun gibt es ein neues Problem. Leonard will der Empfehlung der Stadträtin folgen und das Globe-Projekt in den Bebauungsplan aufnehmen. Die Folge: ein langes Verfahren mit einem Weg durch viele Instanzen. Den wollte der künstlerische Leiter vermeiden und kurzfristig eine Baugenehmigung für den Wiederaufbau erreichen.

„Wir müssen Vorsicht walten lassen. Es gibt das Risiko, dass Anwohner klagen“, nennt Leonard den Hauptgrund für die Entschleunigung. Rund 70 Meter vom Standort fürs Globe gibt es Wohnbebauung. Kritische Stimmen fürchten Lärm in den Abendstunden, wegen der wenigen Parkplätze noch mehr Suchverkehr und „sehen durch das Theater den Wert ihrer Eigentumswohnungen gemindert“, erläutert Leonard. Im Sinne des Ganzen sei es nun vorteilhaft, den Weg über den Bebauungsplan zu gehen, dabei auch die Stellungnahmen der Anwohner einzuholen, dadurch das Projekt abzusichern.

Schlimmstenfalls könnte nicht der Bezirk, sondern er selbst mit Schadenersatzpflichten konfrontiert werden, meint Leonard. Deshalb brauche es Geduld. Der Eröffnungstermin wird in den Sommer 2019 verschoben. Aber diesen Sommer soll übergangsweise an dem Standort im Österreichpark ein Zelt aufgestellt werden.

Leonard muss neben der neuen Anwohnerproblematik noch einige altbekannte Hürden auf dem Weg zum Wiederaufbau des Haller Globe in Berlin nehmen. Neben der Baugenehmigung fehlen der Pachtvertrag und Geld.

Eine Million Euro Kosten

Leonard rechnet mit rund einer Million Euro, die er insgesamt braucht, um das Haller Globe mit rund 600 Plätzen in Berlin wieder in Betrieb zu nehmen. Dabei bezieht er auch einen 300 Quadratmeter großen Anbau mit 125 weiteren Plätzen mit ein, um das Globe nicht nur in den Sommermonaten, sondern ganzjährig bespielbar zu machen. Gespräche mit einer Bank liefen, Kontakte zu Sponsoren seien vorhanden. Sein Wirtschaftsplan sei mit einer Auslastung von 62,5 Prozent konservativ gerechnet. Im vierten Jahr sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Leonard plant tägliche Veranstaltungen, die Eintrittspreise liegen im Schnitt bei 24 Euro. Am derzeitigen Spielstandort Natur-Park Schöneberger Südgelände habe die Shakespeare Company 15 000 Zuschauer im Sommer. Der künstlerische Leiter will das Stammpublikum zum neuen Standort in Charlottenburg ziehen und den alten aufgeben, sobald der neue läuft.