Als Friedrich Zahn vor vielen Jahren sein Haus in Gaildorf-Bröckingen renovierte, hat er eine interessante Entdeckung gemacht: Er arbeitete mit einem Tacker, mit dem man Papierbahnen an den Wänden befestigen konnte. Dieser hatte Ladehemmungen. „Den habe ich für 90 Mark repariert gekriegt, ein neuer hätte nur 30 Mark gekostet“, erinnert sich der pensionierte Lehrer beim Redaktionsgespräch. „Also ist es Unfug, so was reparieren zu lassen. Wir verschleudern so aber Rohstoffe ohne Ende.“  Damals, Ende der Achtziger, sei er auf der Suche nach einer Partei gewesen, bei der er sich engagieren könnte. „Welche, das war mir erst mal egal. Mir war es wichtig, etwas zu tun. Meckern allein hilft nicht“, so Zahn. Dann ist er auf die ÖDP (Ökologisch Demokratische Partei) gestoßen. Die Partei habe schon damals ein Konzept für eine ökologische Steuerreform für Arbeit und Umwelt im Programm gehabt – ein Konzept, mit dem Zahn sich anfreunden konnte. „Wir müssen die Arbeitskosten reduzieren, ohne an die Löhne zu geben“, erklärt Zahn. Die Lohnzusatzkosten seien so nicht mehr tragbar.

Rahmenbedingungen verbessern

Mit der Ökologie und dem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ist es ihm ernst. Das zeigt auch die Wahl seines bevorzugten Verkehrsmittels: das Fahrrad. Natürlich ist er zum Gespräch mit dem Rad gekommen. „Wir müssen den Zug aufs richtige Gleis setzen“, sagt Zahn und bemüht ein weiteres Verkehrsbild. „Die Rahmenbedingen müssen einfach stimmen. Für mich heißt das in erster Linie, dass die Energie teurer werden muss, damit das Energiesparen vorwärtskommt. Wir wollen ja bis 2050 50 Prozent Energieeffizienz und -einsparung auf den Weg bringen. Ja, wie soll das gehen, wenn die Energie verschleudert wird, weil sie zu billig ist?“

Seiner Ansicht nach werde die Energiewende ausgebremst. „Die ‚Südlink’-Leitungen halte ich für hinderlich. Das Problem bei Wind- und Sonnenstrom ist die unregelmäßige zeitliche Verfügbarkeit“, so Zahn. Mit „Südlink“ lasse sich Strom nicht zeitlich, sondern nur räumlich verschieben.  2016 habe es 52 Tage mit sogenannter „deutschlandweiter Dunkelflaute“ gegeben, bei der Wind und Sonne weniger als fünf Prozent ihrer maximalen Leistung liefern. „Da nützt die beste Leitung nichts. ‚Südlink’ ist gut geeignet, gleichmäßig fließenden Kohle- oder Atomstrom von Nord nach Süd durchzuleiten. Für die erneuerbaren Energien benötigen wir Kurz- und Langzeitspeicher, also Batterien oder Pumpspeicher wie in Gaildorf, um Engpässe zu überbrücken“, erklärt Zahn.

Beim Thema Energie vertritt Zahn klare Ansichten. Dabei kommt es auch zu Abgrenzungen zu anderen Parteien. Mit der Energiepolitik der AfD habe er zum Beispiel „Bauchschmerzen“. „Die wollen die Atomkraft ausbauen und glauben nicht an den Klimawandel“, sagt Zahn. Nach allem, was die Wissenschaft sage und was man beobachten könne, sei das weltfremd. So würden die Polkappen abschmelzen, das sei eine Tatsache, vor der man nicht die Augen verschließen dürfe.

Fairen Handel weltweit

Zum Thema Asyl stellt Zahn klar: „Keine Obergrenzen festsetzen.“ Das Flucht-Problem könne nur langfristig gelöst werden. Es müsste weltweit für faire Handelsbedinungen gesorgt werden – das sei ein Grundziel der ÖDP. Deshalb sei man gegen Freihandelsabkommen. „Wir dürfen Afrika nicht ausbeuten, sondern dem Kontinent Chancen geben“, sagt Zahn. „Wenn es den Menschen in ihren Ländern gut geht, müssen sie auch nicht flüchten.“ An Kriegen wie in Syrien verdiene auch der Westen mit. Deshalb dürften deutsche Waffen nur noch ins europäische Ausland oder in Nato-Staaten geliefert werden.

Er sei jemand, so Zahn, der mit allen das Gespräch suche: „Man muss auf die Menschen zugehen. Ich will ja auch überzeugen.“ Sein Grundsatz sei,  so zu leben, dass auch die kommenden Generationen noch eine Zukunft haben. Dafür wolle er streiten. Eine neue Bundesregierung sieht er übrigens auch schon am Horizont: Er denkt, dass es auf Schwarz-Gelb-Grün, also die sogenannte Jamaica-Koalition, hinausläuft: „Aber das wird die Richtung auch nicht ändern.“