Schwäbisch Hall "Wir gehören Ihnen allen"

Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 04.11.2014
Dix, Beckmann, Kirchner: Die aktuelle Schau "Moderne Zeiten" in der Kunsthalle Würth versammelt große Namen. Sie ist ein Gastspiel der Nationalgalerie Berlin, von der Peter-Klaus Schuster in Hall unterhaltsam schwärmt.

Dass Peter-Klaus-Schuster voll Enthusiasmus aus der Geschichte der Nationalgalerie plaudern kann, ist kein Wunder. Immerhin war der 1943 in Calw geborene Kunsthistoriker, Autor und Ausstellungskurator, vormaliger Direktor der Nationalgalerie sowie bis vor sechs Jahren Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Schon lange ist Schuster der Kunsthalle Würth in Hall eng verbunden, ist außerdem Mitglied des Kunstbeirates bei Würth. Im Sommer 2007 gab es mit der Schau "Kreis Kugel Kosmos" die erste große Zusammenarbeit mit Berlin. Weitere folgten, derzeit lenkt "Moderne Zeiten" mit rund 200 bedeutenden Werken der Jahre 1900 bis 1945 aus der Sammlung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin den Blick nach Hall.

Und weil "nirgendwo die deutsche Geschichte so sehr Museumsgeschichte geworden ist wie am Beispiel der Nationalgalerie", bringt Schuster kürzlich im Adolf-Würth-Saal den Hallern gerne die Historie des Kunst-Gastes im Museum nahe. Ein wenig "schwankend" werde er durch die Geschichte streifen, meint er entschuldigend. So wird es ein Abend voller Zeitsprünge und spannender Querbezüge. Schuster zeigt Bilder von Werken, früheren Direktoren und Gebäuden - immerhin sind die Sammlungen der Nationalgalerie auf mehrere Orte in Berlin verteilt.

Dass derzeit Bilder aus Berlin in Hall zu sehen sind, "und das auch noch umsonst", liege an der Renovierungsbedürftigkeit der Neuen Nationalgalerie: Der 1968 eröffnete Bau des Architekten Mies van der Rohe, dieser "Tempel der Moderne", sei nach über 45 Jahren nun "einfach marode". Die Sanierung soll 2015 beginnen und sei bei dem britischen Architekten David Chipperfield in besten Händen.

Die Wurzeln der Nationalgalerie liegen im 19. Jahrhundert. Sie sind der Initiative des Bankiers Joachim Wagener zu verdanken. 1861 vermachte er seine Sammlung mit rund 260 Werken dem preußischen König unter der Auflage, für die Kunst ein Haus zu bauen. 1876 wurde der Tempelbau auf der Museumsinsel eröffnet, die heutige Alte Nationalgalerie. Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik und DDR - jede Ära hat die Nationalgalerie geprägt. Einst als Sehnsuchtsort nationaler Selbstbesinnung, sammelt die Einrichtung Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. "Die Nationalgalerie gehört zur deutschen Bildungslandschaft", betont Schuster und wirbt: "Wir sind Ihr Museum, wir gehören Ihnen allen. Kommen Sie mal nach Berlin und schauen nach, was wir da machen."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel