Karl-Kurz-Areal „Wir fühlen uns schon etwas wie Aschenputtel“

Geschäftsführender Gesellschafter Dr. Nicolas Maggiarosa (links) und Honorarberater Hans-Georg Flinner stehen auf der Großblasanlage, die schon zu Fassfabrikzeiten im Einsatz war.
Geschäftsführender Gesellschafter Dr. Nicolas Maggiarosa (links) und Honorarberater Hans-Georg Flinner stehen auf der Großblasanlage, die schon zu Fassfabrikzeiten im Einsatz war. © Foto: dd
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 17.11.2018
Das Karl-Kurz-Areal wird umgebaut. Die Firma Hessentaler Container hat dort seit dem Jahr 2000 ihren Sitz. Sie sieht sich auf dem Abstellgleis.

Nach der Insolvenz der Firma Kurz Hessental im Jahr 1998 versank das Gelände in der Nähe des Bahnhofs fast in einen Dornröschenschlaf – aber nur fast, denn im hinteren Bereich des Areals gibt es bis heute das Unternehmen Hessentaler Container, in dem Produkte der ehemaligen Fassfabrik weiterleben. „Wir fühlen uns schon etwas wie Aschenputtel, stiefmütterlich behandelt. Es wirkt so, als wenn wir stören, dass man uns als produzierendes Gewerbe weghaben möchte“, sagt Dr. Nicolas Maggiarosa mit Blick auf die aktuelle Entwicklung des Areals.

Der promovierte Chemiker mit Weiterbildungen in Betriebswirtschaft hat die Firma Hessentaler Container vor einigen Monaten von Hans-Georg Flinner gekauft und als geschäftsführender Gesellschafter übernommen. „Es ist derzeit etwas wie auf dem Abstellgleis“, ergänzt Flinner. Der 68-Jährige ist „froh über die Nachfolgeregelung“ und will noch ein paar Jahre als Honorarberater mit an Bord bleiben, sich auf die Produktentwicklung konzentrieren.

Zu wenig Lagerfläche

Das Problem besteht aus Sicht der beiden Unternehmer vor allem aus Aspekten wie Lagerfläche, Verkehrsweg und Kommunikation. „Man muss uns die Luft zum Atmen lassen, damit wir uns entwickeln können“, sagt Maggiarosa. Zum Firmenbesitz gehören zehn Hektar Fläche, aber das reiche nicht mehr. Er wolle der Entwicklung auf dem Kurz-Areal nicht im Wege stehen, aber sie könne nicht zu seinen Lasten gehen. „Hier gibt es enormes Entwicklungspotenzial“, sagt der neue Besitzer. Maggiarosa will nach und nach wachsen, künftig verstärkt auf die Technologie Wasserstoff setzen und verstärkt Tanks für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge produzieren. Umsatz- und Gewinnzahlen kommuniziert der 50-Jährige nicht, aber die Firma sei mit seiner breiten Produktpalette gut aufgestellt und profitabel.

Das sieht Flinner auch so. Der 68-Jährige arbeitet seit rund 45 Jahren auf dem Gelände, zunächst in der Fassfabrik. Dann hat er die Firma vom Konkursübernehmer gekauft, machte sich 2000 mit anfangs sechs Mitarbeitern selbstständig. „Mittlerweile sind es 50 Mitarbeiter“, gibt Flinner Zahlen zum Wachstumskurs. Die Mitarbeiter stellen im Drei-Schichtbetrieb sowohl Verpackungen wie Getränkefässer als auch technische Blasteile wie Kraftstofftanks sowie Wildwasserkajaks und Container wie Gefahrgutbehälter oder Baustellensicherung her. Die Produkte werden in der Autoindustrie, der Bauindustrie, der chemischen Industrie gebraucht. Herzstück ist immer noch eine Großblasanlage, die bereits zu Fassfabrikzeiten im Einsatz war. Das Unternehmen produziert einfach ausgedrückt Luft, denn mit der Anlage wird auch die innen liegende Kunststoffform in Kraftstofftanks aufgeblasen.

Mehrere Laster täglich

Mehrere Laster fahren täglich über die einzige Zufahrtsstraße zur Firma, müssten künftig an einem Hotel vorbei, das gebaut werden soll, sagt Maggiarosa. Zudem wird das Gelände an den Stadtbusverkehr angedockt. Da seien Probleme vorprogrammiert. Man komme nicht richtig ins Gespräch, werde nicht in die weiteren Planungen involviert, kritisiert der Unternehmer, der kompromissbereit für Lösungen offen sei. „Es laufen Gespräche in verschiedenste Richtungen“, sagt Peter Busch von den Stadtwerken, die im benachbarten Bereich der Schreinerei Frey noch Grundstücksfläche auf dem Areal und auch eine Halle an die Hessentaler Container vermietet haben. „Mich stört die Firma nicht. Tagsüber bekommt man kaum etwas mit“, sagt GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke. Die Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft stemmt auf dem Kurz-Areal ein 40-Millionen-Projekt, renoviert ein Hauptgebäude und ein Nebengebäude. Ins Hauptgebäude werden Teile der Kreisverwaltung und eine Eventagentur ziehen. Zudem bekommt die Stadt ein Tagungszentrum. Mustang mietet das Nebengebäude.

„Perspektivisch wird ein Hotel gebaut. Das passt zum Tagungszentrum. Dann muss die Fläche auch neu entwickelt werden“, sagt Gieseke. Gespräche mit Hoteliers laufen, das Hotel werde aber nicht im Herbst 2019 stehen, wenn das Tagungszentrum fertig sein soll, sondern im Laufe 2020. Zur Problematik Verkehrsweg sieht Gieseke bereits eine mögliche Lösung, indem eine neue Zufahrtsmöglichkeit zur Firma Hessentaler Container geschaffen werde.

Schreinerei Frey mietet rund 1000 Quadratmeter

Nachbar der Hessentaler Container ist die Schreinerei Frey. „Für mich wird es so sein, dass ich da rausgehen muss“, sagt Inhaber Gebhard Frey mit Blick auf die Entwicklung, die er fürs Kurz-Areal ansonsten positiv sieht. Die Fläche von rund 1000 Quadratmetern, die er vom Grundstücksbesitzer Stadtwerke mietet, passe derzeit gut für seine Firma. Das werde nicht mehr so leicht zu finden sein. Frey hat sich mit seinen fünf Mitarbeitern auf die Produktion von Vermessungspflöcken aus Nadelholz spezialisiert, die bundesweit von Vermessungsingenieuren genutzt werden und macht außerdem Schreinerarbeiten. cus

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