Schwäbisch Hall „Wichtige Impulse für die nichtöffentliche Diskussion“

Ideen für die Neugestaltung des Haalplatzes gesucht: Bürger engagieren sich in einem Arbeitskreis und sind am Montagabend vor Ort unterwegs. Mit dabei: Baubürgermeister Peter Klink. Derzeit wird dort gegraben. Reste von Siederhütten kommen zum Vorschein.
Ideen für die Neugestaltung des Haalplatzes gesucht: Bürger engagieren sich in einem Arbeitskreis und sind am Montagabend vor Ort unterwegs. Mit dabei: Baubürgermeister Peter Klink. Derzeit wird dort gegraben. Reste von Siederhütten kommen zum Vorschein. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 06.06.2018
Haalplatz und Unterwöhrd sollen neu gestaltet werden. Die Stadt beteiligt Bürger. Die machen sich auf einem Rundgang an 13 Stellen selbst ein Bild und fragen nach.

Die rund 20-köpfige Gruppe startet vom Sulfer-Turm aus, macht an 13 Stationen auf dem Unterwöhrd und auf dem Haalplatz Station. Die Bürger sammeln ein­einhalb Stunden Eindrücke am Globe-Theater, am Kocherufer, am Biergarten, am Haalbrunnen.

„Das sind wichtige Impulse für die anschließende nicht öffentliche Diskussion. Es geht darum, Aufgaben zu formulieren, für die die Planer dann gute und unterschiedliche Lösungen liefern“, macht Moderator Timo Buff von der Bürogemeinschaft „Sippel und Buff“ deutlich, die den Bürgerbeteiligungsprozess betreut. Es geht um Themen wie Umgang mit Historie, Wegebeziehungen, Gastronomie und Aufenthaltsqualität.

Fragen beantworten Baubürgermeister Peter Klink und Stadtplaner Christian Mathieu. „Sind Bäume beim Globe gefährdet, wenn die neue Lindachbrücke zum Theater gezogen wird?“, will Peter Nieschling vom Bürgerforum wissen, als die Gruppe beim Globe-Neubau an der Stelle haltmacht, wo die neue Lindach-Brücke zwischen zwei Kastanienbäumen ankommen soll. „Bislang sehen wir keinen Baum, der wegen der Brücke gefällt werden müsste“, antwortet Mathieu. „Dient die Brücke der Anbindung zum Theater oder in die Stadt?“, hakt Rita Walpurgis nach. „Es geht um die Versorgung von Theater und Biergarten. Zudem besteht die Option, dass sie das ganze Jahr als Fußgänger- und Radwegbrücke genutzt werden kann“, antwortet Klink.

Blick unter den Haalplatz

Hobbyfotograf Jochen Brand fällt auf, dass das Wehr viel schöner ist, wenn Wasser drüberläuft. „Lässt sich der Pegel nicht etwas anheben?“ Klink macht deutlich, dass die Wasserstände genau festgelegt sind. Aus Sicht der Stadtwerke gehe es um Zentimeter beim Betrieb der Kraftwerke. „Das ist ein Thema für den Themenspeicher“, ergänzt Buff.

Spannend wird der Umgang mit der Historie, als die Gruppe am Haalplatz ankommt. Zwei langgezogene, rund einen Meter breite und tiefe Schlitze geben Einblicke, was dort früher einmal war. Mitarbeiter der Firma Südwest-Archäologie aus Landau sondieren seit über einer Woche und noch zwei bis drei Wochen im Auftrag des Landesdenkmalamts, schürfen in der Fläche. „Die Funde korrespondieren mit einer Karte von 1827“, sagt Mathieu. Hartmut Baumann zeigt auf die Siedershütten auf der Karte, die dort früher standen, und auf die Mauerreste, die nun freigelegt werden. Der FWV-Stadtrat schlägt vor, 150 Quadratmeter freizulegen, Glas drüberzulegen, so Geschichte sichtbar zu machen. Das sei bei der Größe des Platzes kein Problem, der auch fürs Parken gebraucht wird. Ein weiteres Thema für die anschließende Diskussion.

Bürgerperspektive und fachliche Sicht werden verzahnt

Die Stadtverwaltung will grundsätzlich Bürger an Projekten beteiligen, die die Gestaltung des öffentlichen Raums betreffen“, sagte Baubürgermeister Peter Klink im vergangenen Freitagsinterview. Dafür werde je nach Fall eine maßgeschneiderte Struktur entwickelt, um einen dialogischen Planungsprozess zu ermöglichen, fachliche Sicht und Bürgerperspektive zu verzahnen.

Das Bürgerbeteiligungsverfahren für Veränderungen von Haalplatz und Unterwöhrd wurde im April vorgestellt. „Ein Arbeitskreis wurde gegründet. Der besteht aus Bürgern, Gemeinderäten, aus Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen“, erläutert Holger Göttler. Das Verfahren wird von den Büros „Sippel und Buff“ (Bürgerbeteiligung) und „schreiberplan“ (Wettbewerbsbetreuung) aus Stuttgart begleitet.

Der Fachbereichsleiter Planen und Bauen macht deutlich, dass sich der Arbeitskreis nach dem Rundgang am vergangenen Montagabend zum zweiten Mal traf und nicht öffentlich diskutierte. Die Ergebnisse sollen in einen Entwurf für einen städtebaulichen Wettbewerb fließen und werden am 5. Juli im Haus der Bildung öffentlich vorgestellt. Danach setzt sich der Gemeinderat mit den Ergebnissen auseinander und entscheidet.

Bei positivem Votum läuft der Wettbewerb zwischen September und November. Maximal 20 Büros können sich bewerben. Sechs sind gesetzt. Mitte November sollen die Entwürfe anonym ans Büro  „schreiberplan“ abgegeben werden. Am 6. Dezember tagt ein Preisgericht, veröffentlicht am Tag darauf die Auswahl, alle Arbeiten werden ausgestellt. Darauf folgt das Vergaberechtsverfahren, bedeutet, aus den drei Erstplatzierten wird der Sieger ausgewählt.

Und wann beginnt die Umgestaltung von Unterwöhrd und Haalplatz? „Veränderungen auf dem Unterwöhrd sollen so schnell wie möglich umgesetzt werden, damit es keine Baustelle mehr gibt, wenn das Globe-Theater in Betrieb ist. Das direkte Umfeld sollte in rund einem Jahr fertig sein“, antwortet Göttler. Ziel für die Neugestaltung des Haalplatzes: 2019 soll die Planung abgeschlossen sein und 2020 umgesetzt werden. cus