Tierattacke Linker Fuß bewegungsunfähig - wegen Hundebiss

Duro Vujaklija kann seit dem Unfall den linken Fuß nicht mehr heben. Ein Rottweiler biss ihm eine Sehne durch. Täglich trainiert der sportliche Mann mehrere Stunden, in der Hoffnung auf Besserung.
Duro Vujaklija kann seit dem Unfall den linken Fuß nicht mehr heben. Ein Rottweiler biss ihm eine Sehne durch. Täglich trainiert der sportliche Mann mehrere Stunden, in der Hoffnung auf Besserung. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 26.06.2018
Ein Rottweiler verbeißt sich im Oktober 2017 in Duro Vujaklijas Bein. Seitdem kann der bis dahin kerngesunde 60-Jährige seinen linken Fuß nicht mehr heben.

Duro Vujaklija geht die zwei Stunden während des Gesprächs im Raum hin und her. Er trippelt mehr als dass er geht. Der linke Fuß bleibt schlaff hängen, wenn sich das Bein hebt. Es scheint, als wolle er bei jedem Schritt überprüfen, ob sein Unterschenkel nicht doch wieder funktioniert. Der Wadenmuskel war zerrissen, die Peroneus-Sehne durchgebissen. Von einem Rottweiler, dem er am 14. Oktober 2017, einem schönen Spätsommertag, auf seiner Joggingrunde begegnete.

Der Mann, der seit 15 Jahren dreimal die Woche zehn Kilometer läuft, nimmt sich damals eine Wasserflasche mit und läuft los. Im Waldstück zwischen Untermünkheim und Gelbingen kommen ihm zwei Frauen und drei Hunde entgegen. „Verkehrte Welt“, denkt der Läufer, als er bemerkt, dass die zwei kleinen Hunde an der Leine sind, der große aber frei läuft. Als er sich nähert, hält er sich am äußersten Wegrand Die Besitzerin hält den Rottweiler mit zwei Fingern am Halsband fest. Als Duro Vujaklija auf dessen Höhe ist, reißt der Hund sich ohne Mühe los und springt auf den Jogger zu. Der schützt sich mit den Händen vor dem Gesicht. Das Tier beißt ihm in den Arm. Vujaklija schlägt mit seiner Wasserflasche, der Hund lässt ab und verbeißt sich in seiner Wade. Mit dem anderen Fuß kann er den Hund irgendwann wegtreten. Die Frauen schauen wie gelähmt zu.

Der Krankenwagen kommt 20 Minuten später. Im Diak wartet der Mann unter Schmerzen bis Mitternacht auf seine Operation. Er bleibt drei Wochen im Krankenhaus, wird dreimal operiert. Die gerissene Sehne wird von einer anderen Stelle transplantiert. Bis er den Fuß wieder anheben kann, können zwei Jahre vergehen, möglicherweise wird er ihn nie wieder heben können. Er hat eine Schiene, die den Fuß waagrecht hält, aber mit der fühlt er sich wacklig. Jeden Tag geht er viele Kilometer, weil man ihm sagte, Bewegung hilft. Er geht zur Krankengymnastik und daheim macht er weiter.

Seine Frau Katica hilft ihm bei den Übungen. Nachts träumt er, er spiele Fußball, läuft beim Dreikönigslauf und den Niedernhaller Marathon, so wie früher. Dann wird er wach und verzweifelt, weil sein Fuß sich nicht hebt. Er will es nicht akzeptieren. Sein Hausarzt rät ihm zu Psychotherapie. „Wenn ich mich entspannen soll, werde ich erst recht nervös.“ Seit acht Monaten ist der Lagerist, der bei Kärcher in Obersontheim angestellt ist, krankgeschrieben. „In 20 Jahren dort hatte ich vier Krankheitstage.“ Der trainierte 60-Jährige hat immer auf seine Gesundheit geachtet.

Die Beschäftigung mit dem Unfall nimmt seinen ganzen Tag in Anspruch. Im Internet hat er viel gelesen über Gesetze für Kampfhunde. „In Baden-Württemberg fallen Rottweiler nicht unter das Kampfhundegesetz“, empört er sich, „sie brauchen keinen Maulkorb und keine Leine.“ Er hat das Ordnungsamt angerufen und wurde wütend, möchte nicht einsehen, warum man nichts gegen die Frau unternehmen kann, die doch nun gezeigt habe, dass sie mit dem Hund nicht umgehen kann. Nachbarn erzählen außerdem, sie sei psychisch krank und der Rottweiler habe auch schon einen anderen Hund gebissen. Er wendet sich, mit Anwalt, an die Staatsanwaltschaft. Die antwortet ihm, dass der Fall eingestellt sei. Die Polizei aber geht dem Fall nach, testet den Hund auf seine Tauglichkeit und im Test mit einem joggenden Polizisten stellt sich heraus, dass das Tier erhebliche Defizite mit fremden Menschen habe. Die Frau muss nun Leine und Maulkorb benutzen. Sie ist mittlerweile von Gelbingen nach Gmünd gezogen.

Für Dura Vujaklija ist es damit nicht erledigt. Auch dort gibt es Menschen, die in Gefahr kommen können. Er möchte, dass man der Frau den Hund wegnimmt. An einer Strafe ist er nicht interessiert, auch nicht an Rache. Es geht ihm um Sicherheit. Er sendet einen handgeschriebenen Brief an die Staatsanwaltschaft. Monatelang hört er nichts. Vor ein paar Tagen kam der Bescheid: Es werde Strafbefehl gegen die Beschuldigte beim Amtsgericht Schwäbisch Hall beantragen.

Von Jugoslawien nach Gelbingen

Duro Vujaklija (60) stammt aus Jugoslawien, wo er Ingenieurwissenschaften studierte. 1992 kam er nach Deutschland und arbeitet seit 20 Jahren im Lager bei Kärcher in Obersontheim. Mit seiner Frau Katica lebt er in Gelbingen. Sie haben zwei erwachsene Kinder in München. sasch

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