Kirche „Unsere Kirchen sind klein, aber immer voll“

Priester Papaiah Reddimasu nutzt seinen Aufenthalt in Deutschland auch dazu, elternlosen Kindern in Indien zu helfen.
Priester Papaiah Reddimasu nutzt seinen Aufenthalt in Deutschland auch dazu, elternlosen Kindern in Indien zu helfen. © Foto: Sigrid Bauer
Bühlerzell / Von Sigrid Bauer 20.01.2018

Ein bisschen Angst hatte ich vor dem Winter“, räumt Papaiah Reddimasu ein und lächelt. Der indische Priester hat schon mehrmals zur Aushilfe in Gemeinden der Diözese Rottenburg/Stuttgart gearbeitet. „Immer im Sommer, wenn im Priesterseminar Ferien sind“, erklärt der 59-Jährige, der in der Ausbildung der Priesterkandidaten tätig ist.

In seiner Heimat Haiderabad, der fünftgrößten Stadt Indiens, ist jetzt zwar auch Winter, aber es hat dann immer noch um die 30 Grad. Prompt hat er sich im kalten Bühlerzell erst einmal Rückenschmerzen eingefangen. Inzwischen hat er sich aber gut eingelebt. „Die Leute sind sehr freundlich hier, die Pfarramtssekretärin, die Kirchengemeinderäte. Ich kenne manche Leute schon recht gut“, stellt er fest.

Messen in fünf Orten

Reddimasu unterstützt Pfarrer Rolf Kurz, der nach seiner Krankheit noch nicht wieder voll belastbar ist, bei den heiligen Messen in der großen Gemeinde, zu der neben Bühlertann und Bühlerzell auch Obersontheim, Fronrot und Kottspiel gehören. Manche Gottesdienstbesucher hätten gesagt, sie seien froh, dass er da ist. „Das freut mich“, verrät er und lacht.

Der jünger wirkende Mann ist ein offener Mensch, der den Kontakt sucht. Zum Mittagessen geht er ins Bühlerzeller Altenheim und nutzt die Zeit für Gespräche, wenn er auch manchmal mit dem schwäbischen Dialekt seine Probleme hat. „Es ist sehr ruhig hier, ganz anders als in der Zehn-Millionen-Stadt Haiderabad“, meint er. Sein Deutsch ist sehr gut. „Ich habe zwei Kurse bis zum A2-Niveau belegt und dann viel gesprochen, wenn ich in Deutschland war, denn Übung macht den Meister“, meint er.

Er stammt aus einer seit mindestens vier Generationen katholischen Familie, ist aber der erste Priester. „Dadurch bin ich schon oft in Europa gewesen. Ich bin dafür sehr dankbar, denn meine Familie hätte mir das nicht ermöglichen können“, berichtet er. Reddimasu hat mit einem Stipendium der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ fünf Jahre an der Katholischen Universität Leuven in Belgien studiert und dort seinen Doktortitel erworben. Er spricht Flämisch, Niederländisch, Deutsch, selbstverständlich auch Englisch und Hindi. Lesen kann er auch Latein, Hebräisch und Altgriechisch. Seine Muttersprache ist Telugu. „Das ist nach Hindi die zweitgrößte Sprache in Indien“, so der Priester. Im Bundesstaat Telangana, dessen Hauptstadt Haidarabad ist, gibt es nur etwa drei Prozent Christen, in ganz Indien ist der Anteil noch kleiner. „Aber weil wir eine Minderheit sind, halten wir sehr zusammen. Unsere Kirchen sind zwar kleiner als hier, aber immer voll“, schildert er.

Nachwuchsprobleme kennt die Katholische Kirche in Indien nicht. „Ich denke, das liegt daran, dass der Glaube bei uns sehr stark ist und das geistliche Leben und der Beruf des Priesters hoch angesehen sind. Außerdem spielt sicher auch die Armut eine Rolle, und, dass es viele Kinder gibt“, erklärt er.

Spenden für indische Kinder

Ein großes Anliegen ist ihm, die Ausbildung der Kinder in Indien zu verbessern. Er berichtet von großzügigen Spenden aus Deutschland. So hat eine Frau, die er bei einem seiner früheren Aufenthalte in Deutschland kennengelernt hat, Spenden für den Bau einer Schule in Indien gesammelt. „Durch meine Kontakte in Deutschland kann ich helfen. Eine Familie aus Stuttgart hat mit mir ein Patenschaftsprogramm aufgebaut, um arme und elternlose Kinder zu unterstützen“, schildert er.

Zunächst soll Reddimasu bis Ende Januar in der Gemeinde Oberes Bühlertal bleiben. Er hofft aber, dass er eine Verlängerung von ein oder zwei Monaten bekommt. Zurück in Indien wird ihm im April oder Mai eine Gemeinde in der Nähe von Haiderabad zugewiesen. Die Vorlesungen im Priesterseminar wird er weiterhin halten. „Mir ist aber wichtig, auch mit den Menschen in der Gemeinde zu arbeiten“, sagt der freundlich lächelnde Mann.

Stelle des Referenten wird ausgeschrieben

Pfarrer Reddimasu bleibt laut Auskunft der Diözese Rottenburg-Stuttgart nur bis Ende Januar in der Gemeinde Oberes Bühlertal. Die Stelle des Gemeindereferenten, die zuletzt Frank Schien innehatte, war ausgeschrieben, es hat sich aber niemand beworben. Im Februar wird die Stelle erneut ausgeschrieben. siba