Der fröhliche Name des Vereins kommt nicht von ungefähr: „Singen ist unglaublich entspannend“, schwärmt Tanja Pilz, Vorsitzende des Gesangvereins Frohsinn Tullau. Selbst nach einem anstrengenden Arbeitstag lässt die 52-Jährige die allwöchentliche Singstunde nicht sausen. Bei den Chorproben vergesse man den Alltag und fühle sich richtig wohl. Kein Wunder, denn aktives Singen begünstige die Ausschüttung von Glückshormonen, wie Chorleiterin Katharina weiß, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Für sie bedeutet die mittlerweile fast 114 Jahre bestehende Institution zudem eine wichtige Komponente im sozialen Leben des kleinen Rosengartener Teilorts. Auch die nicht mehr aktiven Senioren kämen bei den Treffen häufig zum Plaudern vorbei.

Zehn Mitglieder singen

60 Mitglieder zählt die sangesfreudige Gruppe, also fast 20 Prozent der gut 300 Teilortbewohner. Allerdings sind lediglich zehn von ihnen nicht nur mit dem Herzen, sondern ebenso mit den Stimmbändern dabei. Das Freizeitangebot in der Stadt sei eben riesig, erklärt die musikalische Frontfrau, die meisten Menschen würden lieber Sport treiben. „Unser Sport ist Singen“, stellt sie fest. Das Schöne sei, dass man dabei den Geist bewege. Als sie vor sechs Jahren nach Tullau zog, trat sie sofort dem Chor bei, gut drei Jahre später übernahm sie bereits die Leitung. Seither ist sie stets auf der Suche nach dreistimmig gesetzten Liedern, die der Besetzung in Kammerchor-Stärke gerecht werden. Bei externen Workshops feilen alle gemeinsam an ihrem Können.

Mehr stimmliche Power erzeugt seit etwa drei Jahren die Kooperation mit dem Liederkranz Rieden, der über rund 20 aktive Sängerinnen und Sänger verfügt. Die Proben finden im wöchentlichen Wechsel in den jeweiligen Vereinsräumen statt. Beide Chöre studieren ein gemeinsames Repertoire klassischer und moderner Kompositionen ein. Auftritte wie das einstündige Adventssingen in der Wolfgangskirche oder beim Tullauer Gassenfest seien alleine nicht zu stemmen. „Anders als in großen Chören, wo manch einer nur die Lippen bewegt, sind wir es gewohnt, dass jede Stimme zu hören ist und beherrscht werden muss“, betont Tanja Pilz, die schon als 14-jähriges Mädchen beim „Frohsinn“ mitsang. Ein „Riesenchor“ werde man in Tullau wohl nie wieder werden, dennoch lege man Wert darauf, Eigenständigkeit zu bewahren.

21 Mitglieder hatte das 1905 als Männerchor gegründete Musikprojekt laut Chronik in seinen Anfängen. Ein Foto aus dem Jahr 1980 zeigt den zu dieser Zeit längst gemischten Chor mit 31 Personen vor dem Tor des Tullauer Schlosses, darunter noch ein Dutzend Männer. 1975 hatte der Verein unter seinem damaligen Vorsitzenden Hermann Giebler die Gemeinnützigkeit erworben. Anlass war eine Immobilie: Unter Dreingabe der gesamten Vereinskasse wurde das damals reichlich marode „Milchhäusle“ der Hohenloher Molkerei gekauft und mit viel Eigenleistung in ein Schmuckkästlein verwandelt. Unter anderem sorgte und sorgt der Rosengartener Gemeinderat mit entsprechenden Zuschüssen dafür, dass der Chor bis heute in dem Häuschen im Ortszentrum zu Hause sein kann.

Chronik vorgelegt

Giebler war es auch, der 2005, zum hundertsten Jahrestag der Gründung, die minutiös recherchierte Chronik des Chorgesangs in Tullau vorlegte. Das dreimalige Fehlen in Folge bei der Singstunde konnte einst mit dem Ausschluss bestraft werden, berichtet er und vermerkt dazu: „Mittlerweile sind wir froh über jedes Mitglied und hüten uns, solche Drohungen auszusprechen.“

In Tullau sei der „Frohsinn“ ein ganz wesentlicher Kulturträger, findet Kassierer Hans Peter Stadelmaier, 59, Mitglied seit 30 Jahren und einer der letzten beiden „Quotenmänner“ im ehemaligen Männergesangverein. Die heutigen Mitglieder wollen ihrer musikalischen Oase gerne die Treue halten, oder wie Chorleiterin Katharina es formuliert: „Solange noch drei Leute da sind, von jeder Stimmlage einer, so lange gehe ich jeden Dienstag zur Chorprobe.“

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