Schwäbisch Hall „Trotz aller Strenge waren die Schüler Freunde für mich“

Schwäbisch Hall / Marcus Haas 14.06.2018
Richard Beißer bekommt den Bürgerpreis für sein außerordentliches Engagement bei der musikalischen Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Ehrungen, Geburtstage, Hochzeiten: Solche Anlässe kennt der Vollblutmusiker Richard Beißer, weil er dort mit seinem Saxofonquartett öfters Musik macht. Das ist bei der 13. Verleihung des Bürgerpreises durch die Bürgerstiftung „Zukunft für junge Menschen“ im Adolf-Würth-Saal nicht anders. Das Saxofonquartett begeistert am Dienstagabend die rund 100 Gäste mit einem bunten Mix aus Händels Wassermusik, einem Charlston-Medley und dem Jazzklassiker Summertime. Völlig anders ist: Beißer muss sein Saxofon aus der Hand geben, den Platz bei den Musikern verlassen und in der ersten Reihe sitzen.

Schöne Töne und Dissonanzen

Der 67-Jährige ist erstmal sprachlos, als er auf der Bühne steht, nachdem ihm der Vorstandsvorsitzende Thomas Preisendanz den Bürgerpreis überreicht hat. „Warum bekomme ich diesen Preis? Es gibt viele, die so gut Saxofon und Klarinette spielen“, rätselt Beißer, aber nur kurz, und ergänzt: „Trotz aller Strenge waren die Schüler immer Freunde für mich und denen darf man mehr sagen, als ein Lehrer zu seinen Schülern.“ Musik spiele im ganzen Leben. Es gebe harmonische und schöne Töne, aber auch Dissonanzen. Das zu vermitteln, sei seine Aufgabe gewesen. Warum hat Beißer den Preis verdient? Die Laudatoren geben dem Vollblutlehrer Antworten. Drei davon sind ehemalige Schüler, die mittlerweile mit Beißer im Saxofonquartett musizieren: Constanze Haas, Jeremias Walter und Markus Zemella.

Den Anfang des Festvortrags macht Dr. David Preisendanz, „weil ich ein Beispiel für so viele Schüler bin, deren musikalische Karriere an der Zimmertür von Herrn Beißer anfing und endete, auf die er aber dennoch – unabhängig von Takt und Ton – Einfluss genommen hat, deren jugendliche Entwicklung er mitgeprägt hat und die es einfach genossen haben, bei ihm in den Unterricht zu gehen.“ Für dessen Vater Thomas Preisendanz hat Beißer Eigenschaften, die einen Rebellen ausmachen: „Sehr klare Vorstellungen davon, wie die Dinge, für die er sich einsetzt und die er umtreibt, sein sollen, ein mitreißendes Charisma, mit dem er Menschen für sich einnehmen kann und eine Leidenschaft, die man nach wenigen Minuten mit ihm zusammen spürt.“

Seine Leidenschaft für die Musik, die, die man selbst macht, hat er an Generationen von jungen Menschen weitergegeben. Der Klarinetten- und Saxofonlehrer unterrichtete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 mehr als 30 Jahre lang an der städtischen Musikschule Schwäbisch Hall. „Egal, ob aus Hamburg oder Berlin, alle kamen zu deinem Abschied von der Musikschule. Das allein zeigt, was du als Lehrer bewirkt hast. Du hast dich auch für die Schüler persönlich interessiert und Ratschläge fürs Leben gegeben“, sagt Constanze Haas, die mittlerweile selbst Musiklehrerin ist.

Musikalisches Vorbild

„Du bist einfach ein super Musiker und ein musikalisches Vorbild“, macht Jeremias Walter deutlich. Und Markus Zemella, der als Gründungsmitglied seit rund 30 Jahren gemeinsam mit Richard Beißer im Saxofonquartett spielt, fasst den Verdienst Beißers so zusammen: „Du gehst auf die individuellen Stärken deiner Schüler ein, erkennst ihre Potentiale, zeigst aber auch Grenzen auf. Es ist dein Verdienst, dass viele nicht nur gute Musiker, sondern auch selbstbewußte Menschen geworden sind, die eine Persönlichkeit entwickelt haben.“ Professor Hannes-Hinrich Heißmeyer von der Bürgerstiftung ergänzt, dass Richard Beißer „an richtiger Stelle, den richtigen Beruf ausgeübt hat“.

Richtig geraten und gewonnen

Zehn Kinder haben beim Rätselraten am Kinderfest gewonnen: Julia Pander, Stina Schreyer, Felix Beck, Anna Zimmer, Lena Roll, Philipp Müller, Lydia Mengstab, Clara-Marie Bolzmann, Levin HInderer und Marie Seitz. Susanne Kessen überreicht Stubsis und Gutscheine. Dr. Sonja Klee von Würth macht auf die Kunstvermittlung der Würth-Gruppe aufmerksam. 150 bis 320 Schulklassen und Kindergärten pro Jahr erleben so Kunst.

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