anstehen.

Der Haller Gemeinderat hat beschlossen, zwei Gemeinschaftsschulen einzurichten. Werden die Anträge von Stuttgart befürwortet, erfolgt die Umstellung bei der Werkrealschule Schenkensee im Sommer 2014, im Westen ziehen Realschule und Werkrealschule 2015 nach.

Für Halls Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm steht fest: "Mit diesem Beschluss nehmen wir als Schulträger unsere Verantwortung wahr und gestalten die Schullandschaft um." Anlässlich dieser Entscheidung hatte die Stadt Schwäbisch Hall Thorsten Bohl am Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung in die Aula des Schulzentrums Ost eingeladen.

Der Professor erläuterte, wie eine zweigliedrige Schullandschaft erfolgreich sein kann. Angesichts der demographischen Entwicklung, dem rechtlich vorgegebenen Zwang zur Inklusion - also zur Aufnahme von Schülern mit Behinderung - und dem veränderten Übergangsverhalten nach Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, hinke das Land der Entwicklung um etwa vier Jahre hinterher.

Der vielerorts vorhandenen Tendenz, den Schulstandort durch Umwandlung der Hauptschule in eine Gemeinschaftsschule zu retten, erteilte er eine eindeutige Absage. Eine Gemeinschaftsschule bedürfe generell einer neuen Lernkultur, die erst entwickelt werden müsse. Für den Erfolg seien viele leistungsstarke Schüler notwendig, die sich für diese Schulart entscheiden. Eine starke Konkurrenz wie im jetzigen dreigliedrigen Schulsystem, behindere die Entwicklung. Deshalb favorisiere er eine Gemeinschaftsschule, die von Real- und Werkrealschule getragen und später durch eine Oberstufe ergänzt werde.

An der Gemeinschaftsschule müssten unbedingt auch Gymnasiallehrer unterrichten, sagte der Bildungsexperte. Eine Gemeinschaftsschule, die von einer Werkrealschule getragen wird und in Konkurrenz zu Realschule, Gymnasium und Beruflichem Gymnasium stehe, habe nach allen Studien wenig Erfolgsaussichten.

Die bis jetzt veröffentlichten Untersuchungen zeigten, dass die Gemeinschaftsschule nur dann dazu beitrage, die Schullandschaft erfolgreich umzugestalten, wenn der "Schereneffekt" erfolgreich initiiert werden könne. Das heiße konkret, dass die Lerngruppen schwächere Schüler mitziehen. Ein internationaler Vergleich zeige, dass eine frühe Spezialisierung, wie es unser dreigliedriges System vorgibt, keine Vorteile habe.

Integrierte Schulsysteme könnten Bildungsbenachteiligungen vermindern. Dieser Effekt komme allerdings nur zum Tragen, wenn die Konkurrenz der Schulsysteme gelöst werde. Die vielfach befürchtete Nivellierung nach unten, die der Gesamtschule unterstellt wird, gebe es dann nicht, behauptet Bohl.

In der anschließenden Diskussion kam zur Sprache, dass es bis jetzt an Lehrerfortbildungen mangele. Viele Lehrer forderten zudem eine Aufstockung der Lehrerkapazität anstatt einer Verringerung. Allgemein wurde mehr Zeit für die Entwicklung der notwendigen Konzeptionen gefordert.

Ein Vater wollte wissen, wie er sich verhalten solle. Sein Kind habe eine Gymnasialempfehlung. Bohl meint, wenn Eltern die gute Konzeption einer erfolgreichen Gemeinschaftsschule erkennen könnten, die mit gymnasialen Kräften arbeite, dann sei der Besuch einer Gemeinschaftsschule optimal.

Zur Person vom 26. Juni 2013