Nach dem ersten Quartal im Jahr 2019 werde sein Unternehmen wieder auf der Sonnenseite stehen, ist sich Mathias Funke sicher.

„Alle Kunden und Lieferanten sind mir treu geblieben. Und auch die Mitarbeiter sind noch alle dabei“, macht Mathias Funke deutlich. Für die Württembergische Drahtwarenfabrik arbeiten etwa 50 Beschäftigte, ein Teil davon zur Aushilfe. Die Löhne und Gehälter der Monate September bis November wurden  über das Insolvenzgeld ausbezahlt. Mitte November hat Mathias Funke die Mitarbeiter seines Unternehmens in einer Betriebsversammlung über den Stand des Verfahrens informiert.

„Der Geschäftsbetrieb läuft in vollem Umfang. Die Geschäftsleitung stimmt sich eng mit dem Sachwalter ab. Die Kunden und die Lieferanten wurden zu Beginn des Verfahrens aktiv seitens der Geschäftsführung über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Fortsetzung der Geschäftstätigkeit informiert“, schreibt Sachwalter Dr. Haffa in einer Pressemitteilung.

Großkunde reduziert Aufträge

In Schieflage ist die Württembergische Drahtwarenfabrik geraten nachdem Anfang 2017 der bis dahin größte Kunde einen Großteil seiner Aufträge zurückgezogen hat. Damit verlor der Betrieb rund ein Zehntel seiner Aufträge.

Mathias Funke geht in Eigenverwaltung durch die Insolvenz seines Unternehmens. Ihm zur Seite steht der Heilbronner Rechtsanwalt Dr. Dietmar Haffa als Sachwalter.

Einer eigenverwalteten Insolvenz liegt der Gedanke zugrunde, dass der Schuldner sein Geschäft und den Markt besonders gut kennt und verantwortlich handelt. Der Unternehmer wird in dieser Konstellation praktisch sein eigener Insolvenzverwalter.

Voraussetzung für eine Eigenverwaltung ist, dass die Schwierigkeiten nicht auf Missmanagement des Unternehmers zurückzuführen sind. Laufen die Fäden dagegen bei einem weniger mit Markt und Unternehmen vertrauten Insolvenzverwalter zusammen, könnte sich dies nachteilig auswirken.

„Die Eigenverwaltung kommt insbesondere bei Vorliegen einer mittelfristigen Fortführungsmöglichkeit des Unternehmens sowie einer konkreten Sanierungsperspektive in Betracht“, erklärt das Online-Portal Deutscher Anwaltspiegel.

Ortswechsel spielt keine Rolle

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sein Unternehmen geraten ist, hätten nichts mit dem Ortswechsel 2015 von Affalterbach nach Schwäbisch Hall zu tun. „Vielmehr hätte es geholfen, wenn wir früher nach Hall gegangen wären“, vermutet Mathias Funke.

Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Württembergischen Drahtwarenfabrik GmbH und Co. KG wurde am 1. Dezember eröffnet. Am Montag, 21. Januar, müssen Mathias Funke und der Sachwalter Dr. Dietmar Haffa dem Heilbronner Insolvenzgericht  über die Fortschritte ihres Bestrebens, das Unternehmen in eine wirtschaftlich stabile Lage zurückzuführen, berichten. Die Gläubiger könnten dann im Januar über den Sanierungsplan abstimmen. Firmeninhaber Mathias Funke sieht diesem Termin zuversichtlich entgegen.

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Jahre ist das Unternehmen alt. Anfangs wurden Toilettengarnituren wie Spiegel, Bürsten, Kämme, Puderdosen und Seifenschalen hergestellt.

Betrieb seit 2015 in Schwäbisch Hall

Die Württembergische Drahtwaren­fabrik wurde 1864 in Ludwigsburg gegründet, später zog das Unternehmen nach Affalterbach. Mathias Funke hat die Fabrik im Sommer 2010 übernommen.

Im Frühjahr 2015 zog der Betrieb nach Schwäbisch Hall in den Gewerbepark West zwischen Straßenkreuzung Luckenbacher See und Gefängnis.

Das Unternehmen fertigt Abtropfgestelle für Labortechnik. Sie dienen im Wesentlichen dem Waschen, Reinigen und Sterilisieren von Industrieteilen. Hauptabnehmer sind Kunden aus dem Medizinbereich, der Pharmaindustrie sowie Ventilatorenhersteller. Das Unternehmen bietet rund 6000 Produkte an.

Verarbeitet werden jährlich rund 70 Tonnen Stahl, davon 90 Prozent Edelstahl. Die Abnehmer legten großen Wert auf individuelle Anfertigungen und Qualität, macht Inhaber Mathias Funke deutlich. just