Wir haben keine Deponie gefunden, sondern einen großen Ablageplatz“, berichtet Stefano Rossi von der Reise nach Namibia. Zusammen mit Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim war der Haller Klimaschutzbeauftragte vom 11. bis 16. Februar im Land, das im Südwesten des Kontinents liegt. Die beiden Afrikareisenden berichteten von ihren Eindrücken und den angestrebten Kooperationen im jüngsten Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur.

Rossi betont, dass ein Austausch auf Augenhöhe geplant sei. Die Vertreter der Stadtverwaltung in Okahandja hätten offen ihre Sorgen ausgesprochen und um Hilfe und Tipps gebeten. Die wichtigsten Anliegen: die Stadthalle sanieren, ein Klärsystem aufbauen, das Müllproblem lösen und an einer besseren Gesundheitsversorgung arbeiten.

Schwäbisch Hall ist mit dem Ort durch eine von der Bundesregierung geförderte Klimapartnerschaft verbunden. Die entstand, nachdem der Versuch, eine Städtepartnerschaft mit einem anderen Ort in Namibia anzubahnen, abgebrochen wurde (siehe Info). Zu groß erschien damals die Gefahr, dass Hilfsgelder in falsche Kanäle fließen.

Jetzt soll keine Städtepartnerschaft mit Ondangwa aufgebaut, sondern eine Klimapartnerschaft mit Okahandja angestrebt werden. Und dort bestehe Handlungsbedarf. „Die Stadt wächst in großem Maße“, berichtet Rossi. Die Infrastruktur, sofern vorhanden, werde aber nicht im Gleichschritt mit dem Bevölkerungswachstum ausgebaut. Ein Grund: Die Stadtverwaltung habe die Kontrolle über den Bauboom verloren. „Es gibt eine illegale Siedlung am Rand der Müllablagefläche.“ Rossi: „Das Sorgenkind ist der Müll.“ Die Abfallfläche habe schon eine so große Fläche eingenommen, die mit der eines Wohngebiets zu vergleichen sei. Er habe gezögert, die Menschen zu fotografieren, die im Müll nach Brauchbarem wühlen und auf der Deponie wohnen. Doch die afrikanischen Begleiter hätten Stefano Rossi signalisiert, dass er auch diese Szenerie aufnehmen kann. „Tierkadaver, Plastik, Glas, Bauschutt – das alles liegt dort herum.“ Pelgrim und Rossi waren sich einig, dass etwas getan werden müsse. Und sie wurden fündig. Ein Unternehmen vor Ort säubere Plastikfolien und verarbeite diese zu Granulat. Dabei muss der Rohstoff Müll für teures Geld von großer Entfernung angekarrt werden. Bis nach Südafrika reiche das Einzugsgebiet.

Partner zusammenbringen

Hier das Plastik auf der Deponie, dort die Recyclingfirma. „Da kommt eine Delegation aus Schwäbisch Hall, ist drei Tage vor Ort und erzählt der Stadtverwaltung, dass es eine Recyclingfirma gibt. Die haben das nicht einmal gewusst“, betont Oberbürgermeister Pelgrim. Auch Rossi bestätigt den Stadträten im Ausschuss: „Die sind sehr froh, dass wir die Recyclingfirma und die Stadtverwaltung zusammengebracht haben.“ Nun würden die Schwäbisch Haller prüfen, wie die Klimapartnerschaft weitergeht. Mit Geld aus der Kasse der Bundesrepublik könne man nicht einfach mal eine Stadthalle in Afrika bezahlen. „Man könnte aber eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach im Rahmen der Klimapartnerschaft errichten“, deutet Rossi an. Auch die veraltete Kläranlage könnte man mit Know-how aus Hall auf Vordermann bringen.

Wie geht es weiter? Mehrere Praktikanten und Trainees aus Afrika werden einige Monate Zeit in Hall verbringen und sollen dann mit neuen Ideen zurück nach Namibia. Zudem ist der Austausch von Expertenwissen beispielsweise durch die Stadtwerke geplant.

Konkreter sieht die Hilfe für die Waldorfschule in Windhoek aus. Auch die hat die Delegation besucht. Vor Ort überzeugten sich Pelgrim und Rossi: Die bisher aus Hall geflossenen 100 000 Euro führten dazu, dass die Schule, die sich um Kinder aus sozial schwachen Familien kümmert, einen Anbau erhalten hat.

Projektpartnerschaft statt Städteverbund


Okahandja ist ein Ort so groß wie Hall, der ziemlich genau in der Mitte des Landes Namibia liegt. Die Bevölkerungszahl erhöhte sich von rund 25 000 Einwohnern im Jahr 2011 auf aktuell rund 40 000.

Die Stadt Hall unterstützt die Waldorfschule in Windhoek und demnächst auch Okahandja. Jedes Jahr werden ein Prozent des Ergebnisses der Geschäftstätigkeit der Schwäbisch Haller Beteiligungsgesellschaft, in der städtische Tochterunternehmen zusammengefasst sind, zur finanziellen Unterstützung solcher Projektpartnerschaften verwendet. Je nach Ertragslage kommen so 40 000 bis 60 000 Euro zusammen. tob