Schwäbisch Hall Haalplatz: So entstand seine „formlose Öde“

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 28.03.2018
Seit dem Jahr 1842 wurde der Haalplatz  nicht mehr verändert. Mehrere Ideen scheiterten. Derzeit wird ein weiterer Anlauf genommen.

Die einen ziehen das Holz aus dem Kocher und spalten es. Die anderen schöpfen Sole aus dem Brunnen. Feuer brennen, Rauch steigt auf: Die emsigen Sieder und ihre Knechte wirken „wie aus der Hölle laufende schwarze Teufel“.

Mit diesen Worten beschreibt der ehemalige Regierungsbaumeister Eduard Krüger in seinem Buch im Jahr 1953 das Treiben der Salzproduzenten der Jahrhunderte zuvor auf dem heutigen Haalplatz. Die Fläche war laut Eduard Krüger gar kein Platz, sondern ein mit den Siedehütten eng bebautes Quartier. Die Straßen seien auf die Haalquelle als Mittelpunkt zugelaufen. Zwar sind die Schilderungen des Doktor-Ingenieurs, nach dem in Hall ein Weg benannt ist, mit Vorsicht zu betrachten. So gilt seine Theorie von der Existenz eines Seitenarms des Flusses mitten in der Stadt („Blockgassenkocher“) als widerlegt. Die Beschreibung vom Sieden auf dem Haalplatz deckt sich aber mit anderen Berichten.

Jähes Ende

Doch die Salzgewinnung veränderte sich. „Da 1823 das Salzbergwerk Wilhelmsglück erbohrt wird, muss 1825 der Siedebetrieb auf dem Haal wegen wirtschaftlicher Nutzlosigkeit eingestellt werden“, schreibt Krüger. „Von da an werden ohne städtebaulichen Leitgedanken sämtliche Bauwerke über und um den hällischen Salz- und Segensquell abgebrochen.“ Zuletzt standen nicht nur kleine Siedehütten auf dem Gelände. Es seien auch Häuser mit Grundrissen von 25 Meter Länge und 15 Meter Breite gewesen, schreibt der Ingenieur in einem Zeitungsartikel, der am 1. April 1939 erscheint.

Das ursprünglich zum Kocher hin abschüssige Quartier wird zu einer ebenen Fläche aufgeschüttet und erhebt sich mehrere Meter über das ursprüngliche Niveau. Das hat der Haller Architekt Sven Haustein herausgefunden, der als Mitglied des Bürgerforums die Geschichte des Ortes erkundet hat. Laut Krüger wurden bis 1842 sämtliche Gebäude abgebrochen. „So entstand die formlose Öde des heutigen Haalplatzes“, schreibt er.

Im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Schwäbisch Haller Stadtmauer wurde die Haalmauer nach dem Ende der Reichsstadtzeit 1802 nicht komplett beseitigt, sondern bis auf eine Höhe von etwa vier Meter abgebrochen. Die Mauerkrone belegte man mit Steinplatten, ist im Häuserlexikon des Haller Stadtarchivs zu lesen.

Die nächste bedeutende Veränderung Im Haal erfolgte in den Jahren 1835 bis 1838: Die Mädchenschule entstand, die später zum Volkshochschul-Gebäude umfunktioniert wurde und heute Kunstakademie und Freilichtspiele beherbergt. Der größte Teil der Fläche blieb aber frei. Eine Lithografie aus dem Jahr 1848 zeigt die „Vereidigung der Haller Bürgerwehren“. Zu sehen ist ein Platz ohne Gebäude. Er sieht im Grunde so aus, wie er aktuell noch erscheint. „Der heutige Platz trägt deutlich die Züge einer Zufälligkeitserscheinung“, urteilt Eduard Krüger im Jahr 1939.

Doch warum ist das so? Beim heutigen Bauboom in der Stadt mit stets wachsenden Einwohnerzahlen könnte man ja auch auf die Idee kommen, in der Premium-Lage ein paar Häuser mit Glasfronten zum Fluss hin zu bauen? Wer wollte dort nicht wohnen?

„Es bestand ja bei dem unbedeutenden Wachstum der Stadt in der Mitte des letzten Jahrhunderts keine Veranlassung, ihn wieder, auch nur teilweise mit Häusern zu versehen“, schreibt Krüger und meint damit die Zeit um 1850, in der die Bevölkerungszahl offensichtlich nicht stark wuchs. Im Jahr 1855 zählte Hall 6720 Einwohner, 70 Jahre später nur unerheblich mehr: 8978. Im vergangenen Jahr hat Hall hingegen die 40.000-Einwohner-Marke geknackt.

Die Bebauung des Gebiets wäre auch in den dazwischenliegenden Jahrzehnten möglich gewesen. Handelte es sich doch um eine sonst in Hall recht rare ebene Fläche in zentraler Lage.

Es gab mehrere Pläne für eine Umgestaltung. Einer stammt von Eduard Krüger selbst, der den Auftrag erhielt, dort die Kreiszentrale der NSDAP als langes Gebäude hinzuplatzieren. Doch die Planung wurde nicht umgesetzt.

Mehr zu Bebauungsideen demnächst.

Teilnehmer für Workshop gesucht

Die Verwaltung will Bürger am Planungsprozess zur Haalplatzgestaltung beteiligen. Am Dienstag, 10. April, 19 Uhr, wird das Verfahren im Haus der Bildung vorgestellt. Ein Arbeitskreis tagt am 25. April und am 4. Juni. Am 5. Juli sollen die Ergebnisse gezeigt werden. Eine Bewerbung um die Teilnahme am Arbeitskreis ist per E-Mail an guel-sonja.demir@schwaebischhall.de bis Montag, 16. April, möglich.

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