Namibia-Partnerschaft Windhoek-Schüler lernt bei Haller Stadtwerken

Wolfgang Dedig und Ruusa Shuuya arbeiten bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. Beide kommen aus Namibia. Dedig macht eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Shuuya absolviert ein zweijähriges Traineeprogramm.
Wolfgang Dedig und Ruusa Shuuya arbeiten bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. Beide kommen aus Namibia. Dedig macht eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Shuuya absolviert ein zweijähriges Traineeprogramm. © Foto: Marcus Haas
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 05.09.2018
Wolfgang Dedig aus Namibia geht bei den Stadtwerken in die Lehre. Hintergrund ist die projektbezogene Partnerschaft der Stadt mit der Waldorfschule Windhoek.

Seine Eltern leben in Swakopmund in Namibia und damit rund 8000 Kilometer von seinem neuen Ausbildungsplatz entfernt: Wolfgang Dedig hat am Montag eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall begonnen.

„Das macht mir Spaß. Mein Onkel ist Elektriker, hat eine Werkstatt. Ich arbeite gerne mit den Händen und habe praktische Erfahrungen an der Waldorfschule Windhoek gesammelt“, sagt der 19-Jährige beim Pressegespräch im Rathaus. Dedig hat einen mittleren Bildungsabschluss an der Waldorfschule gemacht. Daheim in Swakopmund spricht er mit seinen Eltern deutsch, wie schon sein Name verrät – seine Großeltern stammen aus Hamburg.

Wolfgang Dedig wählte in der praktischen Ausbildung an der Waldorfschule den Schwerpunkt Elektronik und hat „eine Solaranlage mit aufgebaut, mit der die Schule Strom produziert, und die Elektrik für eine neue Schulküche errichtet“. Wissen, das er nun bei den Stadtwerken vertieft.

Hall und die Stadtwerke sind für Dedig nicht neu. Er absolvierte im Mai 2017 ein dreiwöchiges Praktikum bei den Stadtwerken. Dahinter steckt das Projekt „School meets business“. Schüler der Waldorfschule Windhoek bekommen seit 2017 die Chance, für drei Wochen in Haller Betrieben zu schnuppern. Im November wird eine weitere Schülergruppe aus Windhoek erwartet.

Ausbildung im Netz

„Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen“, betont Peter Busch von den Stadtwerken und ergänzt: „Schnell war klar, den behalten wir“, nachdem Dedig deutlich gemacht hatte, dass er gerne eine Ausbildung bei den Stadtwerken machen würde. Der stellvertretende Bereichsleiter Netze und Technik erläutert, dass Dedig bei seiner Ausbildung im Bereich Elektronetz alles lernt, was notwendig ist, damit der Strom in den Haushalten ankommt.

Dabei werden auch theoretische Grundlagen vermittelt, die notwendig sind, um Fotovoltaik­anlagen zu bauen. „Ich möchte erst meine Ausbildung gut fertig machen“, antwortet Dedig auf die Frage, ob er später mit seinem Wissen nach Namibia zurückkehrt, um Fotovoltaikanlagen aufzubauen. Das Land im südlichen Afrika hat die zweithöchste Sonneneinstrahlung der Welt. Pelgrim sieht Dedigs Ausbildung als Pilotprojekt. Bei positiven Erfahrungen sollen weitere Kooperationen im Bereich Ausbildung mit der Waldorfschule Windhoek  folgen. Gespräche mit der Bildungsministerin des Landes laufen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Namibia bei rund 50 Prozent. Andererseits werden Auszubildende in diesen Bereichen in Deutschland gesucht.

Müll und Sonnenenergie

Beim Namibia-Besuch im Februar ging es vor allem um eine mögliche Klimapartnerschaft mit Okahandja. Dabei wurden zwei Hauptthemen deutlich: Müllentsorgung und Sonnenenergie. In Okahandja gibt es keine systematische Müllentsorgung. „Wir haben deshalb vor, ein Schulprojekt auf den Weg zu bringen“, sagt Dieter Müller vom Freundeskreis der Waldorfschule Windhoek.

Zudem laufen Gespräche im Bereich Fotovoltaik, wodurch sich eine berufliche Chance für Ruusa Shuuya eröffnete. Die stammt wie Dedig aus Namibia und arbeitet schon einige Monate länger bei den Stadtwerken in Schwäbisch Hall. Die Namibierin studierte in Nürnberg Business Management und macht seit Februar dieses Jahres ein zweijähriges Traineeprogramm mit dem Schwerpunkt Solarenergie.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel