„Schlechten Eindruck hinterlassen“

Anton Baron sitzt für die Alternative für Baden-Württemberg im Landtag. Er wohnt in Niedernhall. Seine Eltern sind Spätaussiedler aus Russland.
Anton Baron sitzt für die Alternative für Baden-Württemberg im Landtag. Er wohnt in Niedernhall. Seine Eltern sind Spätaussiedler aus Russland. © Foto: Ufuk Arslan
NORBERT ACKER 26.08.2016
Konservativ im klassischen Sinne und Turbulenzen: Der ABW-Landtagsabgeordnete Anton Baron ordnet ein und macht deutlich, was ihn bewegt.

Sie sind neu im Landtag: Wie war die erste Sitzung?

Eine ganz neue Situation, ein neuer Plenarsaal, alles sehr aufregend. Aber ich habe direkt gemerkt, dass wir als Außenseiter behandelt werden. Wir werden von den anderen Parteien geschnitten.

Woran machen Sie das fest?

Gleich zu Beginn der Legislaturperiode hat unser Fraktionschef Jörg Meuthen  mit Blick auf unsere Fraktionsstärke deutlich gemacht, dass wir den zweiten stellvertretenden Landtagspräsidenten stellen wollen. Das wurde abgelehnt, mit fadenscheinigen Gründen. Wir sind nicht gegen alles. Das wird uns immer vorgeworfen. Wir sind an Sacharbeit interessiert und stimmen sinnvollen Vorschlägen anderer Fraktionen zu.

Welche Themen haben Sie im Landtag eingebracht?

Ich habe bisher zehn kleine Anfragen gestellt, beispielsweise zum A-6-Ausbau. Ziel meiner Anfrage war, die Dringlichkeit des Ausbaus mit Blick auf die Problematik der zunehmenden Unfälle, der Staus und des Lärms deutlich zu machen. Der Güterverkehr wird weiter wachsen. Der Ausbau ist dringend erforderlich.

Was hat Sie in den ersten Monaten besonders geärgert?

Der Vorwurf, dass wir nichts tun würden, stimmt nicht. Wir stellen Anfragen, bringen bei aktuellen Debatten unsere Themen ein, arbeiten in den Ausschüssen. Das ist nicht wenig, zumal unsere Personalsuche im Beraterbereich noch nicht abgeschlossen ist.

Warum gibt es Probleme, genügend Berater zu finden?

Das mag an dem falschen Bild unserer Partei in der Öffentlichkeit liegen. Da ist es schwer, gutes Personal zu bekommen. Außerdem wählen wir sorgfältig aus, denn wir wollen kompetente Fachkräfte anstellen.

Worüber haben Sie sich besonders gefreut?

Über die neue Herausforderung, im Landtag zu sein. Ich war sehr optimistisch. Ich will versuchen, etwas zu verändern, ich wurde aber auch schnell ernüchtert.

Warum?

Es gibt sehr enge Strukturen, an die man gebunden ist. In der freien Wirtschaft, aus der ich ja komme, muss man auf Veränderungen schnell reagieren. Dagegen ist der politische Betrieb schon sehr träge. Wir sprechen aber trotzdem aus, was Menschen berührt. Das trauen sich die anderen Parteien nicht.

Haben Sie ein Beispiel?

Das Flüchtlingsthema gestaltet sich schwieriger als von vielen erwartet. Damit werden wir noch Jahrzehnte zu tun haben. Die Zahlen der Neuankömmlinge sind zwar zurzeit rückläufig, aber wir haben nach wie vor Zuzug. Die Integrationsprobleme fangen jetzt erst an. Vom Thema Asyl klar zu trennen, ist die Frage einer kontrollierten Zuwanderung. Wir benötigen eine kontrollierte Zuwanderung durch ein Einwanderungsgesetz. Fachkräftemangel gibt es nur in bestimmten Bereichen und da macht es dann durchaus Sinn, gezielt qualifizierte Menschen aus dem Ausland anzuwerben.

Ihre Eltern sind Spätaussiedler aus Russland – sind das auch Flüchtlinge?

Nein, sie wurden vertrieben. Sie haben in Kasachstan im deutschen Viertel gelebt und wurden dort ausgegrenzt. Ich mag auch das Wort Russlanddeutsche nicht, dieser Ausdruck ist fehl am Platz. Für mich sind das Deutsche; integrierte, fleißige Deutsche, die größtenteils patriotisch und konservativ sind.

Wie sehen Sie die Sanktionen gegen Russland?

Das ist ein großer Fehler. Wir brauchen Russland als zuverlässigen Partner. Sowohl die Europäische Union als auch Russland haben mit Blick auf die Ukraine Fehler gemacht. Die EU sollte nun die Sanktionen, die insbesondere die deutsche Landwirtschaft und den deutschen Mittelstand schädigen, beenden und gemeinsam mit Russland die Zukunft gestalten, damit der Frieden in Europa nicht weiter in Gefahr gerät.

Wo ordnen Sie die AfD ein: nationalkonservativ, rechtspopulistisch, deutschnational?

Wir sind konservativ im klassischen Sinne, freiheitlich, patriotisch und stolz darauf, Deutsche zu sein, stolz darauf, was vergangene Generationen erreicht und aufgebaut haben. Wir müssen das Erreichte erfolgreich weiterführen.

Wie oft sind Sie im Landtag und wie kommen Sie nach Stuttgart?

Derzeit ist Sommerpause, noch bis Mitte September. In der Zeit bin ich überwiegend im Wahlkreis unterwegs. Ansonsten bin ich von Dienstag bis Donnerstag im Landtag in Stuttgart, an den anderen Tagen und oft auch am Wochenende arbeite ich im Wahlkreis. Ich reise mit der Bahn. Das ist ein Abenteuer mit uralten Zügen wie in den 70er-Jahren. Ich empfinde das als traurig für Baden-Württemberg. Der Internet-Empfang im Zug ist miserabel, was das Arbeiten mit Laptop und Handy erschwert. Die Verbindungen sind schlecht. Es fährt nur alle zwei Stunden ein Schnellzug von Öhringen nach Stuttgart. Zudem ist es ein Lotteriespiel, ob man beim Umsteigen in Heilbronn den Anschlusszug erreicht.

Was sind Ihre Hauptaufgaben in der Fraktion?

Ich arbeite im Verkehrs- und im Wirtschaftsausschuss. Zudem wurde ich zum parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion gewählt. In dieser Funktion sorge ich für einen einwandfreien Ablauf im Plenum. Die Vor- und Nachbereitung von Sitzungen gehört zu meinen Hauptaufgaben.

Welche Fraktion? Es gibt ja zwei Alternativen, die für Deutschland und die für Baden-Württemberg?

Ich gehöre der Alternative für Baden-Württemberg an.

Die AfD hat sich wegen der Antisemitismus-Diskussion um Wolfgang Gedeon in zwei Fraktion im Landtag gespalten. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Für mich und meine Kollegen, die sich zu diesem Schritt entschieden hatten, ist klar: Antisemitismus hat bei uns keinen Platz. Der Austritt war leider notwendig, denn erst durch den Druck der 13 Abgeordneten konnte Gedeon schließlich zum Austritt bewegt werden. Ich gebe aber zu, dass diese daraus entstandenen Turbulenzen bei Mitgliedern und Wählern einen schlechten Eindruck hinterlassen haben und das tut mir auch persönlich sehr leid. Wir werden aber wieder zusammenfinden und gemeinsam als kraftvolle Opposition parlamentarische Arbeit zum Wohle unseres Landes leisten.

Was haben Sie bislang gelernt, für sich herausgezogen?

Was die Politik betrifft, habe ich gelernt, dass man viel Geduld haben muss. Unschön sind die Begleiterscheinungen: In diesem Jahr sind beispielsweise über 300 Anschläge auf die AfD allein in Baden-Württemberg verübt worden.

Gleichberechtigung: Wie ist Ihre Position beim Thema gleiche Bezahlung von Mann und Frau?

Es muss selbstverständlich sein, für die gleiche Arbeit auch gleich bezahlt zu werden. Verschiedene Studien zeigen die Gründe, weshalb Frauen im Schnitt schlechter bezahlt werden als Männer: Frauen entscheiden frei, welche Berufe sie auswählen, tendieren dabei eher dazu, soziale Berufe zu erlernen, die schlechter bezahlt werden. Es steht uns als Politik vor allem nicht an, in die Vertragsfreiheit einzugreifen. Durch Babypausen verlieren Frauen zudem Berufsjahre. Hier muss die Politik Wege finden, Erziehungsarbeit angemessen zu würdigen.

Was ist das Ihnen wichtigste Ziel, das Sie in dieser Legislaturperiode erreichen möchten?

Für die unwettergeschädigten Bürger aller betroffenen Gemeinden braucht es schnelle und unbürokratische Mittelzuweisungen aus dem nationalen Katastrophenfonds. Dort liegen schon seit Jahren vier Milliarden Euro auf Halde. Hier fehlt es am politischen Willen. Das Land muss Druck machen und deutlich kommunizieren, dass wir diese Mittel vom Bund brauchen. Ich werde zudem beim Ausbau der A 6 hinterher sein, deshalb bin ich ja auch im Verkehrsausschuss. Das muss so schnell wie möglich umgesetzt werden. Außerdem bin ich unzufrieden mit der Energiewende. De facto bezahlt nämlich der kleine Stromverbraucher die Gewinne der Öko-Industrie. Beim Thema Windenergie sind die Abstände zu den Anwohnern wichtig, damit die ein gutes Gefühl haben. Ich möchte keine Windräder in der Nähe meiner Gemeinde haben. Außerdem muss die geplante Starkstromleitung von Kupferzell nach Rot am See unter die Erde, auch wenn es teurer wird. Dafür werde ich mich einsetzen.

Und privat?

Ich bin mittlerweile 28 Jahre alt, schwäbisch veranlagt und möchte auch mal eine Familie, Kinder und ein Haus haben. Das bringe ich demnächst im schönen Hohenlohe auf den Weg. Eine Großstadt wie Stuttgart wäre nichts für mich.

 Die Fragen stellte Marcus Haas

Zur Person

Anton Baron wurde am 3. November 1987 als Sohn russlanddeutscher Eltern in Kasachstan geboren. Er kam als Dreijähriger nach Hohenlohe und wuchs in Sindringen, Forchtenberg, Ingelfingen und Niedernhall auf. Er wohnt mit seiner Partnerin in Niedernhall. Baron hat nach der mittleren Reife eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik absolviert. Danach machte er die Fachhochschulreife und schloss erfolgreich ein Studium zum Wirtschaftsingenieur ab. Er sammelte bei einem Unternehmen in Künzelsau als Produktmanager berufliche Erfahrung. Baron wurde Ende 2014 Mitglied der Alternative für Deutschland und bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März dieses Jahres mit 17,1 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Hohenlohe (Wahlkreis 21) in den Landtag gewählt. Er engagiert sich bei der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative. In seiner Freizeit fährt Anton Baron Rad oder spielt Fußball. cus

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