Schwäbisch Hall "Rassisten sind eklig und dumm"

Schulleiter Rainer Denz (links), die SMV der Kaufmännischen Schule sowie einige Unicorns-Spieler freuen sich über das Siegel "Schule ohne Rassismus". Die Footballer sind Paten des Projekts.
Schulleiter Rainer Denz (links), die SMV der Kaufmännischen Schule sowie einige Unicorns-Spieler freuen sich über das Siegel "Schule ohne Rassismus". Die Footballer sind Paten des Projekts. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 27.11.2014
Keine Chance für Rassismus ist die Aufgabe, der sich Schüler der Kaufmännischen Schule in Schwäbisch Hall stellen. Sie engagieren sich langfristig. Dafür ist der Schule nun ein Siegel verliehen worden.

In diesen Tagen wird der Hausmeister der Kaufmännischen Schule ein Schild neben dem Eingang anbringen. Es ist schwarz-weiß gemustert, "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" steht darauf. 78 Prozent derer, die auf diese Schule gehen, als Schüler oder als Lehrer, Sekretärin oder Putzfrau, haben mit ihrer Unterschrift bekundet, dass sie sich gegen Rassismus einsetzen wollen.

Die "Mutter" des Projektes ist Schülerin Jule Eimann. Sie stellte sich vor die Klassen und erzählte von der Aktion. Sensibilisieren für das Thema Rassismus inmitten von Mathe, Deutsch, Englisch - keine leichte Aufgabe für Eimann. Aber es müssen mindestens 70 Prozent der Anwesenden der Schule unterschreiben, um die Auszeichnung zu bekommen. Die engagierten Schüler, die meisten aus dem 13. Schuljahr des vergangenen Jahres, hatten eine Idee, um das Projekt voranzubringen: Sie drehten einen Film.

Film hinterlässt eine Mischung aus Wut und Traurigkeit

Ein junger Mann beim Arbeiten in einer Bar, beim Heimkommen in eine ärmliche Wohnung. Darin sitzt der Vater und zieht sich Kokain in die Nase. Sie streiten. Wenige Tage später wird der junge Mann von der Polizei aus der Schule geholt. Sein Vater liegt tot auf dem Küchenboden - Überdosis. Die Freundin macht mit dem jungen Mann Schluss, die Mitschüler ignorieren ihn, der Lehrer macht einen blöden Kommentar. Da läuft er auf das Schuldach und will sich herunterstürzen. Einer läuft ihm nach und hält ihn fest.

"Sehen" heißt der Film, gedreht mit Schülern und Lehrern der Kaufmännischen Schule und dem Theaterpädagogen Andreas Entner. Der Kurzfilm hinterlässt eine Mischung aus Wut und Traurigkeit. Danach greift man gerne zum Stift und erklärt sich gegen Diskriminierung.

Leonie Großmann vom Stuttgarter Kolping-Bildungswerk ist gekommen, um die Auszeichnung zu übergeben. Sie ist beeindruckt von dem Film. Weil er so realitätsnah ist und weil deutlich wird, dass Rassismus nicht nur die Diskriminierung von Ausländern ist, sondern auch sozial schwache Menschen darunter zu leiden haben. Das sind oftmals auch diejenigen, die nicht die "richtige" Klamottenmarke tragen.

Integration ist auch ein wichtiges Thema bei den Haller Unicorns. "Würden wir rassistisch denken, verlören wir einen Pool von Talenten", sagt Siggi Gehrke, Trainer der Footballer und Lehrer am Berufsschulzentrum. "Rassisten sind nicht nur eklig, sondern auch dumm." Eine Abordnung der Unicorns ist bei der Preisverleihung dabei. Sie sind Paten des Projektes. Einen Paten zu finden, war Voraussetzung bei der Bewerbung.

Klare Kante zeigen

Aufgabe Die Kaufmännischen Schulen sind mit dem Siegel verpflichtet, sich fortwährend gegen Rassismus zu stellen, Zivilcourage zu zeigen und regelmäßig Aktionen zum Thema zu veranstalten. Neben der Kaufmännischen Schule trägt unter anderem das Erasmus-Widmann-Gymnasium das Siegel.

SWP

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