Schwäbisch Hall Diak: Schwester Mühlbauer geht in Ruhestand

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 23.07.2018
Schwester Margarete Mühlbauer nimmt Abschied als stellvertretende Oberin sowie als Chefin der Ambulanten Dienste.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Das Wort Ruhestand ist ein Begriff, der einfach nicht recht zu Schwester Margarete Mühlbauer passen will. Auch diverse Redner, welche dieser Tage beim Abschiedsgottesdienst in der Auferstehungskirche zu Wort kommen, können sich das im Grunde nicht genau vorstellen. Und vielleicht geht es Margarete Mühlbauer selbst auch ein bisschen so. „Es gibt noch vieles zu organisieren, aber so langsam wird es spürbar“, zitiert Oberkirchenrat Dieter Kaufmann die 64-Jährige in seiner Predigt.

Rund 350 Menschen kommen an jenem Nachmittag in die Haller Diak-Kirche, um sich von der umtriebigen Diakonisse mit dem ansteckenden Lachen zu verabschieden. Gemeinsam schauen sie zurück auf die Zeit, in der Margarete Mühlbauer im Diak wirkte. Mit Stärke und Mut habe sie sich für die ambulante Pflege eingesetzt und die Modernisierungen begleitet, würdigt Kaufmann ihre Arbeit. Stets sei ihr der christliche Glaube, das Vertrauen in Gott eine gute Basis gewesen. Diesen Zuspruch dürfe sie auch als Verheißung für ihre Zukunft im Ruhestand verstehen.

Unermüdliche Kämpferin

„Wir sind berührt von allem, was dem Diak durch Sie geschenkt wurde“, sagt Diak-Vorstand Michael Kilb, als er gemeinsam mit Kaufmann Margarete Mühlbauer von ihren Aufgaben als stellvertretende Oberin sowie Geschäftsbereichsleiterin Ambulante Dienste entpflichtet. Mit einem Augenzwinkern lässt Kilb durchblicken wie er seine Zimmernachbarin im Mutterhaus als eine unermüdliche Kämpferin fürs diakonische Profil erlebte. Demnach musste manches noch spätabends auf dem Flur besprochen werden. Auf Frühbesprechungen um 6 Uhr im Schenkenseebad habe er lieber verzichtet. Man muss wissen: Margarete Mühlbauer ist passionierte Frühschwimmerin.

Oberin Pfarrerin Bärbel Koch-
Baisch würdigt dankbar die Tatkraft und Erfahrung ihrer Stellvertreterin: „Schwester Margarete hinterlässt große Fußstapfen.“ Von einer „tollen Zusammenarbeit“ berichtet die frühere Michelfelder Pfarrerin und heutige Crailsheimer Dekanin Friederike Wagner. Mühlbauer habe das Zusammengehörigkeitsgefühl der Diakoniestationen gepflegt und auch die wirtschaftliche Seite im Blick gehabt.

Johannes Kessler vom Diakonischen Werk Württemberg lobt Mühlbauers „visionäres Denken“, ihre „Politik für die Kleinen“ und spricht voller Anerkennung von ihren Überzeugungen: „Pflege braucht mehr Selbstbewusstsein und ein Selbstverständnis als Profession – diese Haltung hat vielen Pflegekräften Mut gemacht. Stets habe sie die Balance zwischen ökonomischen Prinzipien und diakonischen Vorstellungen im Blick gehabt. Und er hat Margarete Mühlbauer in mehr als 20 Jahren als äußerst streitbare Frau kennengelernt.

Von der Durchsetzungskraft und dem Durchhaltevermögen der Hallerin kann auch Jochen Schnizler, neuer Vorsitzender des evangelischen Landesverbandes für Diakonie-Sozialstationen, ein Lied singen – ein liebevoll frotzelndes, etwa über die ausgeprägte Sitzungsausdauer, das aber auch seine große Wertschätzung für Margarete Mühlbauer ausdrückt.

„I hab’s gern g’macht“, bedankt sich die Diakonisse lächelnd für die lobenden Worte. Und sie nennt noch einmal ihre wichtigsten Grundsätze: „Man kann den diakonischen Auftrag nur erfüllen, wenn man auch das nötige Geld dafür hat.“ Sowie: „Pflege ist und bleibt eine Kunst, das muss man lernen.“ Diese Erkenntnis müsse sich in der Gesellschaft durchsetzen, hofft Mühlbauer.

Viele Mut machende Worte

Sie bedankt sich bei ihren Mitarbeitern und gibt den Stab nun weiter. Denn an jenem Nachmittag werden auch zwei Neuanfänge gefeiert: Künftig leitet Schwester Andrea Beck den Geschäftsbereich Ambulante Dienste. Es sei ihr eine „große Ehre und Verantwortung“, sagt die 44-Jährige aus Ottendorf. Seit 2001 ist die gelernte Krankenschwester in der ambulanten Pflege tätig. Sie kennt sich aus in Pflegedienstleitung, Gerontologie, Pflegemanagement und hat sich zur Diakonin weitergebildet. Als Stellvertreterin steht ihr Schwester Sarah Setzer zur Seite. Die 35-Jährige aus Mainhardt ist Altenpflegerin, Mentorin, gerontopsychiatrische Fachkraft und absolviert derzeit ihr Masterstudium in Gesundheits- und Sozialmanagement. Beide Frauen hören viele Mut machende Worte – und sie freuen sich auf ihre neuen Aufgaben.

„Bei mir gehören Arbeiten und Weiterlernen zusammen“

Margarete Mühlbauer wird am 1. Mai 1954 im Haller Diak geboren. Mit zwei Brüdern wächst sie im Geschäftshaus des Obst- und Gemüsehändlers Werner Mühlbauer auf. Nach dem Mädchengymnasium in Hall absolviert sie ein freiwilliges soziales Jahr an der Uniklinik in Heidelberg. 1974 beginnt sie mit ihrer Krankenschwesterausbildung – im Haller Diak. 1977 ging sie für einige Monate als Gruppenleiterin der chirurgischen Abteilung ins Bezirksspital Herisau in der Schweiz. Mit dem Wunsch Diakonisse zu werden, kehrt sie ins Haller Mutterhaus zurück. 1985 wird sie eingesegnet und ist in der Gemeinschaft die letzte, die dieses Gelöbnis ablegt. „Bei mir gehören Arbeiten und Weiterlernen zusammen“ – ein symptomatischer Satz Margarete Mühlbauers. Sie ist Diakonin, studiert Pflegemanagement an der Krankenpflegehochschule Agnes Karll in Frankfurt, ist Supervisorin und Betriebswirtin. Seit 1989 leitet sie den Geschäftsbereich Ambulante Dienste. 1991 wird sie Vorsitzende des evangelischen Landesverbandes für Diakonie-Sozialstationen in Württemberg, von 1995 an auch stellvertretende Oberin sowie Mitglied in der Landessynode. Von 2004 bis 2009 sammelt sie politische Erfahrungen als Mitglied im Haller Kreistag. 2011 bekommt Margarete Mühlbauer das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ihr Ausgleich: unter anderem schwimmen und singen.

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