Sulzdorf "Papa, was ist eine Dampflok?"

Viele Besucher kommen zur Schau der Eisenbahnfreunde in Sulzdorf. Foto: ars
Viele Besucher kommen zur Schau der Eisenbahnfreunde in Sulzdorf. Foto: ars
Sulzdorf / ERNST-WALTER HUG 13.01.2014
Eine Ecke mit der Trixx-Anlage, die Modelle des Hessentaler Bahnhofs, dazu die große Spur-N-Anlage, die die Strecke vom Tullauer Viadukt über den Haller Bahnhof bis zum Gottwollshäuser Tunnel bei der Ohrenklinge zeigt: Wer zu den Eisenbahnfreunden nach Sulzdorf kommt, weiß eigentlich, was ihn erwartet.

Und doch ist es immer wieder faszinierend. Dort ein von einer Diesellok gezogener Bauzug, hier ein Transeuropa-Express mit mondänen Salonwagen, und da ein ICE. Der trägt den Namen Schwäbisch Hall.

"Ja", sagt Theo Hagdorn, Vorsitzender der Haller Eisenbahnfreunde, "dieses Modell haben wir vor ein paar Jahren vom Haller OB geschenkt bekommen. Es gibt diesen Zug auch in echt. Er wurde damals im Hessentaler Bahnhof getauft."

"Guck Papa", ruft ein Junge. "Der Zug brennt." Mit digitalen Fauchgeräuschen gleitet er vorbei. "Ja, Leon, eine Dampflok", sagt der Papa, "die haben da eine Rauchpatrone reingetan, damits echt aus sieht." Der Junge fragt: "Was ist eine Dampflok?"

Vater Marc hat selbst auch nur einmal eine echte Dampflock gesehen - bei einer Vorführung am Crailsheimer Bahnhof. "Als ich Kind war, da war die Dampflokzeit schon längst vorbei." Leons Blicke sind längst woanders: beim ICE.

"Ja, so ist das", sagt Reinhold Maurer. "Die Kinder interessieren sich mehr für den Computer als für Modellbahnen." Seine alte Anlage sei seit Jahren eingepackt, weil seine Enkel keinerlei Interesse zeigten. "Vor Jahren", so Reinhold Maurer, "hab ich mal ne alte Dampfmaschine restauriert. Das war für meine Enkel ein-, zweimal ne kleine Aufregung." Seine Anlage will er irgendwann mal verkaufen oder den Eisenbahnfreunden vermachen.

"Das meiste", so bestätigt auch Theo Hagdorn, "was uns angeboten wird, stammt aus Erbschaften und Nachlässen." Die rund 60 Mitglieder des Vereins gehörten "zu den älteren Semestern". Aber vielleicht - Hagdorn deutet auf zwei Jungs, die mit leuchtenden Augen auf einem der Kinderpodeste stehen - "besteht ja noch Nachwuchshoffnung."