Sie binden Feinstaub, senken die Umgebungstemperatur, verwandeln Kohlenstoff­dioxid in Sauerstoff. Es gibt eine Antwort auf den Klimawandel. Sie lautet: der Baum. So zumindest sieht es der Bund deutscher Baumschulen. „Zehntausende gehen jeden Freitag für uns auf die Straßen und fordern mehr Bäume“, schlussfolgert Helmut Selders, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen. Der Arbeitgeberverband hielt von Mittwoch bis Samstag in Schwäbisch Hall seine Sommertagung ab. 140 der knapp 1000 Mitglieder nahmen teil.

Dass freitags Demos für die Belange der Baumschulen veranstaltet werden, ist eine eigentümliche Sicht. Die Fridays-for-Future-­Bewegung will ja nicht in erster Linie den Umsatz von Baumschulen ankurbeln, sondern das Klima schützen. Schnittpunkte ergeben sich dennoch.

Bäume „kühlen die Luft in den Betonwüsten herunter“

„Wir können die Temperaturen im urbanen Bereich senken“, ist sich Bernhard von Ehren, Vorstandsmitglied des Branchenverbands, sicher. Bei der großen Hitzewelle im Jahr 2003 seien Tausende Pariser gestorben. „In den Stadtteilen, in denen viele Bäume standen, gab es weniger Opfer“, sagt der Experte. „Die Stadt ist ein Backofen. Bäume können die Temperatur um vier bis sechs Grad senken. Wir können die Luft in der Betonwüste herunterkühlen.“

Oft würden aber fadenscheinige Argumente gegen die Bepflanzung angeführt. Platzmangel zum Beispiel. Es gebe aber innovative Konzepte aus aller Welt, wie auch auf kleinen Flächen Bäume und andere Pflanzen einen Lebensraum finden können. Dachbegrünung sei das Stichwort. Im Oktober veranstaltet der Verband eine Tagung dazu in Berlin. Geld sei in den Kommunen für die Bäume vorhanden. Meist fehle es an der Zeit, sich um ein cleveres Grünkonzept zu kümmern. Ein zehnjähriger Baum, der für urbane Standorte infrage komme und entsprechend veredelt wurde, koste lediglich 200 Euro. Bernhard von Ehren rechnet vor: „Ein Mülleimer oder eine Bank sind viel teurer.“

Allerdings bringt der Klimawandel auch für die Baumschulen selbst eine Herausforderung mit sich: „Wir wollen Lösungen verkaufen und keine Probleme“, sagt Bernhard von Ehren, der in Hamburg arbeitet. Viele Bäume im Stadtbereich darben.

Städten sollen andere Baumarten empfohlen werden

Dürre, Streusalz und verdichtete Böden würden ihnen zusetzen. „Die Stadt ist ein Stressbereich für Bäume“, sagt von Ehren. Daher hätten es Eichen, Vogelbeeren, Birken, Eschen und Kastanien schwer. Es gelte, neue Exemplare zu empfehlen. In der Fachsprache ausgedrückt werden Bäume „produziert“, die einen „industriefesten“ Charakter entwickeln. Der Schnurbaum, der Eisenholzbaum und die Hopfenbuche seien solche Arten, die den heißeren Sommern auch in den Städten gewachsen sind.

„In Deutschland wird beim Klimawandel oft auf technische Lösungen geschaut“, sagt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands mit Sitz in Berlin. „Wir werden jetzt eine Kampagne starten, um die Leistungen der Baumschulen hervorzuheben.“

Das ist ganz im Sinne von Friedrich Waller. Der Inhaber der Baumschule in Schwäbisch Hall zog erneut in den Haller Stadtrat für die Freie Wählervereinigung ein. „Blühstreifen sind schön und gut“, sagt er über den Fokus der Diskussion um städtisches Grün. Doch viel besser fürs Klima seien eben Bäume. Daher regt er sich darüber auf, dass als Ausgleich für Abholzungen im Zuge des Windradbaus nur Büsche gepflanzt wurden. „Man hätte auch mit Bäumen arbeiten können“, sagt er über die Ökoausgleichsmaßnahme am Wettbach. Er lobt aber auch Planungen der Stadtverwaltung: Auf dem Wall am Sonnenrain seien Bäume gepflanzt worden. Dennoch fordert er, dass Hall viel mehr Bäume im Stadtgebiet pflanzt und dazu heimische Gewächse kauft und nicht etwa „Bäume von sonst woher“. Das schmälere die Klimabilanz. Doch Waller merkt, dass viele ihm nicht trauen: „Oft heißt es dann: Der Waller will halt seine Bäume verkaufen.“ Dabei versuche er nur, sein Fachwissen einzubringen.

Naturnah planen

Rückenwind erhält Waller vom Präsidenten des Bunds deutscher Baumschulen. Auch er sieht in Hall Potenzial für mehr Bäume im urbanen Bereich. Über eine Kuriosität im Froschgraben hat Helmut Selders den Kopf geschüttelt: „Palmen passen überhaupt nicht nach Hall.“

Die Tagung wird in Hall abgehalten, weil es in Heilbronn, der Stadt der Bundesgartenschau, keine Hotelbetten mehr gab. Verschiedene Themen werden besprochen: So soll die Ausbildung auf zwei Hauptrichtungen reduziert werden. Die bestehen aus „Dienstleistung“ – damit ist das Anlegen von Gärten gemeint – und aus „Produktion“ (das Kultivieren von Obst, Gemüse, Bäumen und Zierpflanzen). Bisher gibt es sieben Ausbildungswege. Wer die oft nur zweijährige Ausbildung absolviert hat, darf sich „Gärtnergehilfe“ nennen. Auch das soll sich ändern. „Gärtnergeselle“ sei besser.

Zudem stemmt sich der Verband gegen die geplante Pflicht, jedes Gewächs beim Verkauf mit einem Pflanzenpass zu versehen. Bei der Massenproduktion von Efeu- oder Lavendelpflänzchen sei eine einzelne Kennzeichnung viel zu aufwendig und je ein Plastikschildchen eine Öko-Sünde.

Das könnte dich auch interessieren:

Vandalismus in Schwäbisch Hall Unbekannte randalieren im Schenkensee-Freibad

Schwäbisch Hall